Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ramón y Cajal und Richard Greeff: Die Retina der Wirbeltiere, nach Arbeiten von Ramón y Cajal. In Verbindung mit dem Verfasser zusammengestellt, übersetzt und mit Einleitung versehen von R. Greeff. Wiesbaden, J. F. Bergmann. 1894. Gr.-Quart. 180 Seiten mit 7 Doppeltafeln und 3 Abbildungen im Text
Person:
Greeff, R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29696/3/
Besprechungen. 
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Methylenblaufärbung zu Kontrollversuchen. — An die Spitze seiner Unter¬ 
suchungen stellt Cajal den Satz von der Unabhängigkeit der nervösen 
Elemente voneinander. Die Zellen verbinden sich mit ihren Ausläufern 
nicht untereinander, sie bilden keine Netze (alte Netztheorie), sondern 
eine wirksame Übertragung der Nervenreize von Zelle zu Zelle findet 
schon dadurch und nur dadurch statt, dafs die Fortsätze und Veräste¬ 
lungen einer Zelle sich denen der benachbarten Zelle mit ihren Spitzen 
oder ihren Seitenflächen anlegen (neue Kontakttheorie). Nur durch 
innigen Kontakt ihrer Fortsätze treten die Zellen zu einander in Be¬ 
ziehungen. Die Nervenzellen sind miteinander in keinerlei Verbindung 
stehende „Individuen“ (Edinger) oder Neurone (Waldeyer). Cajal konnte 
diesen Satz vor einigen Jahren nach Befunden im Kleinhirn und im 
Bulbus olfactorius aufstellen, er bestätigt sich aber ganz besonders nach 
den Befunden in der Betina. Wir müssen also zuerst die Ansicht von 
dem Bestehen eines nervösen Netzes in der Betina fallen lassen. 
Es ist die Frage nach dem Zusammenhänge der nervösen Elemente 
von grofser allgemeiner prinzipieller Bedeutung für die ganze 
Anatomie und Physiologie des Nervensystems. Die meisten Anatomen 
haben sich der neuen CAJALSchen Kontakttheorie angeschlossen, und es 
ist an ihrer Dichtigkeit kaum noch zu zweifeln. Allerdings giebt es 
auch noch heftige Gegner derselben, welche an der alten Netztheorie 
festhalten. Es sind das hauptsächlich solche Forscher, welche nur mit 
der Methylenblaumethode gearbeitet haben; der eifrigste Gegner ist 
Dogiel, dem wir übrigens auch viele neue Thatsachen verdanken. 
Nach den Arbeiten von B. y Cajal darf man den schon von 
H. Müller und seinen Nachfolgern so eifrig gesuchten Zusammenhang 
der Stäbchen und Zapfen mit den Sehnervenfasern nunmehr als auf¬ 
gefunden und festgestellt betrachten. Allerdings ist der Zusammenhang 
nicht so, wie man immer geglaubt hatte, lückenlos, sondern es finden 
sich Unterbrechungen in der Nervenbahn oder ÜbertragungsVorrichtungen 
durch Kontakt. 
Die Stäbchenfaser endet in der äufseren granulierten (plexiformen) 
Schicht frei mit einem Knötchen ; dieses Knötchen wird umsponnen von 
den Endfasern der oberen Fortsätze bestimmter bipolarer Zellen, welche 
nur für die Stäbchen bestimmt sind und sich von den Bipolaren, welche 
für die Zapfen bestimmt sind, unterscheiden lassen. Unten setzt sich 
dann diese bipolare Zelle mit einem absteigenden Fortsatz direkt auf 
eine Ganglienzelle auf, umklammert sie mit fingerförmigen Zweigen und 
leitet ihr (durch Kontakt) den empfangenen Lichtreiz von den Stäbchen 
zu. Die Ganglienzelle sendet dann den empfangenen Impuls durch eine 
Sehnervenfaser den optischen Zentren zu. 
Der Weg, den ein Beiz durch die Zapfen nimmt, ist anders. Die 
Zapfenfaser endet in der äufseren granulierten (plexiformen) Schicht 
mit einer breiten Basis, von der basiläre kurze Fädchen ausgehen. 
Mit diesen treten die Fädchen von den Enden der für die Zapfen be¬ 
stimmten bipolaren Zellen in Kontakt. Der untere Fortsatz dieser 
Bipolaren endet in verschiedener Höhe in der inneren plexiformen 
Schicht mit einer Endverästelung. Diese Ästchen treffen zusammen
        

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