Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
L. Luciani: Über Ferriers neue Studien zur Psychologie des Kleinhirns. Kritik und Berichtigung. Biolog. Centralbl. Bd. XV. No. 9. u. 10. (1. Mai 1895) / - I recenti studi sulla fisiologia del Cervelletto secondo il Prof. David Ferrier. Rectificazioni e repliche. Riv. di Freniatria. Vol. XXI. Fasc. 1. S. 1-27. 1895
Person:
Fraenkel
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29921/2/
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Litteraturberichl. 
der drei Gruppen zu ermitteln, führt für die Hemianästhesie eines 
der Kleinhirnhälfte beraubten Hundes ein schönes Beispiel beim 
Schwimmen des letzteren an und zeigt daran, dafs Ferrie* die Frage 
gänzlich mifsverstanden habe. Noch unbarmherziger verfährt Ferrie* 
gegen die Atonie, worauf Luciaxi wiederum mit einem Beispiel beim 
Fressen eines Hundes erwidert. Dagegen zieht Fbrribr die Sehnenreflexe 
ins Spiel, die mit der Sache gar nichts zu thun haben. Endlich führt 
Ferrier noch den Philosophen Herbert Spencrr ins Feld, der im Kleinhirn 
das Doppelorgan der Koordination im Raume und im Grofshirn das der 
Koordination in der Zeit erkennt, und den Dr. James Ross, der den 
Kommentar zu Spencers Hypothese geliefert hat — wogegen Luciaxi 
nichts einzuwenden hat, der sich vielmehr damit begnügt, dafs auch 
andere, wie Ferri er selbst, den tonischen oder kontinuierlichen 
Einflufs des Kleinhirns auf alle motorischen Vorgänge, direkt oder 
mittelst der anderen Cerebro-Spinalzentren, anerkennen. Das Kleinhirn 
ist auch für Fbrribr nicht mehr das Organ für das Gleichgewicht, 
noch sieht er in ihm einen Haufen unbewufster Zentren für Reflex¬ 
anpassung behufs Herstellung des ins Schwanken geratenen Gleich¬ 
gewichtes. 
Es ist Luciani nicht zu verdenken, dafs er mit einer gewissen 
Animosität gegen Anfechtungen seines Verdienstes von seiten derer 
loszieht, die als Autoritäten unter den Sachverständigen auf dem Gebiete 
der Nervenphysiologie gelten, wenn man erwägt, mit wie rastloser, acht 
Jahre dauernder Thätigkeit er die unbestritten erste wissenschaftliche 
Grundlage zur weiteren Erforschung eines Gegenstandes geschaffen hat, 
wo Vorurteile und Hypothesen bislang ihr Spiel trieben. Dafs weitere 
Fortschritte auf diesem Boden möglich und erwünscht sind, leugnet 
Luciani am allerwenigsten. Jahre werden aber darüber hingehen, ehe 
einer oder der andere Forscher, ausgerüstet mit der feinen Beobachtungs¬ 
gabe und dem Scharfsinne Lucianis, über ein genügendes Material verfügt, 
um ihm die volle Anerkennung verschaffen, geschweige die Pfeiler seines 
Gebäudes Umstürzen zu können. Frabnkel. 
Fr. Ejlrsow. Versuche mit Mossos Sphygmomanometer über die durch 
psychische Erregungen herrorgerufemem Veränderungen des Blut¬ 
drucks beim Menschen. Philosoph. Stud. 1895. XL 1 S. 41—61. Auch: 
Arch. Ital de Biol XXHI. S. 198—211. 
Verfasser hat mit dem Mossoschen Sphygmomanometer, dessen 
Konstruktion er genau beschreibt und durch eine Abbildung erläutert, 
Versuche über die durch psychische Erregungen hervorgerufenen Blut¬ 
druckänderungen angestellt. Er kam zu dem Resultate, dafs nioht bei 
allen Menschen Beeinflussungen in der angedeuteten Richtung zu erzielen 
sind. Während zahlreiche Versuchspersonen auf psychische Erregungen 
(Lösung von Rechenaufgaben, Geruchs-, Geschmacks-, Gehörs-, Gesichts- 
reize etc.) mit Steigerung, hie und da auch mit Senkung der Blutdruck¬ 
kurve reagierten, zeigten Personen mit auffallend ruhiger Gemütsart 
eine derartige Beeinflussung nicht. W. Cohnbtrin (Berlin).
        

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