Bauhaus-Universität Weimar

Quantitative Untersuchungen über das 
„optische Paradoxon“. 
Von 
Gr. HeYMANS. 
Professor in G-roningen. 
(Mit 23 Figuren im Text.) 
Die von Brentano als „optisches Paradoxon“ in die psycho¬ 
logische Besprechung eingeführte Urteilstäuschung hat zwar zu 
mannigfachen Erklärungsversuchen, aber fast noch nicht zu 
quantitativen thatsächlichen Bestimmungen, welche doch für 
den Wert jener den besten Prüfstein bilden würden, Ver¬ 
anlassung gegeben. Teils mag dies von dem Umstande her¬ 
rühren, dafs fast Allen, welche über das Problem geschrieben 
haben, ihre eigene Lösung unmittelbar evident und einer 
näheren Prüfung kaum bedürftig erschien; teils auch von der 
Thatsache, dafs das Mafs der Täuschung sich bei verschiedenen 
Personen als sehr verschieden herausstellt, woraus schon 
Müller-Lyer folgerte, dafs man von einer näheren Präzisierung 
des funktionellen Verhältnisses zwischen den die Täuschung 
bedingenden Faktoren und der Täuschung selbst im allgemeinen 
wohl absehen müsse.1 Was den erster en Punkt betrifft, wurde 
es aber bald klar, dafs jeder Lösungsversuch nur für seinen 
Urheber die erwähnte scheinbare Evidenz besafs; und dem 
zweiten gegenüber bleibt es doch immerhin denkbar, dafs, 
wenn auch die von verschiedenen Versuchspersonen erhaltenen 
Zahlen erheblich differieren, denselben dennoch eine gemeinsame, 
im Einzelfall durch störende Umstände verdunkelte Gresetz- 
mäfsigkeit zu Grunde liegen könnte, welche in den aus mehreren 
Beobachtungen gezogenen Mittelzahlen ans Licht treten müfste. 
Von diesen Erwägungen ausgehend, habe ich die BRENTANOschen 
1 Dubois-Reymonds Arch. f. Phys. 1889. Suppl. S. 264.
        

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