Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
[Anonymous]: Der Mechanismus des Bewußtseins. Grundzüge zur mechanischen Erklärung der Thatsachen des Bewußtseins. Gustav Fock, Leipzig. 1895
Person:
Kiesow, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29773/1/
Litteraturberichi. 
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weist, „dafs wir zwei Beine haben“! Es wird erst die Aufgabe der 
experimentellen Forschung sein, für die Taktgleichheit nach tieferen 
Ursachen zu suchen, dabei wird man sich nicht mit Schlagworten über 
„Einstellung“ zu begnügen haben, was darauf hinauskäme, alle Rhythmus- 
thatsachen als Prädikate des Subjekts „Einstellung“ zu formulieren. 
Den Schlufs der Arbeit machen einige sehr zutreffende Bemer¬ 
kungen über Muskelsinn und seine Beziehungen zu Tanz und Musik; 
über die Unmöglichkeit, aus dem Herzschlag den Sinn für Rhythmus 
abzuleiten ; über die soziale Bedeutung von Tanz und Musik, — Aus¬ 
führungen, die manche Berührungspunkte mit den Ansichten von Ernst 
G-rosse (Die Anfänge der Kunst, Freiburg 1894) aufweisen. Referent er¬ 
laubt sich schliefslich, auf einige von den Ansichten des Verfassers 
prinzipiell abweichende eigene Ausführungen zu verweisen: (Philos. Studien 
X. S. 317 ff. 404 ff.) Meumann (Leipzig). 
Der Mechanismus des Bewufstseins. Grundzüge zur mechanischen 
Erklärung der Thatsachen des Bewufstseins. Gustav Fock, Leipzig. 
1895. 
Auf 47 Vs Seiten will die anonym erschienene Schrift auf rein 
mechanischem Wege eine Erklärung der einfacheren Bewufstseins- 
erscheinungen entwerfen. Ausgehend von der Thatsache, dafs alle Vor¬ 
gänge unseres Bewufstseins an die Thätigkeit des Nervensystems gebunden 
sind, sucht Verfasser durchzuführen, dafs man einen Unterschied an¬ 
zuerkennen habe zwischen denjenigen Vorgängen, die in den Nerven¬ 
zellen verlaufen, und denen, die den Nervenfasern eigentümlich sind. Nur 
die letzteren stehen nach seiner Annahme in irgend welcher Beziehung zum 
Bewufstsein, während die Vorgänge in den ersteren unabhängig von dem¬ 
selben und demnach unbewufst vor sich gehen. Die Nervensubstanz ist 
als Träger eines gewissen Quantums von Energievorrat der Ausgangs¬ 
punkt aller nervösen Thätigkeit. An die Zelle gebunden entlädt sich 
derselbe nach Analogie eines Explosivstoffes infolge eines von innen 
oder aufsen wirkenden mechanischen Stoffes und strömt in die Nerven¬ 
faser, deren Querschnittsänderung dann je nach der Beschaffenheit der 
ihr im Organismus entgegentretenden Hindernisse als Druck oder 
Spannung empfunden wird. Dies ist nach Verfasser der gewöhnliche 
Verlauf in den sensorischen Bahnen; in den zum Muskel ziehenden 
motorischen Fasern dagegen machen sich diese Hindernisse und die 
damit verknüpften bewufsten Vorgänge weniger geltend. Da die Nerven¬ 
fasern hier zwischen nachgiebigeren Gewebsteilen eingespannt sind, so 
wird die Formveränderung derselben nur empfunden, wenn die ausgelöste 
Anregung in irgend einer Weise gehemmt und unterdrückt wird. Unter 
dem Gegendruck der elastischen Faserwände verschwindet die auf diese 
Weise frei gewordene Energie, um in der Umgebung als Wärme auf¬ 
zutreten, wie dies am thätigen Muskel oder bei geistiger Anstrengung 
nach Verfasser nachweisbar ist. „Die Zersetzungsprodukte, die neu ent¬ 
standenen Verbindungen verlieren ihr vorheriges Volumen — vielleicht, 
dafs sie erst Dampfform haben und nun wieder in die flüssige über¬ 
gegangen sind. Sie werden vom Gefafssystem aufgesogen.“ Je mehr
        

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