Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedr. Kiesow: Über die Wirkung des Kokains und der Gymnemasäure auf die Schleimhaut der Zunge und des Mundraumes. Wundt, Philos. Stud. IX. 4. S. 510-527. 1894
Person:
Meumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29604/1/
Litterakirberich t. 
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des Verfassers veranlafst den Referenten doch zu einigen kritischen 
Bemerkungen. Die hei den Versuchen über erfüllte und leere Zeit öfter 
wiederkehrende Behauptung Dr.’s, dafs die Täuschung aufhöre, wenn die 
Punkte nicht mehr distinkt erscheinen, hätte doch einmal experimentell 
geprüft werden müssen.— Der von Dr. selbst erwähnte vermutliche 
Fehler dieser Schätzungen, dafs wir, wenn z. B. die erfüllte Strecke voran 
geht, die leere erst dann beginnend denken, wenn der mittlere Grenz- 
punkt von dem Finger verlassen wird, aber schon dann aufhörend, 
wenn der die leere Strecke abschliefsende Punkt eben erreicht wird, 
kehrt in schwächerer Form bei den Kontrollversuchen mit begrenzter 
Berührungsfläche des Fingers wieder. Wir sind auch dann geneigt, den 
mittleren Punkt zur erfüllten Strecke zu rechnen und für die leere nur 
den leeren Zwischenraum in Anrechnung zu bringen. Die Versuche über 
Gewichtshebungen fordern den Vergleich mit den bekannten Versuchen 
von Müller und Schumann heraus (Pflügers Arch. Bd. 45). Der künstlich 
erzielten „Einstellung“ bei M. und Sch. entspricht hier die durch die 
Erfahrungen des Lebens bewirkte feste Assoziation zwischen einer durch 
den Anblick des Materials und der Gröfse der „Gewichte“ erweckten 
Vorstellung von ihrer Schwere und dem dieser entsprechenden Hebungs¬ 
impulse. Die Versuche zeigen nun evident, dafs in diesem Falle 
nicht die Geschwindigkeit der Hebung (wie M. und Sch. bei ihren ruck- 
weisen Hebungen vermuteten) als Kriterium der Beurteilung benutzt 
wird, denn die Täuschung blieb beim Wiegen der Gewichte in der 
Hand; sodann scheinen die beiden Thatsachen, dafs die Täuschung wächst 
mit Alter und Intelligenz der Personen, und dafs sie stärker ist beim 
Anblick der Zwischengewichte, die assoziative Bedingtheit des ganzen 
Phänomens und die primäre Bedeutung unserer vorstellenden Thäfcigkeit 
dabei zu beweisen, was der von M. und Sch. gegebenen Deutung der 
„Einstellung“ als eines rein physischen Phänomens widerspricht. 
Endlich scheint ein Vergleich der ersten und zweiten Versuchsreihe zu 
beweisen, dafs unsere Vorstellungen von Material und Gröfse für die 
Täuschung entscheidend sind, während die Verschiedenheit der Form 
als solche nicht viel zu bedeuten hat, sondern erst mittelst der Gröfsen- 
vorstellung wirksam wird. Meumann (Leipzig). 
Friede. Kiesow. Über die Wirkung des Kokains und der Gymnemasäure 
auf die Schleimhaut der Zunge und des Mundraumes. Wundt, 
Philos. Skid. IX. 4. S. 510—527. (1894.) 
Die vorliegende Arbeit enthält eine Anzahl Vorstudien für „umfang¬ 
reichere Untersuchungen über die Verhältnisse des Geschmackssinnes“. 
Der Verfasser stellt in derselben fest, welchen Einflufs das Kokain und 
die Gymnemasäure auf die Empfindlichkeit der Zunge und des Mund¬ 
raumes für Temperatur-, Tast- und Geschmacksreize hat. Dabei wurde 
„Umfang, Eintritt und Dauer“ des Einflusses der genannten Drogen, 
sowie die Abhängigkeit dieses Einflusses von dem Konzentrationsgrade 
der jeweils verabreichten Lösung festgestellt. 
Bezüglich des Kokains stand nach den bisherigen Untersuchungen 
(insbesondere nach denen von Oehrwall und Shore) fest, dafs wahr- 
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Zeitschrift für Psychologie VIII.
        

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