Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Bruck: Über die Beziehungen der Taubstummheit zum sogenannten statischen Sinn. Pflügers Arch. f. Physiol. 1895. Bd. 59. S. 16-42
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29737/1/
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Litteraturbericht. 
widerlegt. Nur so viel leuchtet ein, dafs Verfasser bei seinen akustischen 
Reiz versuchen ein „Anblasen“ oder mechanische Erschütterungen seiner 
Tauben offenbar möglichst vermieden und die gröfste Mühe darauf ver¬ 
wendet hat, einwandfreie „Reaktionen auf Schall“ seitens seiner Ver¬ 
suchstiere zu erhalten. Der schwer stwiegende Ein wand Mattes ist der, 
dafs der Akustikusstamm schon nach zwei bis drei Wochen aufsteigend 
degeneriert und es mit Rücksicht hierauf als ein Fehler Ewalds zu 
bezeichnen sei, dafs er nicht die Zeitintervalle zwischen den Schail- 
reaktionsversuchen und der Operation angegeben. Auffallend erweise 
geht Verfasser „hierauf nicht näher ein“, sondern sagt nur allgemein 
andeutend : „Die Degenerationen, welche unter Umständen einen Teil des 
Oktavusstammes verändern, sind doch auch noch nicht an demselben 
Abend nach der Operation vorhanden und können daher für die gerade 
sehr wichtigen Prüfungen zu dieser Zeit ganz unberücksichtigt bleiben.“ 
Die den Schluls der Abhandlung bildende Beschreibung der Technik der 
Trommelfellzerstörung ist für die Hauptfrage kaum wesentlich. 
Schaefer (Rostock). 
Gaylord P. Clark. Über Gleichgewichtsphänomene in gewissen Cru- 
staceen. CentraTbl. f. Physiol. 1894. Bd. 8. No. 20. S. 626—631. 
Verfasser beobachtete an Krebsen verschiedener G-attungen kompen¬ 
satorische Bewegungen der Augenstiele bei Rotationen um die Längs¬ 
beziehungsweise Transversalaxe der Tiere. Diese Kompensationen hängen 
eng mit der intakten Funktion der Otocysten zusammen. Sie vermindern 
sich mit der Exstirpation der letzteren wesentlich und hören ganz auf, 
wenn mit dem Abtragen der Otocysten die Blendung verbunden wird, 
während letztere allein keinen störenden Einflufs hat. — Diese Versuche 
ergänzen sehr hübsch die früheren Experimente von Delage, Kreidl u. a. 
über die Otolithenfunktion bei Krebsen. Schaefer (Rostock). 
A. Bruck. Über die Beziehungen der Taubstummheit zum sogenannten 
statischen Sinn. Pflügers Arch, f Physiol. 1895. Bd. 59. S. 16—42. - 
Die statischen Fähigkeiten taubstummer Kinder sind bekanntlich 
neuerdings von Kreidl (vgl. Bd. IV. S. 120 dieser Zeitschr.) untersucht 
worden und erwiesen sich dabei sehr mangelhaft. Da Henben in einem 
„Vortrag gegen den sechsten Sinn“ {Arch. f. OhrenheilMe. Bd. 35. S. 161) 
# Zweifel an dieser Thatsache erhebt, so wiederholte Verfasser die 
KREiDLSchen Versuche. Er liefs die Taubstummen geradeaus marschieren, 
auf einem Fufse hüpfen, auf einem und auf beiden Beinen stehen, sowie 
auf dem Schwebebalken balancieren. Abgesehen von dem allen ge¬ 
lingenden Stehen auf beiden Beinen mit geschlossenen Augen, verhielt 
sich rund die Hälfte der Versuchspersonen bei der Lösung dieser Auf¬ 
gaben durchaus abweichend von normalen Menschen. Drehschwindel 
nach Rotation um die eigene Längsaxe fehlte in einigen Fällen ganz 
und war in anderen nicht sicher zu konstatieren. Hexsex ist hiernach 
gegen Kreidl entschieden im Unrecht und es ist kein Zweifel darüber 
möglich, „dafs das Gehörorgan als solches bezw. die normale Funktion 
desselben für die vollkommene Statik des Körpers von Bedeutung ist“.
        

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