Bauhaus-Universität Weimar

Über die Funktion der Netzhautstäbchen. 
Von 
J. TON KeIES. 
L 
Unter den Erscheinungen, welclie den Gegenstand der 
folgenden Erörterungen bilden, ist die am längsten bekannte 
diejenige, welche neuerdings gewöhnlich unter dem Namen 
des „PuEKiNjEschen Phänomens14 aufgeführt wird. Ich zitiere 
hier die Beschreibung, welche Helmholtz in der ersten Auf¬ 
lage seiner Physiologischen Optik davon giebt. (S. 317.) ... 
„Wenn ein rotes und ein blaues Papier bei Tageslicht gleich 
hell aussehen, so erscheint bei Einbruch der Nacht das blaue 
heller, das rote oft ganz schwarz. Ebenso findet man, dafs in 
Gemäldegalerien bei sinkendem Abend (einen trüben Himmel 
und fehlende Abenddämmerung vorausgesetzt) die roten Farben 
zuerst schwinden, die blauen am längsten sichtbar bleiben. 
Und in der dunkelsten Nacht, wenn alle anderen Farben fehlen, 
sieht man noch das Blau des Himmels. Noch auffallender 
habe ich diese Erscheinungen gefunden, wenn man prismatische 
Farben benutzt. Wenn man den im vorigen Paragraphen be¬ 
schriebenen, in Figur 125 dargestellten Apparat zur Mischung 
von Spektralfarben benutzt und vor das Feld, welches mit 
den beiden Farben beleuchtet ist, ein senkrechtes Stäbchen 
hält, so wirft dieses zwei verschiedenfarbige Schatten, Da 
nämlich die beiden farbigen Lichter in verschiedener Bichtung, 
nämlich von den beiden Spalten des letzten Schirmes (s. Fig. 125) 
her, auf das erleuchtete Feld fallen, so entwirft jedes den be¬ 
treffenden Schatten in verschiedener Bichtung. Wäre also 
z. B. Violett und Gelb gemischt, so würden wir einen Schatten 
haben, der nicht vom Violett, wohl aber vom Gelb beleuchtet 
ist, uns also gelb erscheint, einen anderen, der nicht vom Gelb? 
wohl aber vom Violett beleuchtet ist, uns violett erscheint, 
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Zeitschrift für Psychologie IX.
        

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