Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hilbert, R.: Die durch Einwirkung gewisser toxischer Körper hervorgerufenen subjektiven Farbenempfindungen. Knapp u. Schweiggers Arch. f. Augenheilkde. Bd. XXIX. S. 28-32
Person:
Greeff, R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29601/1/
Litteraturbericht 
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was das hyperästhetische Auge und die gespannte Aufmerksamkeit des 
Neurasthenischen erkennt. — Was sich aber durch Akkommodations¬ 
krampf nicht erklären läfst, ist der Umstand, dafs Pat. den einen Teil 
einer weifsen beleuchteten Pläche blau und den anderen gelbrot 
sieht (bei Akkommodationskrampf sieht man die ganze Pläche nur von 
einem violetten Ring umgeben, bei ungenügender Akkommodation von 
einem roten); ferner, dafs er das Phänomen willkürlich umzudrehen 
vermag. 
Die Verff. erklären auch das auf Grund bekannter Experimente 
dadurch, dafs Pat. vermittelst Bewegungen des unteren oder oberen 
Teiles der Augenlider und des Kopfes die roten oder violetten Strahlen 
abzufangen vermag. 
4. Verschwinden von Silben und Worten beim Lesen sind 
Gedächtnislücken, die auf vorübergehender Bindenanästhesie und Un¬ 
aufmerksamkeit beruhen. 
5. Das Erscheinen mehrfacher Bilder aus einer Licht quell e. 
— Pat. erblickt im Dunkelzimmer beim Anzünden eines Lichtes zu 
seiner Hechten gleichzeitig zwei leuchtende Punkte zur Linken, die sich 
mit der Plamme symmetrisch bewegen und zugleich einen leuchtenden 
Hof. Heuse hat schon vor 20 Jahren (Gräfes Arch. 1872) die Sache 
mittelst Experiment (Stellung des Lichtes 8 Zoll vom Auge und 4 Zoll 
nach aufsen) so erklärt, dafs das erste umgekehrte Bild in der Nähe der 
Macula ein zweites endokulares und durch Behex ein drittes Bild giebt, 
indem die Netzhaut wie ein Konkavspiegel wirke. 
6. Nachbilder — bei kurzer Betrachtung einer schwach be¬ 
leuchteten Pläche mit stark aufgetragenen Parben — sind eine physio¬ 
logische, bei dem Pat. jedoch hochgesteigerte Erscheinung, da er z. B. 
beim Wenden des Auges auf einen von der Sonne beschienenen Fleck 
am Fufsboden, während eine Mücke sich erhebt, zwei dergleichen erblickt, 
die eine wirkliche schwarz, die andere goldgelb glänzende an der Stelle, 
wo jene gesessen. 
Alles in allem rührt das grübelnde Verhalten des neurasthenischen 
Kranken, seinen subjektiven Erscheinungen gegenüber, aus dem Zu¬ 
sammentreffen von drei Zuständen her, einer grofsen Erregbarkeit des 
Nervensystems, einer übermäfsigen Erschöpfung und von der aus¬ 
nehmenden Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit zu konzentrieren. 
Fraenkel. 
Hilbert, B. Die durch Einwirkung gewisser toxischer Körper hervor¬ 
gerufenen subjektiven Farbenempfindungen. Knapp u. Schioeiggers 
Arch. f. Augenheilkde. Bd. XXIX. S. 28—82. 
Nach innerlichem Gebrauch gewisser Substanzen treten bekanntlich 
subjektive Farbenempfindungen auf. Szokalski beschrieb zuerst Ery- 
thropie nach der Einnahme von Samen von Hyoscyamus niger. Masi 
untersuchte an sich selbst das Gelbsehen, welches als toxische Neben¬ 
wirkung von Santonin sich einstellt. Die Versuche sind von A. König 
wiederholt worden. 
Verfasser beobachtete an sich zwei Minuten nach Einnahme von 0,3 g
        

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