Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Georges Dumas: Les états intellectuels dans la mélancolie. Paris, F. Alcan. 1895. 142 S.
Person:
Pelman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29689/2/
Litteraturbericht. 
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auf Grund des Gesetzes der Synthese, deren Assoziation eine unbewufste 
ist. Es ist der Zwang der Logik, der den Melancholiker zwingt, einen 
Grund dafür anzugehen, warum er weint, und er thut dies mit derselben 
Unbewufstheit wie im Traume, wo der Traum zur Erklärung einer 
Empfindung oder eines Geräusches wird. Daher auch die gleiche Un¬ 
möglichkeit, über den Wert der Erklärung zu urteilen und das Unzuläng¬ 
liche oder Unwahre derselben einzusehen. 
Dumas entwickelt seinen Ideengang an der Hand einiger bestimmten 
Beispiele. So einfach aber, wie er sich die Sache zurechtgelegt hat, ist 
sie am Ende doch nicht, und jedenfalls reicht die Annahme einer Hirn¬ 
anämie zur Erklärung der Erscheinungen in der Melancholie nicht überall 
und in allen Fällen aus. Pelman. 
Liepmann. Über die Delirien der Alkoholisten und über künstlich bei 
ihnen hervorgerufene Visionen. Arch. f. Psychiatr. u. NervenJcranJch. 
XXVII. Bd. S. 172-232. 1895. 
Das reichhaltige Material der Königlichen Charite in Berlin hot 
dem Verfasser Gelegenheit, die Alkoholdelirien eingehend zu beob¬ 
achten, und er hat die Gelegenheit in fruchtbringender Weise wahr¬ 
genommen und so zur Aufklärung des noch immer nicht ausstudierten 
Krankheitsbildes des Delirium tremens beigetragen. Einige seiner Schlufs- 
folgerungen mögen hier Platz finden: Der vorherrschende Affekt im 
Delirium tremens ist die Angst, und zwar ist ihr primärer Charakter 
wahrscheinlich, sie führt nicht zur Selhstbezichtigung, sondern zu Hand¬ 
lungen der Selbsterhaltung. Elementare Empfindungsanomalien wurden 
in mehr als der Hälfte der Fälle beobachtet, meistens Gesichts-, Gehörs¬ 
und Gefühlsempfindungen: Flimmern, Flocken, Streifen, Nebel, Feuer 
vor den Augen, Sausen und Klingen in den Ohren, Gefühl von Brennen 
und Kitzeln am Körper. Für das Zustandekommen von eigentlichen 
Illusionen wirkt alles begünstigend, was ein unscharfes Netzhautbild 
bedingt, Entfernung des Gegenstandes, verschwommene Formen und 
unzureichende Refraktion des Auges; der Délirant ermangelt der Auf¬ 
merksamkeit, durch welche ein Gesunder sich vor falscher Auffassung 
der unscharfen Netzhautbilder sichert, und so kommt es zur Illusion. 
Die Illusionen haben meistens Schreckliches zum Inhalt; Tiervisionen 
konnten hei 70% der Untersuchten nachgewiesen werden, Gehör¬ 
täuschungen hei 40%, besonders hei solchen, die schon in halluzinations¬ 
freien Zeiten an subjektiven Gehörsempfindungen gelitten hatten. 
Im zweiten Teile seiner Arbeit berichtet Verfasser von seinen Ver¬ 
suchen über künstlich ausgelöste Sinnestäuschungen, Druckvisionen bei 
Deliranten; bei 40 von 52 Untersuchten liefsen sich durch einen an¬ 
haltenden sanften Druck auf die Augäpfel (mit oder ohne Augenschlufs) 
Visionen erzeugen ; es traten an erster Stelle, offenbar in krankhafter 
Deutung der bekannten PuRKiNJESchen Druckfigur, „meteorische“ Er¬ 
scheinungen, Himmel, Sonne, Mond, Sterne, Blitze, auf, an zweiter Stelle 
Erscheinungen von Gedrucktem oder Geschriebenem in grofsen Buch¬ 
staben, an dritter Stelle menschliche Gestalten, Gebäude und Gebrauchs¬ 
gegenstände. Das Gesehene war plastisch, nicht flächenhaft, es fehlte
        

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