Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
C. Lombroso: Der Antisemitismus und die Juden im Lichte der modernen Wissenschaft. Autorisirte deutsche Übersetzung von Dr. H. Kurella. Leipzig. Georg H. Wigands Verlag. 1894. 114 S.
Person:
Kiesow, Friedr.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29874/1/
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andere Anschauung nicht gut möglich, da Johanna unzweifelhaft halluzi¬ 
niert hat. Andererseits aber haben so tüchtige Psychiater, wie Hagbn, 
Brierre db Boishont u. a. m., kein Bedenken getragen, die Jungfrau trotz 
ihrer Halluzinationen für geistesgesund oder doch wenigstens nicht für 
geisteskrank zu erklären. 
Dafs Hirsch diese Frage durch seine Broschüre der Entscheidung 
näher gebracht habe, läfst sich nicht behaupten. Erkrankte Johanna 
wirklich, wie Hirsch es annimmt, mit 13 Jahren an Wahnideen und 
Halluzinationen, war sie thatsächlich in einer so frühen Zeit ihres Lebens 
schon geisteskrank, dann würde eine so frühzeitige Erkrankung aller 
Erfahrung nach ihre weitere geistige Entwickelung gehemmt haben und 
die Kranke in Schwachsinn versunken sein, während sich umgekehrt 
ihre geistige Kraft mit ihren höheren Zielen entwickelt und ihre höchste 
Kraft und Entäufserung in dem Kampfe um ihr Leben erreicht. 
Zwei volle Monate dauerte ihr Prozefs, und täglich wurde sie von 
60 geistlichen Beisitzern verhört. In diesen Verhören entfaltete das 
einfache Mädchen, das nicht lesen und schreiben kann, eine solche 
geistige Kraft und Gewandtheit, dafs sie die Bewunderung ihrer Gegner 
erweckt, und wenn diese auch Kinder ihrer Zeit, und diese Zeit eine 
gottserbärmliche war, so geht doch das eine klar daraus hervor, dafs 
Johanna ihren Gegnern zum mindesten gewachsen, wenn nicht gar Über¬ 
legen war. 
Schwachsinnig war sie demnach sicherlich nicht, und wie Hirsch 
ihr als Verrücktheit anrechnen will, was ihre ganze Zeit und Umgebung 
mit ihr glaubte und für wahr hielt, will mir auch nicht recht scheinen. 
Mit denselben Beweisgründen müfste man noch ganz andere Leute für 
verrückt erklären, die ebenfalls Sinnestäuschungen gehabt und im Sinne 
ihrer Zeit gedacht und gehandelt haben. 
Was Hirsch ungelöst gelassen hat, wird voraussichtlich noch manchen 
Berufenen und Unberufenen in die Schranken rufen. Schickt sich doch 
das fromme Frankreich an, die bereits selig Gesprochene in den Beigen 
der Heiligen einzureihen, was dem Advokaten des Teufels Gelegenheit 
geben wird, die alte Frage nochmals gründlich zu erörtern. 
Pel man. 
C. Lombroso. Der Antisemitismus und die Juden im Lichte der modernen 
Wissenschaft. Autorisirte deutsche Übersetzung von Dr. H. Kurblla. 
Leipzig. Georg H. Wigands Verlag. 1894. 114 S. 
Die Juden sind nicht reine Semiten, sondern aus einer Mischung 
mit vorwiegend arischen Volkselementen hervorgegangen. Der grofse 
Prozentsatz von Brachycephalie unter den Juden ist eine Erbschaft des 
alten Volkes der Hethiter, das bereits etwa 2000 Jahre v. Oh. eine hoch- 
entwickelte Kultur besafs, die Blondhaarigkeit bei den Juden entstammt 
zum grofsen Teile der im alten Testamente mehrfach erwähnten, in den 
Nachlassen ihrer Kultur noch heute an der nordafrikanischen Küste 
nachweisbaren Völkerschaft der Amoriter, die spezifisch jüdische Nase 
ist das Produkt einer Kreuzung mit Armeniern. Den reinen alt-semitischen 
Typus bewahren in Sprache, Schädelform, Teint und Nasenbildung nur
        

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