Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedmann: Über den Wahn. Eine klinisch-psychologische Untersuchung. Nebst einer Darstellung der normalen Intelligenzvorgänge. Wiesbaden, J. F. Bergmann. 1894
Person:
Liebmann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29621/3/
Litteraturbericht. 
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bunden damit eine Einschränkung des assoziativen Gedankenflusses 
(délirante Form der Konzeption). 
„Die Konsolidierung erfolgt aussehliefslich nur innerhalb des 
geordneten logischen Denkens und schliefst sich entweder direkt an die 
Konzeption an (fixe Idee) oder sie vollzieht sich ganz allmählich und 
chronisch (chronische Paranoia mit oder ohne Halluzinationen), oder 
drittens sie ergiebt sich in der dem akuten Primärstadium folgenden 
ruhigen Periode (akute Parnaoia und Paranoia mit affektivem oder 
delirantem Vorstadium).“ 
Es folgt schliefslich ein Kapitel über die überwertigen Ideen bei 
affektiven Psychosen und beim Schwachsinn. Liebmann (Bonn). 
E. Parish. Über die Trugwahrnehmung (Halluzination und Illusion) mit 
besonderer Berücksichtigung der internationalen Enquete über Wach¬ 
halluzination bei Gesunden. Sammlung 2 d. Schriften d. Gesettsch. f. 
psychol. Forschung. Heft 7/8. Ambr. Abel, Leipzig 1894. 246 S. 
Die zahlreichen Fragen, welche das Gebiet der Sinnestäuschungen 
enthält, werden in dieser Schrift in anregender, klarer Weise besprochen. 
Interessant sind namentlich die Ergebnisse der von Gurney angeregten 
internationalen Statistik über das Vorkommen von Wachhalluzinationen. 
Danach sind im ganzen 27 329 Antworten eingegangen, und unter diesen 
lauteten 3271 (= ca. 12%) auf Ja, d. h. die betreffenden Personen gaben an, 
im Wachen halluziniert zu haben. Parish, welcher übrigens selbst mit 
Hecht betont, wie vorsichtig man bei Verwertung einer solchen Statistik 
sein müsse, nimmt an, dafs diese Prozentziffer im allgemeinen zu hoch 
sei, dafs sie jedoch noch zu niedrig sei, wenn man alle die kurzen Sinnes¬ 
täuschungen, für welche die Erinnerung alsbald schwindet, mit ein¬ 
rechnen könnte. Nicht vermag Beferent dem Verfasser darin bei¬ 
zustimmen, dafs er eine „Dissoziation des Bewufstseins“ für das allgemeine 
Charakteristikum aller halluzinatorischen Zustände ausgiebt. Die 
psychiatrische Beobachtung lehrt, dafs Halluzinationen oft ohne jede 
Dissoziation Vorkommen, und dafs auch in den Fällen, wo eine solche 
Dissoziation vorliegt, diese sehr oft nur ein Folgezustand der Hallu¬ 
zinationen ist (halluzinatorische Inkohärenz). — Die Theorie, welche P. 
für das Zustandekommen der Sinnestäuschungen aufstellt, ist derjenigen 
von W. James nahe verwandt. Er betrachtet die Halluzination als einen 
„Akt cerebrostatisch erzwungener Assoziation“: infolge einer 
Veränderung der relativen Spannungsverhältnisse in den kortikalen Ele¬ 
menten fliefst ein Heiz A auf Elemente über, welche normalerweise nicht 
von ihm, sondern von einem anderen Beize N erregt werden. Die Illusion 
sieht Verfasser hingegen als ein reines „Ausfallsergebnis“ an: ein¬ 
zelne der von einem bestimmten Beize A normalerweise erregten Elemente 
bleiben infolge Herabsetzung ihrer Erregbarkeit unerregt. Meines Er¬ 
achtens läfst die erste Erklärung im Stich, sobald rein-zentrale Hallu¬ 
zinationen vorliegen; die zweite wird dem transformierenden Charakter 
der Illusion nicht gerecht. Die Erörterung der sog. negativen Hallu¬ 
zinationen bietet manches Bemerkenswerte. 
Die Litteratur ist ziemlich vollständig und zumeist auch mit ge-
        

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