Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
C. L. Dana: A case of Amnesia or "Double Consciousness". Psychol. Rev. I. S. 570-580. 1894
Person:
Kurella
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29958/1/
Litter cUuirbericht. 
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der senBibeln and motorischen Funktionsstörungen mit derartigen De¬ 
generationen bei 80 Individuen (54 Männern, 26 Weibern) angestellt, 
deren Demenz das Ausgangsstadium von Manie, Melancholie, Paranoia 
u. pu m. gebildet hat. Trotz der grofsen Schwierigkeit der sogar bei Ge¬ 
sunden, um wieviel mehr bei Stumpfsinnigen, besondere Sorgfalt er¬ 
fordernden Mafsnahmen Helsen sich doch einige nicht unwichtige That- 
sachen bei der Mehrzahl der Kranken erheben. So: 
1. Geringe Schmerzempfindliohkeit der Haut gegen Stiohe und sehr 
ausgesprochen gering für elektrische Beize, während die sonstigen Moda¬ 
litäten des Tastgefühles, wie auch die Sinnesorgane, im ganzen bei den 
Dementen wenig leiden. Ob indes jene Hypalgesie auf Degeneration 
der zentripetalen Leitungswege oder ausschHefsHch auf Bindenläsion 
zurückzuführen ist, bleibt zweifelhaft. 
2. Hypokinese: Fehlen des Muskeltonus einer Gesichtshälfte ; 
spricht entschieden für den Ausfall der psycho - motorisohen Zentren, 
während die Parakinesen: Zittern der Zunge und Hände, auf unregel- 
mäfsigen Verlauf des Nervenstromes durch die Bückenmarkfasern infolge 
von Degeneration der Hinterstränge hinweisen. Dafür spräche 
auch die 
3. paradoxe Muskelreaktion bei Galvanisation, wenn nicht die 
hochgradige Inanition der Dementen zu erwägen wäre. Fraenkzl. 
O. L. Dana. A case of Amnesia or „Double Consciousness'*. Psychol. 
Bec. I. S. 570-580. (1894.) 
Ein 24jähriger Mann gerät naoh einer Leuchtgasvergiftung auf 
acht Tage in einen Zustand von Verfolgungsdelirium. Am achten Tage 
wird er ruhig, zeigt aber Verlust des Gedächtnisses für das eigene Vor¬ 
leben, kennt den Zweck alltäglicher Gegenstände nicht, hat „einen sehr 
beschränkten Sprachschatz", kann nur aUtägliche Worte brauchen und 
nur die einfachste, auf anwesende Objekte bezügliche Unterhaltung ver¬ 
stehen. Beim Besuch der Eltern und Geschwister erkannte er dieselben 
nicht, auch beim Besuch der Braut fehlte ein Wiedererkennen (wie Dana 
meint), jedoch sagte er bei ihrem Besuch, er hätte sie immer gekannt 
und hätte den dringenden Wunsch, dafs sie bei ihm bliebe ; dabei wufste 
er nicht, was Ehe und Heirat ist. Er konnte nicht lesen, kannte Buch¬ 
staben und Zahlen nicht, lernte aber bald lesen und einfache Sätze,'die aus 
gewöhnHchen Worten bestanden, zu. schreiben. Zwei Monate später 
konnte er in der Zeitung nur einfaohe Berichte über alltägliche Vorfälle 
lesen ; schnell lernte er wieder rechnen und Billard spielen ; zugleich 
lernte er schnell Handfertigkeiten, die ihm früher seiner Ungeschicklich¬ 
keit wegen fremd geblieben waren. Der Charakter zeigte dieselben Züge, 
wie vor der Krankheit. Im übrigen war er „ganz wie ein Mensch mit 
kräftigem Gehirn, der in eine neue Welt geraten ist und alles erst lernen 
rnuis". Dabei schien er ein Gefühl zu haben, sich in einem abnormen 
Zustande zu befinden. 
: Aus der Schilderung des Zustandes ist als wichtig hervorzuheben, 
dafs keÿne Sensibilitäts- oder sensorische Störungen bestanden, dagegen 
Zeichen yon läbmungsartiger Schwäche der Vasomotoren der Haut»
        

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