Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Georges Dumas: Les états intellectuels dans la mélancolie. Paris, F. Alcan. 1895. 142 S.
Person:
Pelman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29689/1/
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Litteraturhericht. 
eine direkte magnetische Einwirkung auf den menschlichen Körper 
besteht, und dafs es sogar den Anschein hat, dafs auch die Polarität 
des ein wirkend en Magnets nicht gleichgültig ist. — Zur Erklärung der 
somnambulen Vorgänge kann Gr. auch nichts beitragen. Ein endgültiges 
Urteil darüber hält Gr. überhaupt noch für verfrüht. Das Beobachtungs¬ 
material müsse noch vermehrt werden, und bedürfe das Vorhandene 
noch einer wiederholten Beglaubigung durch vorurteilsfreie Forscher! 
— Das Werkchen liest sich glatt und enthält manches Überraschende. 
Umpfenbach (Bonn). 
Georges Dumas. Les états intellectuels dans la mélancolie. Paris, 
F. Alcan. 1895. 142 S. 
Bei der Definition der Melancholie streiten sich die Gelehrten 
bekanntlich bis auf den heutigen Tag, ob die depressive Gemüts¬ 
verstimmung oder die Hemmung des Vorstellungsablaufes das Primäre 
sei. Während man sich aber bei uns auf Grund der klinischen Beob¬ 
achtung mehr und mehr in der Auffassung vereinigt, dafs Depression 
und Hemmung koordinierte Parallelsymptome und beide primär seien, 
die sich allerdings wechselseitig verstärken können, ist Dumas mehr 
geneigt, sich für die letztere Entstehungsweise zu erklären, so weit er 
den Begriff der Melancholie überhaupt noch bestehen lassen will, denn 
eigentlich ist er der Ansicht, dafs es eine Melancholie als Krankheits¬ 
einheit gar nicht gebe, und sich das, was man bisher so genannt habe, 
in Empfindungs- und Hemmungsvorgänge auflösen läfst. 
• « 
Das ganze Übel beruht in letzter Linie auf der Ernährung, es ist 
die mangelhafte Ernährung des Organismus, die von dem Ich in seiner 
Weise synthetisch erklärt und als Melancholie geäufsert wird, sei es, 
dafs diese mangelhafte Ernährung direkt, auf Grund einer Kachexie, 
wobei die Infektionskrankheiten besonders zu vermerken sind, oder 
dadurch entstanden sei, dafs depressive Gemütsbewegungen auf den 
Körper einwirkten und zu seiner Schwächung führten. 
Die Abulie, die Unmöglichkeit, sich entscheiden zu können, bildet 
neben der Traurigkeit das Hauptsymptom der Melancholiker. Sie können 
nicht wollen, daher auch keine Handlung ausführen, und dies selbst 
dann nicht, wenn sie den Gedanken dazu fassen können. In anderen 
Fällen ist auch der Entschlufs nicht mehr möglich. Nun herrscht aber 
das Gesetz der Synthese, der Zwang der Logik, und das denkende Ich 
sucht nach einer Erklärung, nicht absichtlich und bewufst, sondern wie 
im Traum durch unbewufste Geistesthätigkeit, und es findet einen Grund 
für die traurige Verstimmung wie für die Behinderung des Wollens und 
die Zwangsvorstellungen. 
Dem Bedürfnisse, die fremden und unerklärlichen Zustände dem 
Verständnisse näher zu bringen, entspringt die Vorstellung des Besessen¬ 
seins, von einer äufseren Macht, welche die Kranken zu verkehrtem 
Denken und Handeln zwingt. So lange das Ich besteht, unterliegt es 
diesem Zwange, die Leere auszufüllen und die Breschen auszubessern, 
die ihm das mangelhaft ernährte Gehirn geschlagen. 
Die intellektuellen Zustände bauen sich auf den körperlichen auf
        

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