Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
L. Mauthner: Farbenlehre. Der "Funktionsprüfung" erster Teil. 2. Aufl. Wiesbaden, J. F. Bergmann, 1894. 168 S.
Person:
König, Arthur
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29645/1/
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Li tteraturberich t. 
L. Mauthner. Farbenlehre. Der „Funktionsprüfung“ erster Teil. 2. Aufl. 
Wiesbaden, J. F. Bergmann, 1894. 168 S. 
Das vorliegende Buch bildet eine für den breiten Kreis der Ophthal¬ 
mologen bestimmte und daher nicht mit mathematischem Rüstzeug auf¬ 
tretende Monographie des schwierigsten G-ebietes der physiologischen 
Optik. Alle Methoden der Untersuchung, welche keine reinen Spektral¬ 
farben benutzen, werden in grofser Ausführlichkeit geschildert, während 
die in letzter Zeit immer mehr in den Vordergrund getretenen Mischungen 
von Spektralfarben, von deren exakt quantitativer Ausführung und 
Messung doch wohl zur Zeit einzig und allein die Lösung der bestehenden 
Streitfragen zu hoffen ist, keine Erwähnung finden. Dieser Mangel ist 
wohl dadurch zu erklären, dafs der Verfasser mit diesen G-ebieten selbst 
nicht sehr vertraut war. Dasjenige aber, was Mauthner bringt, ist gut 
und klar dargestellt. Was dem Werke besonderes Interesse verleiht, 
sind die an einzelnen Stellen eingeflochtenen historischen Bemerkungen, 
doch mufs gerade hier besonders darauf hingewiesen werden, dafs die 
Auffassung Mauthners manchmal zu subjektiv ist. Trotz dieser Mängel, 
welche nur Einzelheiten betreffen, ist das Buch im ganzen als eine 
wohlgelungene Arbeit zu bezeichnen. Arthur König. 
J. von Kries. Über den Einflufs der Adaptation auf Licht- und Farben¬ 
empfindung und über die Funktion der Stäbchen. Berichte d. Frei¬ 
burger Naturf' Gesellsch. Bd. IX. Heft 2. S. 61—70. (1894.) 
A. Hillebrand hatte seine Beobachtungen am lichtschwachen 
Spektrum damit zu erklären versucht, dafs die Ermüdung, bezw. Er¬ 
holung des Sehorgans für farblose Helligkeitsempfindung ihren selbst¬ 
ständigen Weg gehe, unabhängig von der Ermüdung (Erholung) für 
Farbenempfindungen. Indem von Kries diese Vorstellungsweise an 
anderen Ermüdungsversuchen zu prüfen unternahm, fand er, dafs un¬ 
zweifelhaft die Weifsermüdung auch zugleich eine Ermüdung für farbige 
Eindrücke mit sich bringt. Dies veranlafst ihn, nach einer anderen 
Erklärung zu suchen für die Erscheinungen des lichtschwachen Spektrums, 
speziell für dieThatsache,dafs bei dunkeladaptiertem Auge das lichtschwache 
Spektrum farblos erscheint. Indem er diese zunächst in der gröfseren 
Helligkeitsempfindlichkeit der seitlichen Netzhaut suchte, fand er nebenbei, 
dafs die Schwellenwerte für die farblose Helligkeitsempfindung ver¬ 
schiedener Farben durch Dunkeladaptation in sehr verschiedener Weise 
verändert werden ; eine Thatsache, die es wahrscheinlich macht, dafs die 
erste Wahrnehmung der Helligkeit einer Farbe nicht durch die Schwarz- 
Weifs-Substanz zu stände kommt. 
Die Erklärung dieser scheinbaren Widersprüche in dem Verhältnis 
der Helligkeitsempfindung bei der ersten Wahrnehmung einzelner Farben 
zur Adaptation des Auges sieht nun von Kries darin, „dafs es zwei ver¬ 
schiedene, eine farblose Helligkeitsempfindung bewirkende Vorgänge 
geben müsse“, von denen der eine an die Zapfen gebunden ist, der andere 
an die Stäbchen. Oder genauer, wir besitzen „neben dem peripher durch 
die Zapfen repräsentierten trichromatischen Sehapparat einen peripher 
durch die Stäbchen repräsentierten monochromatischen, nur farblose
        

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