Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cesare Lombroso: Entartung und Genie. Neue Studien. Mit 12 Tafeln. Gesammelt und unter Mitwirkung des Verfassers deutsch herausgegeben von Dr. Hans Kurella. G. H. Wigand, Leipzig, 1894. 308 S.
Person:
Pelman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29662/2/
Litter aturbericht 
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es wagt, wie Hirsch und andere, ihm entgegenzutreten, kann sich aut 
eine gehörige Zurechtweisung gefafst machen. 
Besonders schlecht zu sprechen ist er auf die Akademiker, die sich 
die Freiheit nehmen, über seine Behauptungen anderer Ansicht zu sein, 
oder gar, wie über die durch die Medien produzierten Phänomene, zu 
spotten. Lombroso dagegen hat gesehen, wie ein Tisch sich erhob, wie 
sich schwere Gegenstände in einer beträchtlichen Entfernung bewegten, 
wie auch Bilder hervortraten und Töne erklangen. Er erklärt diese 
Phänomene, indem er bei den Medien, wie bei den Hysterischen und 
Hypnotischen, die Erregung einiger Zentren annimmt, welche durch die 
Paralyse aller anderen mächtig hervortritt. Wie bei Hypnotischen eine 
Transposition und Transmission der psychischen Kräfte eintritt, so tritt 
bei den Medien eine Umwandlung derselben in eine Leuchtkraft oder 
eine motorische Kraft ein, und dann begreift man (!), wie die kortikale 
Kraft eines Mediums z. B. einen Tisch heben, am Barte ziehen, schlagen, 
streicheln kann, und was sonst die allgemeinsten Erscheinungen in 
solchen Fällen sind (pag. 166, 167). 
Ich mufs nun von mir gestehen, dafs eine derartige kortikale Kraft 
über mein Verständnis hinausgeht, und unwillkürlich fällt mir das 
Verhalten eines anderen Gelehrten, den ich vor allen hochhalte, John 
Tyndalls, ein. Auch Tyndall war eines Tages Augenzeuge spiritistischer 
Erscheinungen, auch er hört die Geister klopfen und sieht, wie sie Tische 
bewegen. Aber anstatt seinen Sinnen blindlings zu trauen und seinen 
Verstand mit einer unmöglichen Erklärung einzulullen, versucht er 
dem Spuk durch nähere Untersuchung auf den Grund zu gehen und — 
doch ich ziehe es vor, die eigenen Worte des englischen Physikers 
hierherzusetzen. (.Fragmente aus den Naturwissenschaften, pag. 559.) „Ich 
erbat und erhielt die Erlaubnis, unter den Tisch zu kriechen. Einige 
lachten leise, aber der alte A. rief: Er hat das Hecht, bis in den letzten 
Winkel zu schauen, um sich zu überzeugen. Nachdem ich mich über¬ 
zeugt hatte, dafs kein Geräusch hier stattfinden könne, ohne dafs seine 
Entstehung von mir bemerkt wurde, bat ich unseren Wirt, seine Fragen 
fortzusetzeD. Er that es, jedoch ohne Frfolg. Er nahm einen Ton zärt¬ 
lichen Flehens an, aber die „lieben Geister“ waren stumm geworden und 
liefsen sich nicht erbitten. Ich blieb wohl eine Viertelstunde unter 
diesem Tische sitzen. In einem Zustande der tiefsten Verzweiflung über 
die Menschheit, wie ich ihn ähnlich nie empfunden habe, nahm ich nach 
deren Verlaufe meinen Sitz auf dem Stuhle wieder ein. Jetzt wurden 
die Geister wieder lebendig und pochten mich als „Dichter der Wissen¬ 
schaft“ heraus. Das also war das Hesultat meines Versuches, als Natur¬ 
forscher einen Einblick in die spiritistischen Erscheinungen zu ge¬ 
winnen.“ 
Im übrigen verhält sich Kdrella gegen diese Erklärungsversuche 
Lombrosos ablehnend, aber warum hat er sie nicht lieber fortgelassen, 
als den Gegnern Lombrosos eine willkommene Waffe in die Hand zu 
geben ? 
Selbstverständlich sind es die alten Behauptungen, die uns auf 
Schritt und Tritt entgegentreten. Es ist die alte Genialitätsneurose, ’die
        

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