Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cesare Lombroso: Die Anarchisten. Eine kriminal-psychologische und soziologische Studie. Deutsch von Dr. Kurella. Mit einer Tafel und fünf Textabbildungen. Hamburg, 1895. Verlagsanstalt und Druckerei A.-G. (vormals J. F. Richter). 139 S.
Person:
Pelman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29691/1/
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Litter aturbericht. 
der schreckhafte Inhalt, die Eigenbeziehung und jeder Zusammenhang 
der Visionen unter sich und mit dem sonstigen Vorstellungsleben des 
Deliranten. Auffallenderweise wurden Tiere selten, Ratten und Mäuse 
gar nicht gesehen; diese Verschiedenheit gegenüber dem Vorherrschen 
spontan auftretender Tieryisionen erklärt sich nach Verfassers Ansicht 
dadurch, dafs beim spontanen Delirium der Kranke infolge des 
bestehenden schreckhaften Affektes auf die Vision von Tieren heftiger 
als auf das Sehen anderer Gegenstände reagiert und diese affektbetonten 
Vorstellungen natürlich fester im Gedächtnis behält und durch sein 
Verhalten oder seine Angaben zum Ausdruck bringt. 
Peretti (Grafenberg). 
Cesare Lombroso. Die Anarchisten. Eine kriminal-psychologische und 
soziologische Studie. Deutsch von Dr. Ktjrella. Mit einer Tafel und 
fünf Textabbildungen. Hamburg, 1895. Verlagsanstalt und Druckerei 
A.-G. (vormals J. F. Richter). 139 S. 
Wenn Lombroso in seinen Werken oft genug die Kritik heraus¬ 
gefordert und sie geradezu gezwungen hat, ihm recht harte Dinge zu 
sagen, so sind wir diesem neuesten Werke gegenüber in der weit an¬ 
genehmeren Lage, unsere Anerkennung und Bewunderung durch kein 
„aber“ einschränken zu müssen. 
In grofsen, gewaltigen Zügen entwirft Lombroso ein Bild des 
Anarchismus, und was er über dessen Wesen und Ursachen sagt, gehört 
mit zu dem Besten, was er je geschrieben. Er geht scharf, sehr scharf 
mit den staatlichen und gesellschaftlichen Zuständen ins Gericht, und 
wenn er auch die ganze Fülle seines Zornes über sein eigenes Vaterland 
ausgiefst, und ich mich wohl hüten werde, die bösen Dinge, die er dem 
Unterrichte, dem Parlamentarismus und mehr noch den Parlamentariern, 
den herrschenden Klassen und ihren Gesetzen nachsagt, von italienischem 
auf deutschen Boden zu übertragen, so läfst sich doch andererseits nicht 
leugnen, dafs auch bei uns nicht alles vollkommen ist, und dafs hier 
wie dort die Bedingungen für eine Unzufriedenheit gegeben sind, die 
sich in einem tollen, aber naiven Geiste als Protest gegen alles Be¬ 
stehende und in der Form der anarchistischen Ideen äufsern können. 
Wie Krapotkin bemerkt, bleibt der beherrschten Masse, wenn sie 
unzufrieden ist, nur der Appell an die Gewalt, und gerade dieser Teil 
der Lehre ist es, der die gröfste Anziehungskraft auf alle antisozialen 
und verkommenen Elemente ausübt und sie zu gemeinen Verbrechern 
macht, indem sie jedes Mittel anwenden, das zur Erreichung ihres 
Zweckes führt, und in der Abschlachtung einiger völlig harmloser Opfer 
die Erfüllung einer Pflicht erblicken. 
Als Werk einer Minderheit mufs der Anarchismus durch seine 
ungeordneten Fortschrittsbestrebungen, die sich in Gewaltthaten äufsern, 
die Entrüstung und den Widerstand der Majorität erwecken, die ihrer 
ungeheuren Mehrheit nach neuerungsfeindlich und allem abgeneigt ist, 
was eine tiefgreifende Störung bedingt. Dem Anarchismus neigen sich
        

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