Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dugas: L'impression de "l'entièrement nouveau" et celle du "déjà vu." Rev. philos. Bd. 38. S. 40-46. Juli 1894. / J. J. van Biervliet: La paramnésie ou la fausse mémoire. Ebenda. S. 47-49. / J. Soury: La paramnésie d'après T. Vignoli. Ebenda. S. 50-51
Person:
Giessler, M.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29609/1/
Litter aturbericht 
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ziehenden Analyse“ und äufsert sich darin, dafs die Gliederung der 
Gebilde der schöpferischen psychischen Synthese durchgehends nicht so 
geschieht, dafs die aus dem Ganzen ausgesonderten Teile neue für sich 
bestehende Einheiten bilden, sondern stets derart, dafs sie mit dem 
Ganzen, aus dem sie hervorgingen, in Beziehung bleiben und wesentlich 
durch diese fortlaufende Beziehung ihre eigene Bedeutung empfangen. 
Die eigentümliche Bewufstseinsfunktion, ohne welche eine solche Trennung 
und Unterscheidung des einzelnen aus einer Gesamtheit nicht möglich 
wäre, ist die Apperzeption. Letztere tritt im übrigen in der milderen 
„entgegenkommenderen“ Form auf, welche sie in der neuesten Auflage 
der Physiolog. Psychologie Wundts angenommen hat. Ziehen (Jena). 
Dugas. L’impression de ,,1’entièrement nouveau“ et celle du „déjà vu.“ 
Beo. philos. Bd. 38. S. 40—46. (Juli 1894). 
J. J. van Biervliet. La paramnésie ou la fausse mémoire. Ebenda. 
S. 47-49. 
J. Souky. La paramnésie d’après T. Vignoli. Ebenda. S. 50—51. 
Alle drei Abhandlungen behandeln dieselbe Erscheinung, nämlich 
die Paramnesie oder Gedächtnisfälschung: Zu bestimmten Zeiten seines 
Lebens, z. B. zur Zeit seiner Verheiratung, des Todes von Vater und 
Mutter befand sich X. in einer sonderbaren geistigen Verfassung. Er 
sah sich selbst in seinem Salon Visiten empfangen, banale Phrasen 
schwatzen, lachen u. s. w., während sein wahres Ich einen anderen 
Gedankenlauf verfolgte und ganz unter dem Eindrücke stand, welchen 
die grofse Wandlung in seinem Leben hervorgerufen hatte. X. ent¬ 
wischte diesen Eindrücken, fiel ihnen von neuem anheim. Dies wieder¬ 
holte sich einige Male, bis schliefslich das Gleichgewicht zwischen Gegen¬ 
wart und Vergangenheit wiederkehrte. 
Zur Erklärung des Phänomens führt Dugas folgendes an: Man kann 
auf Augenblicke den zeitlichen und räumlichen Bestimmungen entfliehen 
und eine Empfindung haben, ohne sie zu lokalisieren. Es ist möglich, 
dafs die Tiere Vorstellungen und Gefühle haben, ohne irgend welche 
Vergegenwärtigung der Zeit. Beim Menschen verschwindet in krank¬ 
haften Fällen jede zeitliche Rücksichtnahme. Auch beim gesunden 
Menschen giebt es Zustände von tiefer Versenkung in einen Gedanken 
oder in ein Gefühl. In der Ekstase fühlen wir nicht mehr die Folge 
unserer Zustände. Wir befinden uns in jedem Momente gänzlich in 
diesem Momente selbst, ohne Vergleichung und Erinnerung, gänzlich 
verloren in unsere Gedanken oder in unser Gefühl. 
Eine Empfindung in Zeit und Raum lokalisieren, heilst sie denken, 
statt sie zu fühlen. So kommt es, dafs, wenn die Empfindung das Ich 
bis auf den Grund erschüttert, die Zeitvorstellung sich verliert. Man 
vergleicht dann die Empfindung nicht mehr mit anderen oder mit einer 
Gruppe von ähnlichen, sondern nur mit sich selbst, man verliert sich in 
sie. Der Eindruck des durchaus Neuen entsteht in uns jedesmal, wenn 
die Empfindung uns gefangen hält und der Gedanke uns verläfst. 
Wenn wir zugeben, dafs einerseits das Wieder er kennen eines Bildes 
als vergangen vor sich gehen kann, aufserhalb von jeder Lokalisierung
        

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