Bauhaus-Universität Weimar

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J. von Kries. 
während der Grund weifs oder weifslich wäre. Macht man 
nun den Spalt des Schirmes breiter, welcher das Violett durch- 
läfst, so wird das Violett, also auch der violette Schatten licht¬ 
starker, und man kann durch eine passende Regulierung der 
beiden Spalten leicht bewirken, dafs der violette Schatten dem 
Auge ebenso hell erscheint, wie der gelbe. Wenn man nun 
den einfachen Spalt des ersten Schirmes, durch welchen das 
vom Heliostaten reflektierte Licht zum Prisma tritt, erweitert 
oder verengert, so verstärkt oder schwächt man die ganze 
Lichtmasse, die in den Apparat tritt, und zwar alle ihre 
einzelnen farbigen Lichter in gleichem Verhältnisse, so auch 
in gleichem Verhältnisse das Licht des gelben und violetten 
Schattens. Dabei ergiebt sich, dafs schon bei einer geringen 
Verstärkung des Lichtes das Gelb stärker, bei einer geringen 
Schwächung das Gelb schwächer als das Violett erscheint.“ 
Man bemerkt, und es sei darauf hier gleich ausdrücklich 
hingewiesen, dafs die Beobachtung hier ganz und gar auf eine 
Helligkeitsvergleichung verschiedenfarbiger Lichter gegründet 
wird. Dafs bei der Herabsetzung der Lichtstärke auch Ver¬ 
änderungen der Farbe, insbesondere der Sättigung, eintreten, 
war allerdings bekannt. Doch war nicht gerade in diesem 
Zusammenhänge davon Notiz genommen worden. 
In zwei wichtigen Beziehungen wurde unsere Kenntnis 
der einschlägigen Verhältnisse durch die Untersuchungen von 
Hering und Hielebrand1 erweitert. Sie zeigten nämlich, dafs 
ein sehr lichtschwaches Spektrum von dem gut dunkeladap¬ 
tierten Auge vollkommen farblos gesehen wird und dabei in 
einer Helligkeitsverteilung, welche von der gewöhnlichen, dem 
lichtstarken Spektrum eigentümlichen, sich sehr auffällig unter¬ 
scheidet, so zwar, dafs das Helligkeitsmaximum gegen das 
brechbarere Ende verschoben ist, das rote Ende unter Umständen 
ganz unsichtbar sein kann, durchweg, wie man kurz sagen 
kann, in einem Paar ungleicher Farben von gleicher Hellig¬ 
keit bei übereinstimmender Abschwächung eine Begünsti¬ 
gung des kürzerwelligen Lichtes eintritt. Die Beobachtung 
schliefst, wie man sieht, das „PuRKiNJEsche Phänomen“ 
1 Hillebrand, Über die spezifische Helligkeit der Farben (mit Vor¬ 
bemerkungen von E. Hering). Süzungsber. d. Wien. Akad. Math.-naturw. 
Kl. XCVm. Abt. 3. S. 70. 1889.
        

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