Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Jacques Loeb: Beitrag zur Gehirnphysiologie der Würmer. Pflügers Arch. Bd. 56 S. 247-269
Person:
Cohnstein, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29595/1/
Litteraturbericht. 
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unmittelbar nach der Geburt beim Hähnchen, Sperling und Star, früh¬ 
zeitig bei Kaninchen, Katze, Ratte, Hund, bei deren Geburt der Cha¬ 
rakter der Unreife des Kleinhirns dem des Sperlings ähnelt. 
Der embryonale Charakter zeichnet sich aus durch Varikosität der 
Fasern und Fortsätze, durch gröfsere Dicke und Unregelmäfsigkeit der 
Zellkörper, sowohl der Granula, als auch der grofsen Nervenzellen und 
der Neuroglien. Die allmählich fortschreitende Entwickelung zeigt sich 
insbesondere an den PuRKYNESchen Zellen und den tiefen Zellen der 
äufseren Körnchenschicht, also an denjenigen, die für Bewegungs¬ 
zelle n gelten. Die innere Körnchenschicht zeigt einen höheren Ent¬ 
wickelungsgrad, gleichviel, ob die betr. Tiere schon gehen können oder 
nicht- Fraenkel. 
Jacques Loeb. Beitrag zur Gehirnphysiologie der Würmer. Pflügers 
Arch. Bd. 56 S. 247—269. 
Als „Gehirn“ der Würmer bezeichnet Verfasser die am oralen 
Körperende jener Tiere gelegene Ganglienmasse, welche nach K. E. von 
Baer dem Ganglion Gasseri der höheren Tiere entspricht. Von diesem 
Zentrum aus erstrecken sich bei den niederen Würmern peripherische 
Nervenfäden, welche die ganze Länge des Tieres durchsetzen. Trennt 
man ein solches Tier durch einen Scherenschlag in der Mitte durch, 
so erhält man ein orales, gehirntragendes und ein aborales gehirnloses 
Stück, welches jedes sich im Laufe von Wochen oder Tagen zu einem 
neuen vollständigen Tier regeneriert. Untersucht man aber die beiden 
Körperhälften noch vor Beginn der Regeneration, so bemerkt man ge¬ 
wisse funktionelle Differenzen, welche Rückschlüsse auf die Thätigkeit 
des Gehirns gestatten.— So zeigt sich z. B. bei den Seewasser¬ 
planarien (Thysanozoon Brocchii), dafs hier die Spontaneität der Pro- 
gressivbewegungen eine Funktion des Gehirns ist. Das von seinem 
Gehirn getrennte aborale Stück hat nämlich die Fähigkeit verloren, sich 
ohne Einwirkung eines Reizes schwimmend oder kriechend vorwärts zu 
bewegen. Der Stereotropismus dagegen, d. h. das Bestreben, seine ven¬ 
trale Fläche festen Körpern zuzuwenden, ist auch bei dem gehirnlosen 
Stück deutlich ausgesprochen. 
Etwas anders verhalten sich die anatomisch so ähnlich gebauten 
Süfswasserplanarien (z. B. Planaria torva). Hier besitzt auch der 
gehirnlose, aborale Stumpf Spontaneität; ja jedes kleine Stückchen des 
Tieres kriecht spontan und mit dem oralen Ende nach vorn gerichtet.— 
Bei den normalen Tieren, welche neben dem wohlentwickelten Gehirn 
vorzüglich scharfe Augen haben, war dem Verfasser eine eigentümliche 
Abhängigkeit von der Belichtung in dem Sinne aufgefallen, dafs die 
Tiere stets die dunklen Stellen des Aquariums aufsuchten und hier zur 
Ruhe kamen.— Dieselbe Wahrnehmung machte man nun auch bei den 
hirn- und augenlosen aboralen Tierstümpfen. Auch sie sammelten sich 
an den dunklen Stellen des Aquariums an, trugen, wenn sie plötzlich 
belichtet wurden, eine gewisse Unruhe zur Schau und suchten eine 
neue Stelle mit relativem Lichtminimum auf. 
Bei den etwas höher entwickelten Nemertinen und Regen 
Zeitschrift für Psychologie VIII. 28
        

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