Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theobald Ziegler: Das Gefühl. Eine psychologische Untersuchung. Stuttgart, Göschen 1893. 328 S.
Person:
Höfler, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29695/1/
Besprechungen. 
269 
Wickelung, nicht die Entwickelung selbst, falls die Hypothese, welche 
eine solche nicht als einen G-edanken, sondern als ein Weltprinzip 
aufstellt, recht hat. — — 
Referent hat die immer undankbare Aufgabe des Heraushebens von 
Stellen, die ihm angreifbar scheinen, nicht umgehen wollen, da die 
zweite gegenüber der ersten Auflage in der That viele Veränderungen 
aufweist, von denen der Verfasser zum Teil selbst ausweist, dafs sie in 
Berücksichtigung von Kritiken erfolgt sind. Oh es freilich dem Ver¬ 
fasser passen wird, bei einer sicher zu hoffenden weiteren Auflage auch 
auf die mehrfach prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten Rücksicht zu 
nehmen, hält Referent bei der nur andeutenden Begründung seiner 
Gegenthesen für kaum wahrscheinlich. Um so mehr sei noch einmal auf 
die eingangs erwähnten Vorzüge des Buches hingewiesen, und zwar jetzt 
nicht, um das Buch zu loben (— dafs sich z. B. Heinzes Empfehlung, es 
sei „eines der brauchbarsten psychologischen Lehrbücher neuerer Zeit“ 
• * __ 
[Überweg, Gesch. d. Philos. 7. Aufl. 3. Bd. S. 535], als wirksam erweist, 
habe ich kürzlich an einem konkreten Falle im akademischen Unterrichte 
zu erfahren Gelegenheit gehabt), sondern um angesichts anderer neuerer 
und neuester Erscheinungen, z. B. Külpes Buch, zu betonen, dafs, wo 
Höfeding mit seinen psychologisch interessanten Beispielen aus dem 
Leben, der Dichtung u. s. f. weit über das hinausgeht, was man im 
Augenblicke als exakte Psychologie gelten läfst, für diese selbst dennoch 
weitere Aufgaben bezeichnet sind, die nicht aus dem Auge zu verlieren 
und am allerwenigsten einfach wegzuleugnen, mit zu den Verpflichtungen 
eben der Exaktheit gehört. Wenn Höffding nicht wenig Krummes 
gerade sein läfst, so wird doch diese, der Theorie wohl für immer 
inkommensurabel bleibende Psychologie des wirklichen Lebens seitens 
der Theorie als ein Gegebenes anzuerkennen sein, der sich die Exaktheit 
ohne Ende, asymptotisch, zu nähern immer wird trachten müssen. 
Umkehren, wie vielleicht mancher gern möchte, läfst sich das Gleichnis 
nun einmal nicht: denn das Leben wird hoffentlich nie ein Bedürfnis 
spüren, sich der starren Geraden, genannt „exakte Psychologie“, zu 
„nähern“ — nicht einmal „ohne Ende“. A. Höfler (Wien). 
Theobald Ziegler. Das Gefühl. Eine psychologische Untersuchung. Stutt¬ 
gart, Göschen 1893. 328 S. 
Verfasser sagt im Vorwort: „Die Psychologie hat neben ihrer streng 
wissenschaftlichen Seite von Haus aus auch einen Zug zum Populären 
und allgemein Menschlichen. Ich fürchte denselben nicht und meide 
darum auch nicht den bösen Schein. Und so habe ich für diese Unter¬ 
suchung eine allgemein verständliche Sprache gewählt, es im übrigen 
den verschiedenen Seiten meines Gegenstandes überlassend,, ob sie eine 
strengere oder laxere Behandlung fordern und ertragen. Die Einheitlich¬ 
keit der Darstellung im ganzen sollte darüber, denke ich, doch nicht in 
die Brüche gegangen sein.“ 
Also nach des Verfassers eigener Absicht eine Arbeit gleichen 
Charakters auf monographischem Boden, wie nach dem in der vor¬ 
stehenden Anzeige begründeten Gesamteindruck das HöFFDiNGSche Buch
        

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