Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilibald Nagel: Vergleichend physiologische und anatomische Untersuchungen über den Geruchs- und Geschmackssinn und ihre Organe mit einleitenden Betrachtungen aus der allgemeinen vergleichenden Sinnesphysiologie. Bibliotheca Zoologica. Herausg. von R. Leuckart u. C. Chun. Heft 18. Stuttgart, 1894. 4°. 207 S. 7 Taf.
Person:
Braem, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29648/3/
Litteraturbei'icht. 
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Aggregatzustand des Reizstoffes darüber entscheidet, ob wir eine Geruchs- 
oder Geschmacksempfindung haben. Aber selbst die Verschiedenheit 
des Aggregatzustandes trennt beide Sinne nicht scharf, da auch flüssige 
Stoffe den Riechnerven und gasförmige (Chloroformdampf) den Geschmacks¬ 
nerven erregen können. Da dies jedoch experimentell erzeugte Vorgänge 
nicht natürlicher Art sind, so haben wir dieselben nicht zu berück¬ 
sichtigen, sondern nennen Riechen: die Fähigkeit, dampfförmige Stoffe 
wahrzunehmen und zu unterscheiden, Schmecken : dieselbe Eigenschaft 
flüssigen Stoffen gegenüber. Auch die mit Wassertieren angestellten 
Versuche bestätigen, dafs es nicht gerechtfertigt ist, bei Wassertieren 
neben dem Geschmackssinn noch einen besonderen Geruchssinn am 
zunehmen. Geruchsempfindliche Stellen bei Wassertieren waren stets 
auch für Geschmackseindrücke empfänglich. Riechende Stoffe wirken 
im Wasser nicht in Gasform, sondern als Flüssigkeiten. Stark riechende, 
aber im Wasser nicht oder ganz wenig lösliche Stoffe, wie Kampfer oder 
Naphthalin, wirken nur bei direkter Berührung, eine Fern Wirkung ist 
nie zu bemerken. Aus der Unmöglichkeit, zwischen Riechen und 
Schmecken der Wassertiere zu unterscheiden, zieht der Verfasser den 
Schlufs, dafs die verschiedenen Organe des chemischen Sinnes bei 
Wassertieren nicht als Riech- und Schmeckorgane, sondern als äufsere 
und innere Schmeckorgane aufzufassen sind. Die inneren Schmeckorgane 
liegen im Munde, alle übrigen sind äufsere. 
Im vierten Kapitel wird die Bedeutung des chemis chen Sinnes 
für die Wass er ti e r e im Vergleich zu den Lufttieren erörtert. 
Diese Bedeutung ist bei den Wassertieren im allgemeinen eine geringere; 
als bei Lufttieren. Eine so feine chemische Unterscheidungsfähigkeit, 
wie wir sie bei einzelnen Lufttieren beobachteten, kommt bei keinem 
Wassertiere vor. Der Verfasser unterscheidet drei Phasen der Thätig- 
keit des chemischen Sinnes im Wasser. Die erste Phase ist die, dafs 
ein von der Nahrung ausgehender Extraktivstoff die Schmeckorgane des 
Tieres trifft, wodurch dieses von der Existenz des Stoffes erfährt, aber 
noch nichts über die Richtung, in der es den letzteren aufzusuchen hat. 
Dies ist Sache des Gesichts- und des Tastsinnes. Die zweite Phase ist 
die, wo das Tier einen bestimmten vor ihm liegenden Gegenstand als 
Ursache des Geschmackseindruckes erkennt. In der dritten Phase gelangt 
der Gegenstand in den Mund, wobei das Tier feststellt, ob es wirklich 
die vermeintliche Nahrung gefunden hat, oder ob eine Täuschung vorlag; 
Den Landtieren eigentümlich ist das Suchen mittelst des Geruches: das 
vom Riechreiz erregte Tier nimmt auch die Richtung wahr, aus welcher 
der Geruch herkommt. Der Grund dieser Verschiedenheit zwischen 
Wasser- und Landtieren liegt in dem verschiedenen Widerstande, welchen 
die beiden Aufenthaltsmedien, Wasser und Luft, der Verbreitung der 
schmeckbaren, bezw. riechbaren Extraktivstoffe der Nahrung ent¬ 
gegensetzen. - 
In dem speziellen Teile (S. 67—192) werden besonders eingehend die. 
Sinnesorgane der Insekten, am ausführlichsten die von Dytiscus marginalis 
behandelt. Weiterhin teilt der Verfasser seine Versuche bei Krustaceen; 
Würmern, Mollusken, Echinodermen und Zoophyten mit, wobei jeder 
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Zeitschrift für Psychologie IX.
        

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