Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Cesare Lombroso: Entartung und Genie. Neue Studien. Mit 12 Tafeln. Gesammelt und unter Mitwirkung des Verfassers deutsch herausgegeben von Dr. Hans Kurella. G. H. Wigand, Leipzig, 1894. 308 S.
Person:
Pelman
PURL:
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Litter a turberi eh t. 
konkret, der des Mannes mehr abstrakt, und was dergleichen Ver¬ 
schiedenheiten mehr sind. Immer aber wird sich unsere Überzeugung 
mit weit mehr Becht auf dem Wege der Erfahrung, als durch wissen¬ 
schaftliche Schlüsse gewinnen lassen, und was wir Natur nennen, ist oft 
genug nur eine Folge der Erziehung. Würde man beide G-eschlechter 
rückhaltlos ihren Neigungen überlassen, so würden sie sich voraus¬ 
sichtlich in einer weit gröfseren Ähnlichkeit zusammenfinden, als dies 
jetzt der Fall ist. 
Was die Menschheit von der Kultur der Zukunft zu erwarten hat, 
ist die Entwickelung einer gleichen Freiheit für beide Elemente des 
Lebens, für das männliche und weibliche; was wir jedoch zur Zeit mit 
Sicherheit darüber wissen, ist nur dazu angethan, uns in der Ver¬ 
wertung der Thatsachen eine gröfsere Zurückhaltung aufzuerlegen, als 
es leider vielfach geschieht. Pelman. 
Cesare Lombroso. Entartung und Genie. Neue Studien. Mit 12 Tafeln. 
Gesammelt und unter Mitwirkung des Verfassers deutsch heraus¬ 
gegeben von Dr. Hans Ktjrella. G. H. Wigand, Leipzig, 1894 
308 S. 
____ • ♦ 
Keine Übersetzung, sondern ein von Kurella deutsch herausgegebenes 
Werk Lombrosos , das im wesentlichen die zahlreichen Zusätze des 
Meisters zur sechsten Auflage seines üomo di Genio enthält, durch 
Kurellas Kunst und Geschicklichkeit sich aber auch in diesem lockeren 
Gefüge zu einem leidlich einheitlichen Ganzen gestaltet hat. 
Ktjrella ist der Überzeugung, die vorliegende Arbeit werde mit zu 
einem besseren Verständnisse und zu einer gerechteren Beurteilung 
Lombrosos beitragen, eine Ansicht, die, wie ich befürchte, auf lebhaften 
Widerspruch stofsen ward. Ich wenigstens, der ich mich dreist zu den 
Bewunderern des italienischen Gelehrten rechnen darf, hätte viel lieber 
manches von dem ungeschrieben oder doch unveröffentlicht gesehen, 
was uns hier und in anderen Schriften vorgesetzt wird. 
Die bekannten und oft gerügten Fehler Lombrosos, sein kritikloses 
Zusammentragen aller möglichen Kuriositäten, das Generalisieren ver¬ 
einzelter Beobachtungen und die oft jeder Logik hohnsprechenden 
Schlüsse, die übrigens schon seinem Uomo di Genio anhafteten, treten 
uns hier noch unverblümter entgegen, und ich weifs wirklich nicht, ob 
Ktjrella seinem Freunde und Meister durch die Veröffentlichung dieser 
Studien einen Dienst erwiesen hat. Vielleicht würde Martials: one, jam 
satis est, ohe libelle! eher am Platze und den Werken Lombrosos etwas 
mehr Buhe und Vertiefung zu wünschen sein. 
Aber das Genie wandelt nun einmal seine eigenen Wege, und es 
gehört zu seinen Eigentümlichkeiten, dort Vergleichungspunkte heraus¬ 
zufinden und Verwandtschaften zu entdecken, wo sie das Auge des 
minder begabten Normalmenschen nicht erblickt. Wir werden daher 
manche von den Behauptungen Lombrosos beanstanden und eines weiteren 
Beweises bedürftig erklären; sie jedoch ohne weiteres abzulehnen, 
würde der Bedeutung des Forschers nicht die ihr gebührende Bechnung 
tragen. Er selber steht fester zu seiner Ansicht, als je zuvor, und wer
        

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