Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Higier: Über unilaterale Halluzinationen. Wien. Klinik. 6. Heft. Juni 1894
Person:
Liebmann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29623/1/
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Litteraturbericht. 
nügender Kritik verwertet. Auf die Lehrbücher der (normalen) Psy¬ 
chologie hätte Verfasser etwas mehr Rücksicht nehmen können. 
Ziehen (Jena). 
Higier. Über unilaterale Halluzinationen. Wien. Klinik. 6. Heft. Juni 1894. 
Die Arbeit enthält zwei interessante Krankengeschichten von Per¬ 
sonen mit einseitigen Gesichtstäuschungen im hemianopischen Gesichts¬ 
felde : 
1. Eine 46 jährige Witwe erkrankte an Kopfschmerz und einer 
eigentümlichen, abends auftretenden Störung des Orientierungsvermögens. 
Während ihres Aufenthaltes im Krankenhause fand sich als einziges 
objektiv nachweisbares Symptom eine rechtsseitige homogene Hemi¬ 
anopsie bei allgemeiner Einengung des Gesichtsfeldes. Drei- bis vier¬ 
mal wöchentlich stellten sich gleichzeitig linksseitige Kopfschmerzen 
und Sinnestäuschungen im hemianopischen Gesichtsfelde ein. Sie sab 
Gestalten, einen Garten, einen See etc. an der rechten Seite, die bei 
genauem Betrachten abwechselnd kleiner und gröfser wurden und beim 
Augenschlufs für kurze Zeit verschwanden, um bald darauf sich wieder 
einzustellen. Sie wufste, dafs es sich nur um Visionen handelte. Die 
Anfälle verschwanden allmählich und gleichzeitig auch die Hemianopsie. 
H. verwirft die Annahme einer Hysterie und meint, dafs es sich um einen 
periodisch auftretenden Gefäfskrampf im optischen Rindengebiet der 
linken Hemisphäre gehandelt habe, vielleicht mit konsekutiver Anämie. 
Wie man sieht, eine sehr hypothetische Erklärung. 
2. Eine 24 jährige Frau, die bereits längere Zeit an allgemeinen 
nervösen Beschwerden — Kopfschmerz, Schwindel etc. — gelitten hatte, 
tritt ins Krankenhaus ein, wo rechtsseitige Hemiparese und Hemihyp- 
ästhesie, Zittern, erhöhte Sehnen- und Hautreflexe, rechtsseitige Okulomo¬ 
toriusparese, GRÄFESches Symptom am rechten Auge und unvollständige 
Hemianopsia sinistra festgestellt wurden. Bei dieser Kranken traten 
zweimal vorübergehend Visionen in dem nicht empfindenden Teile des 
Gesichtsfeldes auf, sie sah Gestalten an ihrer linken Seite. Das erste 
Mal waren Anfälle von Bewufstseinsverlust mit allgemeinen Konvulsionen 
unmittelbar vorhergegangen, die Halluzinationen selbst traten jedoch bei 
völlig klarem Bewufstsein auf, sie waren begleitet von einer Parese des 
rechten Beines. Ungefähr gleichzeitig mit dem zweiten Auftreten der 
Halluzinationen batten sich die Lähmungserscheinungen zu einer kom- 
pleten Paralyse aller Extremitäten gesteigert. Unter entsprechender 
Behandlung schwanden fast sämtliche Symptome. Es handelt sich hier 
nach H.’s Auffassung um eine organische multiple Herzerkrankung 
syphilitischer Natur. Die Hemianopsie und die Halluzinationen können 
durch die Annahme eines Herdes an der linken Fissura calcarina erklärt 
werden. 
Liebmann (Bonn).
        

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