Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. Pipping: Zur Lehre von den Vokalklängen. Neue Untersuchungen mit Hensens Sprachzeichner. Zeitschr. f. Biol. Bd. 31. N. F. XIII. S. 524-583. 1894 / Über die Theorie der Vokale. Acta soc. sc. fenn. Bd. 20. No. 11. Helsingfors 1894. 66 S. u. 2 Taf.
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29708/1/
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Litieraturbericht. 
Helmholtzsclien, die auch Pipping vertritt, eben darin, dafs Verfasser 
„den Mundtönen eine völlige Selbständigkeit zuschreiben mufs, während 
Helmholtz die auf die Note des Formanten eingestellte Mundhöhle nur 
die nächstliegenden Partialtöne des Stimmklanges resonatorisch ver¬ 
stärken läfst“. Schaeper (Bostock). 
H. Pipping. Zur Lehre von den Vokalklängen. Neue Untersuchungen 
mit Hensens Sprachzeichner. Zeitschr. f. Biol. Bd. 31. N. F. XIII. 
S. 524-583. (1894). 
— Über die Theorie der Vokale. Acta soc. sc. fenn. Bd. 20. No. 11. 
Helsingfors 1894. 66 S. u. 2 Taf. 
Die erste Abhandlung enthält wesentlich eine Polemik gegen Her¬ 
mann, dessen Vokaltheorie und abfällige Kritik der Untersuchungen P.s 
seinerzeit ebenso wie letztere selbst an verschiedenen Stellen dieser 
Zeitschrift eingehend besprochen sind. Verfasser ist durch seine 
letzten Analysen erst recht von der Bichtigkeit der bekannten 
HELMHOLTzschen Vokaltheorie überzeugt, abgesehen höchstens davon, 
dafs Helmholtz die Bedeutung des G-rundtones etwas überschätzt hat. 
Die neue ÜERMANNsche Lehre ist durchaus zurückzuweisen. Die 
FouRiERsche Analyse ist und bleibt die beste Methode, und gewisse 
Versuche von Helmholtz, Hensen und Auerbach beweisen das Fehlen 
unharmonischer Teiltöne bei den Vokalen. Des Verfassers Versuche mit 
Sinuswellenzahnrädern, welche im Anschlufs an Hermanns Beiträge zur 
Lehre von der Klangwahrnehmung (siehe vorstehendes Bef er at) angestellt 
wurden, führten zu dem Schlufs, dafs Hermanns „Unterbrechungston“ 
nichts anderes ist, „als der Totaleindruck des Klanges, zu dessen sicherer 
Wahrnehmung eine einigermafsen geschlossene Beihe von Teiltönen 
nötig ist. Wo diese Bedingung fehlt, haben die Teil töne eine aus¬ 
gesprochene Neigung, einzeln gehört zu werden, und der „Unterbrechungs¬ 
ton“ tritt zurück“. — Die zweite Arbeit giebt, abgesehen von kritischen 
Bemerkungen, die sich gegen die Auffassung Lloyds richten, dafs die 
Intervalle mehr geeignet seien, Vokale zu charakterisieren, als die 
absoluten Tonhöhen, eine sehr klare Darlegung von des Verfassers 
eigener Ansicht über das Wesen der Vokale. Die Vokale sind Klänge, 
in denen ein Ton oder Tonkomplex besonders hervortritt. Dieser 
charakteristische Ton ist für jeden einzelnen Vokal ein spezifischer und 
dabei zugleich konstant, d. h. es ist immer der nämliche, gleichviel, ob 
ein Kind oder ein Erwachsener den Vokal spricht und ob er überhaupt 
gesprochen oder auf eine beliebige Note gesungen wird. Erzeugt wird 
der charakteristische Ton durch die Besonanz der Mundhöhle. Diese 
hängt ab von den anatomischen Dimensionen einerseits und andererseits 
von der Stellung der Zunge, der Lippen, kurz von der Artikulation. Da 
beim Kinde die Dimensionen der Mundhöhle andere sind, als beim Er¬ 
wachsenen, so mufs das Kind zur Kompensation anders artikulieren, 
damit der gleiche Vokal zu stände kommt. „Identisch können zwei 
Vokale nicht sein, wenn nicht die im Ansatzrohr gebildeten Hohlräume 
dieselben Besonanzhöhen und Besonanzbreiten haben. Künstliche Vokale 
brauchen mit den menschlichen und unter sich keine Ähnlichkeit in der
        

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