Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilibald Nagel: Vergleichend physiologische und anatomische Untersuchungen über den Geruchs- und Geschmackssinn und ihre Organe mit einleitenden Betrachtungen aus der allgemeinen vergleichenden Sinnesphysiologie. Bibliotheca Zoologica. Herausg. von R. Leuckart u. C. Chun. Heft 18. Stuttgart, 1894. 4°. 207 S. 7 Taf.
Person:
Braem, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29648/1/
Litter aturbericht. 
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seitig betonte Thatsaehe des Auftretens eines „negativen Nachbildes“ 
vor dem „positiven“ nur den untergeordneten Rang einer Phase indem 
oszillatorischen Gesamtverlauf zu beanspruchen. Dafs das Abklingen 
der primären Erregung je nach Art, Intensität und Einwirkungsdauer 
der Reizung von sehr verschiedener Zeitdauer sein und daher die längst 
bekannte negative Phase in sehr verschiedener Zeit der „positiven“, 
d. h. dem Abklingen der primären Erregung folgen kann, ist selbst¬ 
verständlich. Unerläfslich für die weitere Erforschung der Netzhaut¬ 
oszillationen dürfte 1. eine genaue Zeitmessung in Verbindung mit dem 
Studium der verschiedenen Reizungsweisen sein, und 2. nicht minder 
eine Einigung über die Terminologie der einzelnen Phasen des Verlaufs. 
Vor allem aber wird es nötig sein, die Ergebnisse intermittierender und 
stationärer Reizung strenger als bisher zu scheiden. Da die erstere die 
zeitlich sich folgenden Erregungsstadien räumlich nebeneinanderreiht, 
dürfte sie für die zeitliche Zerlegung des ganzen Vorganges den Vorzug 
haben. (Vergl. die Deutung, die v. Kries dem Vorgang giebt a. a. O. S. 68. 
Metjmann (Leipzig). 
Wilibald Nagel. Vergleichend physiologische und anatomische Unter¬ 
suchungen über den Geruchs- und Geschmackssinn und ihre Organe 
mit einleitenden Betrachtungen aus der allgemeinen vergleichenden 
Sinnesphysiologie. Bibliotheca Zoologica. Herausg. von R. Leuckart 
u. C. Chun. Heft 18. Stuttgart, 1894. 4°. 207 S. 7 Taf. 
Im allgemeinen Teile (S. 1—66) behandelt der Verfasser zunächst 
die Phylogenese spezifischer Sinnesorgane. Indem er die Sinne 
nicht nach der Empfindungsqualität, sondern nach der Ursache der 
Empfindung, nach der Reizform bestimmt, unterscheidet er vor allem 
einen mechanischen, chemischen, thermischen und Lichtsinn. Er stellt 
ferner den Begriff des „Wechselsinnesorganes“ dem des „spezifischen 
Sinnesorganes“ entgegen. Als spezifische Sinnesorgane bezeichnet er 
solche Apparate eines lebenden Wesens, vermittelst deren nur eine be¬ 
stimmte Gattung derjenigen Reize wahrgenommen wird, welche für das 
Wesen überhaupt wahrnehmbar sind. Wechselsinnesorgane nennt er 
solche, die mehreren Sinnen gleichzeitig oder wechselsweise dienen 
können. Der primitivste Zustand ist der, dafs überhaupt nur einerlei 
Art von Sinnesorganen vorhanden ist, welche sämtliche dem Tiere mög¬ 
lichen Sinnesfunktionen verrichtet. Diese besondere Art des Wechsel¬ 
sinnesorganes ist das „Universalsinnesorgan“, wie es sich vielfach bei 
Protozoen, z. B. bei den Amöben, findet, deren ganze Oberfläche zur Auf¬ 
nahme aller überhaupt wirksamen Reizarten befähigt ist. Selbst bei 
mehrzelligen Tieren, welche Nerven und Sinneszellen besitzen, ist das 
Vorkommen von Universalsinnesorganen möglich, indem hier im Bereich 
der Sinneszelle ein ähnlicher Zustand der Reizbarkeit herrschen kann, 
wie er bei der Amöbe an der ganzen Körper Oberfläche vorliegt. Auch 
gewissen Entwickelungsformen höherer Pflanzen und Tiere, wie den 
Schwärmsporen und den Spermatozoen, ferner den Leukocyten des Blutes, 
dürfte das Universalsinnesorgan zuzuschreiben sein. 
Im Wege fortschreitender Differenzierung des Universalsinnesorganes
        

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