Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ramón y Cajal und Richard Greeff: Die Retina der Wirbeltiere, nach Arbeiten von Ramón y Cajal. In Verbindung mit dem Verfasser zusammengestellt, übersetzt und mit Einleitung versehen von R. Greeff. Wiesbaden, J. F. Bergmann. 1894. Gr.-Quart. 180 Seiten mit 7 Doppeltafeln und 3 Abbildungen im Text
Person:
Greeff, R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29696/7/
Besprechungen. 
281 
Die Spinnenzellen (Neurogliazellen) liegen zwischen den Sehnerv en- 
fasern im Nervus opticus, in der Sehnervenschicht der Retina und 
zwischen den Ganglienzellen. Sie bilden wahrscheinlich einen schlecht 
leitenden Apparat für die Nervenströmungen in der Retina, denn sie 
finden sich immer reichlich mitten zwischen den Nervenfasern, isolieren 
dieselben voneinander und verhindern eine longitudinale Berührung der 
einzelnen Fasern. 
Es ist in physiologischer Beziehung bemerkenswert, dafs sich ein 
Lichtreiz um so^mehr konzentriert, je weiter er durch die Retina durch¬ 
schreitet. Die obere Verzweigung einer bipolaren Zelle umgreift stets 
die Endkügelchen mehrerer Stäbchen, und wiederum pflegen mehrere 
bipolare Zellen mit ihrer unteren Verzweigung mit einer Ganglienzelle 
in Beziehung zu treten. Während also die Stäbchen vielleicht nur 
punktförmige Eindrücke aufnehmen, sind dieselben in den bipolaren 
Zellen und noch mehr in den Ganglienzellen zu bildförmigen Ein¬ 
drücken gesammelt. Die horizontalen Zellen sammeln die Eindrücke 
wohl in transversaler Richtung unterhalb der Endigungen der Sehzellen. 
Die Rolle der MüLLERSchen Stützfasern scheint nicht nur darin zu 
bestehen, die nervösen Elemente zu stützen, sondern auch, die Zellfortsätze 
zu isolieren und eine Überleitung der Reize in horizontaler Richtung im 
Niveau der Körnerschichten zu verhindern. Die seitlichen Ausbreitungen 
der MüLLERSchen Zellen fehlen oder werden sehr fein in den Schichten, 
wo ein nervöser Konnex der Zellen untereinander stattfindet (plexiforme 
Schichten). 
Es folgen schliefslich noch eigene Kapitel über 3. die Fovea 
centralis; dieselbe unterscheidet sich von anderen Teilen der Retina 
hauptsächlich dadurch, dafs auf gleichem Raume hier eine gröfsere 
Anzahl Zapfen vorhanden sind; die Zapfen in der Fovea sind weit zarter 
und dünner, und ihre Basilaranschwellung setzt sich ausschliefslich mit 
dem Büschel einer bipolaren Zelle in Kontakt. 
Aus dem Umstande, dafs für die beiden nervösen Kontaktoberflächen 
in der inneren plexiformen Schicht, den unteren Büscheln der Bipolaren 
einerseits und den oberen Büscheln der Ganglienzellen andererseits der 
Raum in der Fovea zu klein ist, und dafs die Zapfen in der Fovea in 
gröfserer Anzahl vorhanden sind, als anderswo in der Retina, erklären 
sich die Strukturveränderungen in dem perifovealen Teil der Retina: 
die Schrägheit der Zapfenfasern und der Fortsätze der bipolaren, die 
beträchtliche Dicke der inneren und äufseren Körnerschicht etc.; 2. die 
Entwickelung der retinalen Zellen. Verfasser führt in sehr geistvollen 
Schlüssen aus, dafs das Entgegen wach sen der zusammengehörigen Zellen 
wohl hauptsächlich durch Chemotaxis geschehe. 
Im ganzen genommen, ist die Retina ihrem Bau nach als ein echtes 
nervöses Zentrum des Zentralnervensystems zu betrachten, das nur in 
die Peripherie vorgeschoben ist. 
Im vorstehenden habe ich versucht, die hauptsächlichsten Er¬ 
gebnisse aus den Arbeiten Cajals hier etwas ausführlicher wiederzugeben. 
Ich mufs es mir jedoch versagen, auf die vielfachen scharfsinnigen Über¬ 
legungen und Kombinationen Cajals einzugehen, durch die er sich
        

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