Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Victor Urbantschitsch: Über Hörübungen bei Taubstummheit und bei Ertaubung im späteren Lebensalter. Wien, Urban & Schwarzenberg. 1895. 135 S.
Person:
Heller, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29930/2/
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Lùteraturbericht. 
gelernt haben, einen oft unangenehm harten, jeder Modulation entbeh¬ 
renden Charakter tr>, nimmt die Stimme der durch Hörübungen beein¬ 
flussten Taubstummen häufig den normalen Klangcharakter an, so dafs 
dieselben auch von fremden Personen ohne Mähe verstanden werden 
können. Ferner ist es durch eine Verbesserung des Gehörs auch leicht, 
„die Taubstummen mit Vokalgehör allmählich an den Dialekt zu ge¬ 
wöhnen , der bei der ländlichen Bevölkerung die Hauptschwierigkeit for 
den mündlichen Verkehr mit den Taubstummen bildet14. Schiiefslich ist 
noch hervorzuheben, dals jede noch so geringe Besserung des Hörver¬ 
mögens im gewöhnlichen Verkehr von grofsem Werte ist, da hierdurch 
manche Gefahren vermieden werden können, die der körperlichen Sicher¬ 
heit der Taubstummen im öffentlichen Leben drohen. 
Theodor Heller (Wien). 
Fr. Kirsow. Untersuchungen über Temperatorempflndungen. Erste Mit¬ 
teilung. Philosoph. Stud. XI. 1. S. 136—146. (1895.) 
Jene Richtung der Sinnesphysiologie, welche bestrebt ist, das 
Gesetz der spezifischen Sinnesenergien in extremer Weise und speziell 
auch für die einzelnen Empfindungsqualitäten innerhalb eines Sinnes 
durchzuführen, kann, ob sie gleich zahlreiche und bedeutende Vertreter 
zählt, doch heute nicht als die unbedingt herrschende bezeichnet werden. 
Es ist vor allen Wundt und seine Schule, welche sich, bei Anerkennung 
des richtigen Kernes in dem Satze von den spezifischen Sinnesenergien, 
den modernen Umgestaltungen und Erweiterungen jener Lehre gegen¬ 
über vorsichtig zurückhaltend, teilweise auch ablehnend verhalten und 
dadurch ein wirksames Gegengewicht gegen jene in der That oft zu 
weit gehenden Bestrebungen gebildet haben. Von besonderem Interesse 
ist es daher, wenn jetzt gerade von dieser Seite diejenigen Teile der 
8innesphysiologie eingehende Berücksichtigung finden, welche für die 
Klärung der Fragen der spezifischen Energie mehr Aussicht bieten, als 
die bisher mit besonderer Vorliebe behandelten beiden höchsten Sinne; 
ich meine die niederen Sinne, insbesondere den Geschmacks- und den 
Temperatur8inn, über welche Fr. Kirsow schon einige wertvolle Ab¬ 
handlungen geliefert und weitere in Aussicht gestellt hat. 
Die oben genannte Schrift über Temperaturempfindungen stellt 
sich als erstes Glied einer Reihe diesen Gegenstand betreffender Ab¬ 
handlungen dar. Sie bringt zunächst im wesentlichen eine Bestätigung 
der BLix«GoLDscHEiDEBschen Resultate. Kirsow findet die Annahme 
getrennter Empfindungspunkte durchaus bestätigt und konnte deren 
Konstanz über längere Zeiten hin (bis zu IV» Monaten bis jetzt) bestätigen. 
Ferner fand Kirsow wie Goldscheideb zwischen den eigentlichen Kälte- 
und Wärmepunkten Zonen, in denen ein intensiver TemperaturrOiz zwar 
anfangs nicht empfunden wird, allmählich aber doch zur Wahrnehmung 
gelangt, wofür eine befriedigende Erklärung noch nicht gegeben Werden 
konnte. 
• Die Frage nach der spezifischen Natur der Temperaturpunkte bejaht
        

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