Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hugo Münsterberg: Studies from the Harvard Psychological Laboratory (II) [H. Münsterberg and W. W. Campbell: The Motor Power of Idea. S. 441-453 / John Bygham: Memory. (II.) S. 453-461 / H. Münsterberg and Arthur H. Pierre: The Localization of Sound. S. 461-476 / Mary Whiton Calkins: Association. (I.) S. 476-483 / Edgar Pierce: Aesthetics of Simple Forms. (I.) Symmetry. S. 483-795]. Psychol. Rev. I. 5 1895
Person:
Kiesow, Friedr.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29885/1/
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Lit teraturbei'ich U 
geistige Arbeit*. Von diskontinuierlichen Messungen wurden nur Wahl- 
und Wortreaktionen benutzt; als kontinuierliche Arbeit diente das Addieren 
sowie das Auswendiglernen zwölfstelliger Zahlenreihen. Als Ermüdungs¬ 
arbeit wurde speziell ein zweistündiger Marsch oder einstündiges Addieren 
gewählt. Näheres über die Anordnung der Experimente und die Ver¬ 
wertung der Zahlen ist im Original nachzulesen. Als Versuchsperson 
fungierte nur der Verfasser selbst. Die Hauptergebnisse sind folgende: 
Körperliche Anstrengung schädigt die geistige Leistungsfähigkeit mehr 
als geistige Arbeit (in der gewählten Dosierung!). Die geistige Lähmung 
giebt sich nach beiden Arbeitsformen in der Verlängerung der Erkennungs-, 
Wahl- und Assoziationszeiten, in der Schwächung des Gedächtnisses und 
. der Herabsetzung der Übungsfähigkeit kund. Bei dieser Sachlage können 
Turnstunden und Spaziergänge nicht als Erholung vor geistiger Arbeit 
betrachtet werden. Auf motorischem Gebiete ergab sich ein qualitativer 
Unterschied. Da nämlich nach körperlicher Arbeit auffällig oft Fehl¬ 
reaktionen auftraten, nimmt B. an, dafs die motorische körperliche An¬ 
strengung zu einer zentralen motorischen Erregung führt. Nach geistiger 
Arbeit, die keinen starken motorischen Anreiz bringt, fehlt diese Er¬ 
regung nicht nur gänzlich, sondern die geistige Arbeit ist sogar im 
stände, auf die schon vorhandene motorische Erregung deutlich hemmend 
zu wirken. Die motorische Erregung verschwand rascher wieder, als die 
geistige Lähmung; ihr Abklingen, konnte durch eine eingeschobene 
geistige Arbeit wesentlich beschleunigt werden. Während die genannten 
Ermüdungsarbeiten zu keiner nachhaltigen Schädigung der geistigen 
Leistungsfähigkeit führten, liefs sich der Einflufs einer sehr starken 
Ermüdung (Nachtversuch) namentlich auf die Wahlreaktionen noch 
mehrere Tage hindurch in abnehmender Stärke verfolgen, obwohl die 
Nachwirkung nach dem subjektiven Urteil der Versuchsperson längst 
überwunden war. Ziehen (Jena). 
Hugo Münsterberg. Studies from the Harvard Psychological Labora¬ 
tory (II). Psychol. Bev. I. 5 (1895). 
A. H. Münsterberg and W. W. Campbell. The Motor Power 
of Idea. S. 441—453. 
Ein Physiker hatte Münsterberg vor zehn Jahren mitgeteilt, dafs, 
wenn man 20 Sekunden lang in eine helle Flamme blicke, die Augen 
schliefse und den Kopf um 45° wende, das Nachbild der Flamme sodann 
in der Bichtung der Kopfdrehung erscheine, dafs dasselbe unter gleichen 
Bedingungen aber in der Bichtung der objektiven Lichtquelle gesehen 
werde, wenn die Augen nur während einer Sekunde dem Lichte aus¬ 
gesetzt würden. Münsterberg konnte die Beobachtung bestätigen, er¬ 
kannte aber alsbald, dafs man von dieser Erscheinung nicht, wie der 
Betreffende wollte, auf einen zentralen Ursprung der Nachbilder schliefsen 
dürfe, sondern dafs dieselbe auf die Beteiligung der Augenbewegungen 
zurückzuführen sei. öffnete er die Augen nach vollzogener Kopfdre¬ 
hung, so entsprach die Stellung derselben in beiden Fällen der Bichtung 
des vordem gesehenen Nachbildes. Münsterberg erkannte aber auch 
sogleich, dafs der Versuch einen instruktiven Fall für die Mefsbarkeit
        

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