Bauhaus-Universität Weimar

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G. Hey mans. 
Figuren, mehrfach variiert, einer gröfseren Anzahl von Per¬ 
sonen vorgelegt und in der That Resultate erhalten, welche 
einen ziemlich genauen Einblick in die Art der hier ob¬ 
waltenden AbhängigkeitsVerhältnisse gewähren. 
Es lag auf der Hand, bei diesen Versuchen als Mafs der 
Täuschung denjenigen objektiven Längenunterschied der zu 
vergleichenden Strecken zu benutzen, bei welchem dieselben 
subjektiv als gleich beurteilt werden. Für die Bestimmung 
dieses Unterschiedes bieten sich von selbst die beiden Methoden 
dar, welche Fechner als „Methode der Wahl“ und „Methode 
der Herstellung“ bei seinen experimentell-ästhetischen Unter¬ 
suchungen zur Verwendung brachte; d. h. man kann entweder 
die Versuchsperson aus mehreren Figuren, welche nur durch 
das Längen Verhältnis der zu vergleichenden Strecken sich von¬ 
einander unterscheiden, diejenige aussuchen lassen, bei welcher 
ihr diese Strecken als gleich erscheinen; oder man kann die 
Sache so einrichten, dafs eine der beiden Vergleichsstrecken 
von der Versuchsperson selbst so lange vergröfsert oder ver¬ 
kleinert werden kann, bis die scheinbare Gleichheit erreicht 
ist. Ich habe zuerst die Wahlmethode angewandt, aber dieselbe 
schon sehr bald zu Grünsten der Herstellungsmethode verlassen. 
Die Vorteile der letzteren sind folgende : Erstens brauchen sich 
die Versuchspersonen weniger anzustrengen; zweitens können 
sie den Punkt der scheinbaren Gleichheit nicht nur zwischen 
zwei Grenzen einschliefsen, sondern scharf bezeichnen ; und 
drittens ist die Möglichkeit ausgeschlossen, dafs sie sich bei 
ihrer Entscheidung durch die Ordnungszahlen der vorgelegten 
Figuren, etwa in Verbindung mit Vermutungen über die Art 
der Abhängigkeitsverhältnisse, beeinflussen lassen.1 Übrigens 
stimmten bei denjenigen Figuren, welche mittelst beider 
Methoden untersucht wurden, die erhaltenen Zahlen sehr gut 
zusammen. (S. 227 u. 228.) 
Die Einrichtung der Versuchsapparate war folgende (vgl. 
1 Dafs die auffallende Regelmäfsigkeit, mit welcher in den von 
Auebbach (diese Zeitschrift VII. S. 159) , mitgeteilten Versuchen „die für 
richtig gehaltene Figur von unten nach oben wandert“, dem letzteren 
Umstande zugeschrieben werden mufs, darf fast mit Sicherheit behauptet 
werden, wenn man überlegt, dafs bei meinen entsprechenden Versuchen 
(S. 227) nur in einer aus 28 Versuchsreihen die Richtung, in welcher sich 
die Zahlen bewegten, derjenigen der Mittelzahlen ausnahmslos entsprach.
        

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