Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedr. Kiesow: Über die Wirkung des Kokains und der Gymnemasäure auf die Schleimhaut der Zunge und des Mundraumes. Wundt, Philos. Stud. IX. 4. S. 510-527. 1894
Person:
Meumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29604/2/
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Litteraturbericht. 
scheinlieh die Empfindlichkeit für alle Geschmacksqualitäten durch 
dasselbe abgeschwächt wird, aber nicht für alle in gleichem Mafse. Ver- 
asser prüfte zuerst die Wirkung des Kokains auf Tastreize. Zu 
dem Zwecke wurde die normale Empfindlichkeit der Zunge und des 
Mundraumes festgestellt durch Abtasten der betreffenden Hautpartien 
mit einer sehr feinen Nadel, wobei sehr verschiedene Tast- und Schmerz¬ 
empfindlichkeit derselben gefunden wurde. In der Mitte der Backen¬ 
schleimhaut fand sich eine völlig schmerzfreie Stelle, während die 
Zungenspitze die gröfste Schmerzempfindlichkeit besafs. Es wurde so¬ 
dann die Wirkung einer einmaligen, fünf- und zehnmaligen Pinselung 
der zu untersuchenden Hautstelle mit 10-, 5-, 2-, 1- und 0,5-prozentiger 
Lösung von salzsaurem Kokain festgestellt. Die Hauptergebnisse 
waren: Der Eintritt der Wirkung ist in der Kegel erst nach 20 Mi¬ 
nuten spürbar. Bezüglich des Konzentrationsgrades der Lösung 
und der Anzahl der Pinselungen fand sich, dafs die abschwächende 
Wirkung des Kokains deutlich zu werden begann bei 1 prozentiger Lösung, 
wenn dieselbe 5 mal appliziert wurde. Dabei verhielten sich die ver¬ 
schiedenen Hautpartien nicht gleich, die Zungenspitze wurde selbst hei 
zehnmaliger Pinselung mit lOprozentiger Lösung nicht anästhetisch. Auf 
den Innenrändern der Lippen zeigte sich bei schwächeren Lösungen die 
auffallende Erscheinung, dafs sie für oberflächliche Stiche lebhaft 
schmerzempfindlich blieben, während tiefere Stiche keinen Schmerz 
hervorriefen. 
Für Temperaturreize wurde die Wirkung des Kokains nur an der 
Zungenspitze erprobt, wo sich dasselbe völlig wirkungslos zeigte. 
Die Wirkung des Kokains auf Geschmacksreize wurde in der 
Weise untersucht, dafs zunächst der absolute Schwellenwert für die 
einzelnen Schmeckstoffe festgestellt wurde, darauf untersuchte Verfasser 
die Veränderungen des Schwellenwertes unter dem Einflufs der ver¬ 
schieden häufigen Pinselungen mit den verschiedenen Konzentrations¬ 
graden der Lösung. Als Schmeckstoffe wurden verwendet Sacch. alb., 
NaCl, HCl und Chin. suif, und speziell zur Prüfung der Bitterempfind- 
lichkeit in einem einmaligen Versuch Wermuth, Quassia, Enzian, Aloe. 
Die allgemeinen Ergebnisse waren: Der abschwächende Einflufs 
der verschiedenen Lösungen des Kokains ist am gröfsten für die Em¬ 
pfindlichkeit für Bitter und Süfs. „Betreffs des Sauren und Salzigen ist 
bei den niederen Lösungsgraden die Wirkung auf Salz am geringsten, 
hei den höheren jedoch ist dieselbe auf beide Reize teils gleich, teils 
scheint der Einflufs auf Sauer zu überwiegen.“ Bezüglich der Ein¬ 
wirkungszeit ergab sich, dafs die Wirkung des Kokains bei allen 
Geschmacksreizen unmittelbar nach Auftragung auf die Zunge am 
gröfsten ist. 
Die Verschiedenheit, welche sich in der Dauer der Einwirkung der 
Pinselungen für Tastreize einerseits und Geschmacksreize andererseits 
ergeben hatte, benutzt Verfasser, um den Beweis zu erbringen, dafs 
Salz- und Sauerempfindungen auch ohne die gewöhnlich sie begleitenden 
taktilen Empfindungen auftreten können. 
Betreffs der Gymnemasäure (die der Verfasser von Merk in
        

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