Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
K. L. Schaefer: Beweise gegen Wundts Theorie von der Interferenz akustischer Erregungen im Zentralorgan. Pflügers Arch. f. d. ges. Physiol. Bd. 61. S. 544-550. 1895. Selbstanzeige
Person:
Schaefer, K. L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29997/2/
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Li tier a turbericht. 
der erste Teil der vorliegenden Abhandlung nach, dafs und warum 
eine solche durch keinen der bisherigen Versuche bewiesen, ja im 
Gegenteil bei dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse unbeweisbar 
und höchst unwahrscheinlich ist. Der zweite Teil legt dar, dafs nach 
der WüNDTSchen Theorie ein Differenzton laut und deutlich gehört 
werden müfste, wenn zwei entsprechende Stimmgabeln auf beide Ohren 
verteilt werden, während in Wirklichkeit dieser Differenzton unter den 
angegebenen Bedingungen gerade durchaus vermifst wird. 
A. Thiéry. Über geometrisch-optische Täuschungen. Philos. Stud. XI. 3. 
S. 307—370. (1895.) 
Der Verfasser beabsichtigt, der Reihe nach Bichtungs-, Gröfsen- 
und Krümmungstäuschungen zu untersuchen; die vorliegende Arbeit 
bespricht nur die ersteren, insbesondere die ZÖLLNERSche Figur und die 
verwandten Erscheinungen. Der Verfasser denkt sich die Sache folgender¬ 
weise. Wenn man aus einer ZöLLNERschen Figur zwei benachbarte 
Längsstreifen mit zugehörigen Querstrichen herausnimmt, so erwecken 
diese die Vorstellung eines Prismas, von welchem zwei Seiten dem 
Beobachter zugewendet sind, und welches um eine in der Zeichnungs¬ 
ebene befindliche, zu den Längsstreifen senkrechte Achse gedreht worden 
ist. Dementsprechend scheinen die Längsstreifen nach einer Seite sich 
vom Beobachter zu entfernen, nach der anderen sich ihm zu nähern- 
indem aber die Abstände zwischen den Endpunkten derselben beiderseits 
unter gleichen Gesichtswinkeln wahrgenommen werden, schliefst man, 
dafs der Abstand zwischen den entfernter scheinenden Endpunkten 
thatsächlich gröfser ist, als der andere. Indem sich das nämliche mit 
jedem Paar benachbarter Längsstreifen wiederholt, entstehe die bekannte 
Täuschung. — Zur Bestätigung dieser Theorie wird der GuYEsche Versuch 
angeführt; Referent erlaubt sich aber zu bemerken, dafs nach Guye die 
plastische Auffassung eben anfängt, wo die Täuschung aufhört. Des 
weiteren erklärt der Verfasser nicht, warum von den beiden auch nach ihm 
gleich möglichen plastischen Auffassungsweisen (konvex oder konkav) 
immer diejenige gewählt wird, welche seine Theorie braucht; von vorn¬ 
herein wahrscheinlich ist diese Wahl gewifs nicht, involviert sie doch 
eine Auffassung, welche es nach der eigenen Bemerkung des Verfassers 
unmöglich macht, die verschiedenen Teile der Figur als ein plastisches 
Gebilde zu sehen. Der Verfasser bemerkt mit Recht, dafs nach seiner 
Theorie monokulare Betrachtung, indem sie die plastische Auffassung 
begünstigt, die Täuschung verstärken mufs ; in der einzigen von ihm 
mitgeteilten einschlägigen Versuchsreihe verhalten sich aber die aus 
binokularer und monokularer Betrachtung resultierenden Täuschungs¬ 
beträge bei normaler Figurlage wie 127.1: 58.3, bei 20°, 40°, 60° Drehung 
um eine vertikale Achse bezw. wie 144.9 :84.9, 168.9: 129.9 und 202.5 : 
198.8, und nur bei 80° Drehung wie 97.5:127.5; was den Verfasser jedoch 
nicht hindert, zu schliefsen: „auf Grund von quantitativen Messungen 
haben wir nur bestätigen können, dafs in der Zöllner sehen Figur die
        

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