Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
J. Bernstein: Über die spezifische Energie der Hörnerven, die Wahrnehmung binauraler (diotischer) Schwebungen und die Beziehungen der Hörfunktion zur statischen Funktion des Ohrlabyrinthes. Pflügers Arch. f. d. ges. Physiol. Bd. 57. S. 475-494. 1894
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29734/1/
Litteraturbericht. 
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können, geht schon daraus hervor, dafs nach zwei bis drei Wochen post 
operationem der Akustikusstamm durch aufsteigende Degeneration bis 
zu den zentralen Kernen zerstört wird- Wundts Versuchstaube ward 
sechs, resp. zwölf Wochen nach der Operation geprüft. — Den Schlufs 
der Untersuchung bilden anatomische und vergleichend physiologische 
Bemerkungen. Schaefer (Bostock). 
J. Bernstein. Über die spezifische Energie der Hörnerven, die Wahr¬ 
nehmung binauraler (diotischer) Schwebungen und die Beziehungen 
der Hörfunktion zur statischen Funktion des Ohrlabyrinthes. Pflügers 
Arch. f. d. ges. Physiol. Bd. 57. S. 475—494. (1894). 
Verfasser bestätigt zunächst die Dichtigkeit der von Matte unter 
seiner Leitung ausgeführten Untersuchungen. Tauben, denen beiderseits 
die Labyrinthe vollkommen entfernt sind, sind durchaus absolut taub. 
Zum Hören ist ihnen die Schnecke (wahrscheinlich mit dem Sacculus) 
unentbehrlich; die Bogengänge und mit ihnen wahrscheinlich der 
Utriculus sind andererseits unzweifelhaft statische Organe. Dafs zwei 
funktionell scheinbar so verschiedene Organe sich gemeinsam aus einem 
Bläschen entwickeln und phylogenetisch wie ontogenetisch so eng Zu¬ 
sammenhängen, beruht auf dem gemeinsamen mechanischen Prinzip: 
Beide Organe enthalten Nervenendapparate, welche durch Flüssigkeits¬ 
bewegungen in Erregung versetzt werden. 
Mit der Beweiskraft der Ewald-WuNDTSchen Versuche fällt natürlich 
auch des letzteren hierauf gebaute Hypothese von der Schallerregbarkeit 
des Akustikusstammes und Beweisführung gegen die spezifische Energie 
der Fasern derselben (vergl. Bd. VI. S. 248 dieser Zeitschr.). Auch die 
cerebrale Entstehung von Schwebungen kann Wundt gegen die spezifische 
Energie nicht ins Feld führen, da dieselbe faktisch noch durchaus un¬ 
bewiesen ist. Verfasser begründet dies durch eine scharfsinnige Kritik 
eigener und fremder Versuche. Alles in allem ist das Prinzip der 
spezifischen Energie durch Wundts Argumentationen nicht erschüttert, 
vielmehr durch den Nachweis besonderer Nerven für Druck-, Kälte- und 
Wärmeempfindung aufs neue gestützt. Schaefer (Bostock). 
J. Bich. Ewald. Zur Physiologie des Labyrinths. 3. Mitteilung. Das 
Hören der labyrinthlosen Tauben. Pflüg ers Arch. f. d. ges. Physiol. * 
Bd. 59. S. 258—275. (1895). 
In dieser Abhandlung verteidigt sich E. gegen die Angriffe von 
Matte und Bernstein. Auf seine eigene, allerdings wohl als klassisch zu 
bezeichnende Operationstechnik sich berufend, erklärt er, dafs Matte 
unmöglich tadellose Labyrinthexstirpationen an seinen Tauben ausgeführt 
haben könne. Die Befunde Mattes bezüglich des Verhaltens labyrinth¬ 
loser Tauben hätten daher keinen positiven Wert. — Was die „absolute 
Taubheit“ der Tauben von Matte und Bernstein anlangt, so sei gerade 
die Schufsreaktion die ungünstigste Versuchsmethode. Dasselbe hatte 
Matte von der Methodik des Verfassers behauptet, und so steht hier 
Behauptung gegen Behauptung ohne dafs der Leser eigentlich den 
Eindruck bekommt, als habe E. die Beweiskraft der Versuche von M.
        

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