Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Alfred Binet et Victor Henri: Les actions d'arrêt dans les phénomènes de la parole. Revue philosophique. Bd. 37. S. 608-620. 1894 Nr. 6
Person:
Meumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29582/2/
396 
Litteraturbericht. 
untersuchen. Sie unterscheiden zunächst „Hemmung“ im psychologischen 
Sinne von dem gebräuchlichen physiologischen Terminus. „Hemmung“ 
bedeute für den Psychologen eine eigentümliche Modifikation der 
Willensthätigkeit, deren äusserer Erfolg sich in einer Bewegungs¬ 
hemmung zeige. Es sind drei Gruppen von Hemmungserscheinungen 
und mit ihnen zusammenhängenden Phänomenen, die in der vorliegenden 
Arbeit behandelt werden: 1. die Dauer der Aussprache von Worten, 
Ziffern und Tönen, im Beginn, im Verlauf der Artikulation und im 
Moment des Einhaltens (der „Hemmung“); 2. die Reaktionszeiten für 
Reaktionen mit Sprechbewegungen oder Sprechhemmung auf gegebenes 
Schall signal ; 3. gewisse Modifikationen der Atemthätigkeit, welche 
unter diesen verschiedenen Bedingungen auftreten. 
Für alle Versuche verwenden die Verfasser die graphische Methode. 
Zur Aufnahme der Sprechbewegungen dient in allen Fällen das re¬ 
gistrierende Mikrophon von Rousselot. Die Fehler dieses Apparates 
werden von den Verfassern ausführlich erwogen, und da die Schwan¬ 
kungeninder Registrierzeit bis zu Hundertstelsekunden betragen können, 
verzichten die Verfasser darauf, die Reaktionszeiten für das Ansprechen 
mit denen der Sprechhemmung zu vergleichen; nur die analogen Phä¬ 
nomene unter verschiedenen Bedingungen werden verglichen. 
Bezüglich der Dauer der Aussprache wird von den drei Bedin¬ 
gungen, von denen sie abhängen kann: phonetischer Charakter des 
Wortes, Stellung desselben im Satz und Bedeutung (Betonung), nur die 
zweite näher untersucht. Die gesprochenen Worte waren die Ziffern 
von 1—10. Es wurde zuerst bei ruhiger, natürlicher Aussprache die 
Normaldauer der Zahlen festgestellt (wobei sich als gröfste Unterschiede 
die Sprechzeit für 8 = 240 a und für 10=180<> ergeben), darauf dieselben 
(in natürlicher Reihenfolge) in vier verschiedenen Geschwindigkeiten 
ausgesprochen. Die Mikrophonkurve zeigt, dafs sich bei zunehmender 
Geschwindigkeit die Intervalle weit mehr verkürzen, als die Sprech¬ 
zeiten der Ziffern, und dafs die lezte Ziffer ihre Normallänge behält. 
Ein Versuch, die letzte Ziffer ebenfalls kurz zu sprechen, hat keinen 
Erfolg. Spricht man in zwei Fällen die Zahlen 1 ; 2 und 2 ; 3, so ist 2 
im ersten Falle die länger, im zweiten Falle die kürzer dauernde Zahl. 
Rhythmisiert man die Zahlenreihe durch subjektives Gruppieren oder 
Betonen, so ist die betonte, bezw. die vor dem rhythmischen Abschnitt 
stehende Zahl verlängert. Nimmt man nun an, dafs die Dauer der Aus¬ 
sprache ein Mafs ihrer Schwierigkeit ist, so scheinen die Versuche zu 
beweisen, dafs es leichter ist, aus einer Bewegung in eine 
andere Bewegung überzugehen als aus Bewegung in Ruhe 
(Bewegungshemmung). 
Betreffs des zweiten Punktes, der Sprechreaktionen, be_ 
tonen die Verfasser mit Recht den grofsen Vorzug von Reaktionen mit 
der Sprache vor solchen mit Fingerbewegung, weil sie sich weit mehr 
und leichter variieren lassen und daher eher Einblick in den Mechanismus 
des Reaktionsvorganges verschaffen können. Es wurde reagiert 1. mit 
"Sprechen eines einsilbigen Wortes (z.B. „un“); 2. mit Hemmung eines kon¬ 
tinuierlich angehaltenen Tones oder der hergesagten Zahlenreihe von 1—10
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.