Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Brugsch-Pascha: Die Hypnose im Altertum. Zeitschr. f. Hypnot. April 1894
Person:
Umpfenbach
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29687/1/
Litteraturberichi. 
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dürfte derselbe, zumal die Kranke G-. für die Hypnose stark disponiert 
war, wobl noch keine Verallgemeinerung erfahren. Jedenfalls möchte 
die PFLüGERSche Theorie hiermit noch nicht entkräftigt sein. Am Schlüsse 
der Abhandlung sucht Verfasser noch darzuthun, dafs auch der normale 
Schlaf vielfach erst durch Selbsthypnose eingeleitet wird, und warnt 
in diesem Sinne vor der üblen Sitte, kleine Kinder durch Einwiegen 
in den Schlaf zu bringen. Nach einer übersichtlichen Zusammenstellung 
der verwerteten Litteratur fafst Verfasser seine Hauptergebnisse in fol¬ 
gende drei Thesen zusammen: 
„1. Bei totaler Anästhesie ist der Gesichtssinn allein, sobald er nur 
ein feststehendes Objekt zum Fixieren hat, im stände, die aufrechte 
Stellung des Körpers zu überwachen und zu erhalten. 
2. Die Motilität, d. h. die Fähigkeit, alle Muskeln willkürlich zu 
innervieren, ist bei reiner Anästhesie nicht betroffen. 
3. Die bekannten Hypnose erzeugenden Manipulationen haben nicht 
allein einen rein suggestiven Einflufs, sondern es werden dabei auf dem 
Wege der Sinnesnerven dem Gehirn Beize zugeführt, welche unabhängig 
vom Bewufstsein erregend auf gewisse Hirnteile einwirken.“ 
Deferent erlaubt sich, dem Vorstehenden hinzuzufügen, dafs die 
Heilung der kranken Ida G. auch nach ihrer zweiten Entlassung aus der 
Leipziger Klinik keine dauernde war, dafs sie infolge erneuter Anfälle 
in dieselbe zurückgenommen werden mufste und sich noch jetzt daselbst 
befindet. F. Kiesow (Leipzig). 
Brugsch-Pascha. Die Hypnose im Altertum. Zeitschr. f. Hypnot. April 
1894. 
Verfasser beweist aus dem gnostischen Papyrus, der zum Teil in 
London, zum Teil in Leyden sich befindet und aus dem ersten Jahrhundert 
unserer Zeitrechnung stammt, dais die alten Ägypter die Hypnose bereits 
vor mindestens 2000 Jahren kannten und anwendeten. Sie benutzten 
mit Vorliebe Streichungen, um meist unschuldige Knaben einzuschläfern, 
die sie dann zum Hellsehen benutzten. Mit aller Wahrscheinlichkeit 
kann man annehmen, dafs die Hypnose noch viel älter ist, wenn auch 
aus der Keilschrift nichts hierher Gehöriges bekannt ist. 
Umpfenbach (Bonn). 
W. Gessmann. Magnetismus und Hypnotismus. 2. Aufl. Wien, A. Hart¬ 
leben, 1895. 
Der Hartlebensche Verlag hat diesem neuen Wissensgebiete Auf¬ 
nahme gewährt in seine elektro-technische Bibliothek. In der Beihe 
der Handbücher über angewandte Elektrizität nimmt sich der Hypnotismus 
freilich, namentlich für einen Skeptiker, etwas sonderbar aus. Doch 
mufs man es G. zugestehen, dafs er es verstanden hat, in seinem über 
200 Seiten fassenden Buche das Wissenswerte knapp und doch aus¬ 
führlich zusammenzustellen, wenn er auch hauptsächlich nur die Be¬ 
ziehungen zwischen dem mineralischen Magnetismus, dem sog. tierischen 
Magnetismus und dem Hypnotismus berücksichtigen will. Das Meiste 
ist ans bereits bekannt, doch findet man auch Neues, wie z. B. die von G. 
konstruierten Hypnoskope, mit deren Hülfe man beweisen kann, dafs
        

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