Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Binet et V. Henri: Le développement de la mémoire visuelle chez les enfants. Rev. générale des sciences. V. No. 5. S. 162-169. Auch: Rev. philos. 37, 3. S. 348-350. 1894
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29606/1/
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Litteraturbericht. 
aufwies. Je gröfser die Möglichkeit von Assoziationen und Assimi¬ 
lationen war, um so gröfser die Zahl der Fehler. Es folgen ent¬ 
sprechende statistische Bestimmungen und Tabellen. 
Bourdon gelangt zu dem Schlüsse, dafs das unmittelbare Gedächtnis 
zwischen 8 bis 20 Jahren allmählich an wächst. Es macht bemerkbare 
Fortschritte zwischen 8 und 14 Jahren, weniger bemerkbare zwischen 
14 und 20 Jahren. Am besten kann man diese Fortschritte beobachten 
an Reihen von 6, 7 und 8 Ziffern, von 6, 7 und 8 Buchstaben, von 5 und 
6 Wörtern. M. Giessler (Erfurt). 
A. Binet et V. Henri. Le développement de la mémoire visuelle chez 
les enfants. Rev. générale des sciences. V. No. 5. S.-162—169. Auch: 
Rev. philos. 87, 3. S. 348—350. (1894.) 
Die Verfasser haben Versuche über das Gedächtnis verschieden 
alter Schulkinder für Längenmafse angestellt. Jedem Kinde wurde ein 
Bleifederstrich von gewisser Länge gezeigt, und nachdem es sich die 
Länge gemerkt, mufste es eine gleich lange Linie aufzeichnen oder aus 
einer vorgelegten Serie von verschiedenen Linien aussuchen. 7200 Ver¬ 
suche ergaben, dafs der Schätzungsfehler um so gröfser ist, je jünger 
das Kind; und dafs es leichter ist, zu einer gegebenen Länge eine gleiche 
zu finden, wenn man die gegebene zum Vergleichen in der Hand behält, 
als wenn man nur das Gedächtnisbild derselben zur Verfügung hat. 
Die Verfasser sehen selbst ein, dafs sie hiermit an sich Selbstverständ¬ 
liches bewiesen haben, freuen sich jedoch, hierin eine Bestätigung der 
Exaktheit ihrer Versuche erblicken zu dürfen. Etwas interessanter ist 
das Resultat, dafs die Kinder grofse Linien unter-, kleine überschätzen, 
und dafs ersteres um so mehr hervortritt, je jünger die Kinder sind. 
Schaefer (Rostock). 
A. Binet et V. Henri. La simulation de la mémoire des chiffres. Rev. 
scientif. Bd. 51. No. 23, S. 711—722. Auch: Rev. philos. Bd. 37. 
S. 114—119. (1894.) 
Unter diesem sich nicht ganz mit dem Inhalt deckenden Titel 
besprechen die Verfasser einige Studien über jene Leistungen des Ge¬ 
dächtnisses, die man hin und wieder an sogenannten Rechenkünstlern 
zu bewundern Gelegenheit hat. Die Fähigkeit, eine sehr grofse Menge 
von Zahlen, die in regelmäfsigen Reihen untereinander geschrieben 
sind, in kurzer Zeit so durch das Gedächtnis beherrschen zu lernen, 
dafs sie fehlerlos vorwärts und rückwärts oder in sonst beliebiger An¬ 
ordnung hergesagt werden können, beruht entweder darauf, dafs der 
Experimentator die Tafel mit den Ziffern mit hinreichender Deutlichkeit 
innerlich vor sich sieht, um die Ziffern gleichsam nur von diesem Er¬ 
innerungsbilde ablesen zu brauchen; oder derselbe bedient sich zur 
Reproduktion nicht des optischen Erinnerungsbildes, sondern des Klang¬ 
bildes der Ziffern. Eine dritte Möglichkeit ist die, dafs eine wohl¬ 
eingeübte Mnemotechnik im Spiel ist und eine freie Gedächtnisleistung 
vortäuscht. Die Verfasser haben nun für jeden Typus einen Vertreter 
gefunden und unter anderem festgestellt, dafs der Mnemotechniker eine
        

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