Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. E. Hering: Über die nach Durchschneidung der hinteren Wurzeln auftretende Bewegungslosigkeit des Rückenmarkfrosches. Pflügers Arch. Bd. 54. S. 614
Person:
Cohnstein, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29767/1/
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Litter aturbericht. 
betreffenden zerrissenen Muskeln vermifst, während ja gerade in den 
charakteristischen Veränderungen histologischer und chemischer Art 
das Typische der trophischen Störung beruhe. 
W. Cohnstein (Berlin). 
H. E. Hering. Über die nach Durchschneidung der hinteren Wurzeln 
auftretende Bewegungslosigkeit des Rückenmarkfrosches. Pflügers 
Arch. Bd. 54. S. 614. 
Verfasser ventiliert in der vorliegenden Abhandlung die Erage, oh 
die Möglichkeit einer Bewegung an das Fortbestehen zentripetaler 
Fasern gebunden ist, oder ob auch ohne die letzteren durch alleinige, 
spontane Thätigkeit des Zentralorgans Bewegungen hervorgerufen werden 
können. Die Physiologen stehen im allgemeinen auf dem letzteren 
Standpunkt und bezeichnen diejenigen Bewegungen, welche das Zentral¬ 
organ spontan, etwa infolge von Stoffwechseländerungen in seinem 
Inneren, auslöst, als automatische. Als automatisch wirksam wird z. B. 
das Atemzentrum, das Herzhemmungszentrum, das vasomotorische 
Zentrum etc. angesprochen. — Verfasser erhebt nun den gewifs berech¬ 
tigten Einwand, dafs möglicherweise die Zentralorgane nur insofern von 
Einflufs für das Zustandekommen von Bewegungen seien, dafs ihre 
Erregbarkeit schwanke, während der eigentliche Bewegungsreiz sehr 
wohl von den peripherischen Enden der zentripetalen Fasern ausgelöst 
werden könne. — Um diese Frage experimentell zu prüfen, wäre es 
notwendig, einem Individuum sämtliche zentripetal leitende Fasern zu 
durchschneiden und dann zu prüfen, ob von dem Zentralorgan aus spontan 
Bewegungen ausgelöst werden können. Eine derartige Operation ist 
nun mit technisch kaum zu überwindenden Schwierigkeiten verknüpft, 
und daher hat Verfasser die Frage vereinfacht, indem er nur die angeb¬ 
liche Automatie des Rückenmarks zu studieren sich anschickte. 
Trennt man einem Frosch das Rückenmark vom G-ehirn, so beob¬ 
achtet man, dafs der zunächst platt auf dem Bauch liegende Frosch sich 
allmählich aufrichtet und eine sitzende Stellung einnimmt. (Beuge¬ 
phänomen. Robert Whytt). — Aber auch aufser dieser Bewegung 
sieht man an dem betreffenden Frosch oft Bewegungserscheinungen 
(Kriech-, Springbewegungen etc.). 
Verbindet man aber nun — wie Verfasser es gethan hat — mit 
der Rückenmarksdurchschneidung die Abtrennung sämtlicher sensibler 
Wurzeln, so bleibt jetzt jede spontane Bewegung des Frosches aus, er 
liegt wie tot völlig unbeweglich da, und nur der Reflex, den man durch 
Reizung des zentralen Stumpfes der durchschnittenen Wurzel auszulösen 
vermag, beweist, dafs in dem bewegungslosen Körper noch Leben 
vorhanden ist. Es folgt hieraus, dafs beim Frosch das Rücken¬ 
mark und der nahe bis zum Abgang des zehnten Hirnnerven 
reichende Theil der Medulla oblongata, wenn deren Zu¬ 
sammenhang mit den peripheren Endorganen der zentri¬ 
petalen Nerven aufgehoben ist, selbständig keine Bewegungen 
auslöst. 
Es lag nun der Einwand nahe, dafs bei den so operierten Fröschen
        

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