Bauhaus-Universität Weimar

Litter a turbericht. 
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bezeichnet. Die Merkfähigkeit hängt zum Teil von der Aufmerksamkeit 
ah. Die Unfähigkeit der Rückerinnerung beruht zuweilen, aber keines¬ 
wegs stets, auf einem Verlust der Merkfähigkeit in einem gegebenen Zeit¬ 
raum (Beispiel: Amnésie rétroactive nach Schädeltraumen). Die An¬ 
nahme einer willkürlichen Lenkung der Aufmerksamkeit ist auch nach W. 
eine Selbsttäuschung, analog derjenigen des Selbstbewufstseins. 
Die Affekte werden zum Schlufs der SchlufsVorlesung etwas gar 
zu kurz abgehandelt. Von der G-efühlsbetonung und der Häufigkeit des 
Auftretens hängt die Erregbarkeit einer Vorstellungsgruppe nach W. ab. 
Unter Normalwertigkeit der Vorstellungen versteht er eine bestimmte 
Abstufung von ErregbarkeitsVerhältnissen, welche bei den verschiedenen 
Individuen innerhalb einer gewissen Breite verschieden ist, dooh bei 
jedem Individuum einen präformierten Besitz gewiss ermafs en von Ranges - 
unterschieden unter den Vorstellungen bedingt. Die Verschiedenheit der 
Charaktere|beruht wesentlich auf der verschiedenen Wertigkeit derjenigen 
Vorstellungen, von denen ihr Handeln unter bestimmten Verhältnissen 
abhängt. Auch bei dem G-esunden treten öfter überwertige Vorstellungen 
auf (Ehrbegriff etc.). Bei Geisteskranken sind sie erheblich häufiger. 
Referent ist schon nach dieser psychophysiologischen Einleitung über¬ 
zeugt, dafs Wernickes Grundrifs die meisten der landläufigen Lehrbücher 
der Psychiatrie weit überragen wird. Auch der Psycholog findet über¬ 
genug Belehrung und Anregung. Ziehen (Jena.) 
C. Bonfigli. Un caso di demonopatia. Biv. di fr en. XX. 3—4. S. 341. 
Der Pall von Besessenheit bei einer 29 Jahre alten Bäuerin, die 
im Mai 1894 in die Irrenanstalt von Rom aufgenommen wurde, ver- 
aniafst den die Klinik dieser Anstalt leitenden Verfasser schon um des¬ 
willen zu einem näheren Eingehen, weil es seltsam erscheint, dafs im 
19. Jahrhundert ein solcher Fall Vorkommen könne. Allerdings ist der 
Glaube an Hexen und behext zu sein, wie es in dem fraglichen Falle 
geschieht, nicht mehr so lebendig, dafs Tausende von Scheiterhaufen 
Zeugnis davon abgeben, aber er besteht doch, wenn auch abgeschwächt, 
unter allerlei Formen und wird, wie der Glaube an Geister und Dämonen, 
dem 20. Säkulum nicht fehlen, so lange der Wunderglaube seine Nahrung 
den biblischen Vorbildern und neuerdings dem Spiritismus entnimmt.1 
Der Vorgang ist sehr erklärlich, wenn man bedenkt, dafs die erblich 
belastete, durch fünf Kindbetten und Laktation geschwächte, unwissende, 
religiös gläubige Frau, durch das Abschiedswort ihres Vaters, den man 
ins Irrenhaus führt, sie solle sich nicht behexen lassen, erregt, von 
einer als Hexe verrufenen Alten plöfzlich angehalten, von ungewohnten 
Sensationen in dem berührten Arme befallen wird und in ein 
krankhaftes Bellen ausbricht, das sie aus dem Zustande einer ihrer 
hysterischen Verwandten kennt. 
Die Suggestion setzt sich in dem durch die Vorbedingungen ge- 
1 Anm. des Ref. : Vergl. Biv. di fren. Bd. XX. S. 197, wo es heifst: 
„Man brachte ihn im Mai 1893 nach dem Santuario di Caravaggio, wo 
man noch jetzt den Exorcismus betreibt und die Besessenen heilt.“ 
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