Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Binet et V. Henri: La simulation de la mémoire des chiffres. Rev. scientif. Bd. 51. No. 23, S. 711-722. Auch: Rev. philos. Bd. 37. S. 114-119. 1894
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29607/2/
Litter aturbericht. 
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grofse Anzahl von Ziffern schwerer im Gedächtnis fixiert, als die 
anderen, wenige Ziffern dagegen leichter. Wnrde die Geschwindigkeit 
des Hersagens der Zahlen durch ein Registriermikrophon graphisch 
dargestellt, so zeigte sich der Mnemotechniker im Nachteil, jedenfalls, 
weil er die Zahlen erst aus den üblichen Merkversen rekonstruieren 
mufste; der Vertreter des optischen Gedächtnisses löste seine Aufgabe 
schneller, wenn er die mehrstelligen Zahlen nach den Ziffern benannte, 
mit denen sie geschrieben werden, also z. B. für 19: un, neuf statt dix- 
neuf angab; der Vertreter des akustischen Gedächtnisses dagegen kam 
rascher vorwärts, wenn er die Zahlen nach dem Klangbilde aussprach, 
also die Bezeichnung dix-neuf für 19 brauchte. Bezüglich der Schnellig¬ 
keit des Lernens der Zahlen zeigten die beiden letzten Versuchspersonen 
sich übrigens denselben Gesetzen unterworfen, wie andere Menschen. 
Insbesondere steigt auch bei ihnen die zum Lernen nötige Zeit viel 
rascher an als die Anzahl der Ziffern, wenn man diese von Versuch zu 
Versuch in bestimmtem Verhältnis wachsen läfst. 
Schaefer (Rostock). 
W. Wundt. Über psychische Kausalität und das Prinzip des psycho¬ 
physischen Parallelismus. Philos. Stud. X. Bd. 1. Heft. S. 1—124. (1894.) 
Wundt erörtert in dieser Arbeit die verschiedenen Fassungen, welche 
dem Kausalbegriff gegeben worden sind. Gegenüber der psycho¬ 
logischen Fassung, welche den Begriff der Ursache vollständig in 
den dauernden Objekten und die Bedingungen, unter denen jene Ur¬ 
sachen wirken, in den Relationen der Objekte sucht, befürwortet W. die 
logisch-naturwissenschaftliche Fassung. Das einzig sichere und 
darum auch das einzig zulässige Kriterium zur Entscheidung der Frage, 
welche unter der Gesamtheit der Bedingungen eines Phänomens als 
dessen Ursachen zu betrachten seien, liegt für Wundt in der Auf¬ 
stellung einer „Kausalgleichung“, welche auf ihrer einen Seite den 
Effekt quantitativ bestimmt, während sie auf der anderen Seite die¬ 
jenigen bedingenden Elemente in der für sie gültigen gesetzmäfsigen 
Relation enthält, welche zur Erreichung des Effekts vollständig aus¬ 
reichen. Die Kausalgleichungen teilt er wiederum ein in Kraft¬ 
gleichungen und Energiegleichungen. Die erstere Gattung be¬ 
trachtet gegebene Geschwindigkeiten oder Geschwindigkeitsänderungen 
als Wirkungen bestimmter ihnen gleich gesetzter Ursachen (Kräfte). 
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Als Paradigma führt W. die Gleichung v = — .t an. Die zweite Gattung 
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betrachtet irgend eine Energiegröfse als Wirkung anderer Energiegröfsen, 
771/V ^ 
denen jene gleich gesetzt wird (Paradigma =p.h). Wenn eine 
Energiegleichung den unmittelbaren Übergang bestimmter Energie¬ 
formen in andere ausdrückt, so bezeichnet sie W. als Trans f o r mat ions¬ 
gleich un g. Werden hingegen Zustände gleich gesetzt, welche 
zeitlich beliebig getrennt sind, so spricht W. von einer Zustands-
        

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