Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. S. Warthin: Some Physiologic Effects of Music in Hypnotized Subjects. Medic. News. (Philadelphia.) 28. Juli 1894. S. 89
Person:
Wallaschek
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29753/1/
Litteraturbericht. 
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in einen Zustand völliger Hörigkeit versetzt worden war und ihm, wie 
der Hund seinem Herrn, folgen „mufste“, ohne irgendwelche Neigung 
zu dem Betreffenden zu hegen, und ohne dafs angeblich ein Verhältnis 
sexueller Art sich entwickelte. Wenn die mitgeteilten Thatsachen und 
ihr kausaler Zusammenhang sich wirklich so verhielten, wie P. es dar- 
steilt, so müfste uns allerdings ein Grauen erfassen, ähnlich dem, das 
unsere Vorfahren hei dem Gedanken an Hexen und Hexenmeister beschlich. 
Wären wir doch alle an Leib und Leben, Ehre und Vermögen mehr 
oder weniger dem Belieben gewisser Mitmenschen preisgegeben, vor 
deren „Basiliskenblick“ auch die heiligsten Bande wie Strohhalme zer- 
reifsen. Herr Preyer gehört, wie er uns selbst mitteilt, zu den glück¬ 
lichen Besitzern dieses Basiliskenblickes, Hoffen wir, dafs er uns 
bald über seine eigenen Versuche, die er mit ihm angestellt hat, weiteres 
mitteilt. Liebmann (Bonn). 
A. S. Warthin. Some Physiologie Effects of Music in Hypnotized 
Subjects. Medic. News. (Philadelphia.) 28. Juli 1894. S. 89. 
Verfasser ist auf den glücklichen Gedanken gekommen, den emotio¬ 
nalen Effekt der Musik an hypnotischen Personen zu erproben. Er 
erreichte dadurch, wie ich glaube, eine weit natürlichere und wahrheits¬ 
getreuere Auskunft, als sie bisher durch blofse Spekulation oder durch 
die direkte Frage und Massenexperimente mit einem psychologisch 
ungeschulten Publikum erreicht wurde. Er hat bisher nur eine beschränkte 
Anzahl von Experimenten (7) gemacht, aber die Besultate sind doch 
schon jetzt wertvoll, zumal es der Verfasser verstanden hat, alle kühnen 
Schlufsfolgerungen und unnützen Hypothesen zu vermeiden. Er unter¬ 
suchte zunächst die Wirkung des Walkürenritts und konstatierte erhöhte 
Pulsfrequenz (von 60 auf 120) und Atmung (18—32). Die Hypnotisierten 
erklärten, von der Musik zunächst einen Gefühlseindruck erhalten zu 
haben, sie stellten sich ein Pferderennen vor, das sie als Zuseher und 
Teilnehmer mitmachten. Manche verbanden diese vermeintlichen Er¬ 
lebnisse auch mit körperlichen Bewegungen. Nur eine Versuchsperson 
kannte schon vorher die Musik und die mit ihr verbundene dramatische 
Scene. Aus der Hypnose erwacht, hatten die Versuchspersonen den 
Eindruck vergessen und hatten dann auch im normalen Zustande nicht 
denselben Eindruck, wie während der Hypnose. Das plötzliche An¬ 
schlägen des H-rnoll-Akkordes während des sonst aas H-dur gehenden 
Teiles des Stückes hatte die Folge, dafs die Versuchsperson erschreckt 
und blafs dastand und zugleich ihr Puls von 120 auf 40 herabging. Sie 
erklärte, den Eindruck gehabt zu haben, dafs jetzt alles plötzlich einem 
unerwarteten Ende entgegeneile. Für sich selbst aber hatte der H-moll- 
Akkord keinen Effekt, es wäre also lediglich eine Folge des Verhält¬ 
nisses zur übrigen Harmonie der Komposition. Auch der Prozefs des 
Hypnotisierens selbst wurde durch Musik erleichtert, und ein Patient 
konnte nur durch ein bestimmtes Stück, den Pilgerchor aus Tann¬ 
häuser, hypnotisiert werden, was auch schon beim fünften Takt gelang. 
Auch die Frage wurde untersucht, ob gewisse diesbezüglich berüchtigte 
Stellen WAGNERScher Kompositionen eine geschlechtliche Erregung ver-
        

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