Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
M. W. Shinn: Notes on the development of a child. University of California Studies. Berkeley. Published by the University. 1894. 88 S.
Person:
Ufer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29570/1/
Litter a turbericht. 
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und Kapitel hin wiese. Denn dafs dem Verfasser der Inhalt der von ihm 
zitierten Arbeiten nicht völlig bekannt sei, darf doch gewifs nicht an¬ 
genommen werden. Das Ergebnis ist, dafs der Leser notwendig vom 
Gegensatz der Meinungen ein falsches Bild bekommen mufs, dafs er in 
Gefahr ist, als Vertreter der vom Verfasser zufällig ausgewählten und 
charakterisierten Theorien gelegentlich einmal auch solche anzusehen 
die dagegen energischen Protest erheben würden. Dafs auch jener Hin¬ 
weis mitunter, ohne ersichtlichen Grund, unterbleibt, macht die Sache 
nicht besser, sondern erhöht nur die Schwierigkeit einer wirklichen 
Orientierung. Es wäre unter solchen Umständen richtiger gewesen, 
wenn der Verfasser die Vorstellung, dafs ihm an solcher Orientierung 
oder gar an ernstlicher Auseinandersetzung mit den Gegnern gelegen 
sei, von vornherein nicht erweckt hätte; noch zweckmäfsiger würde es 
mir erscheinen, wenn er sie ausdrücklich abgewiesen hätte. 
Des Verfassers Standpunkt ist einigermafsen bezeichnet durch die 
Mitteilung, welchen Psychologen er das Meiste verdanke. Es sind 
Wtjndt, Bibot, Ward, Ladd, Münsterberg und James. Letzteren rühmt 
er als „eminently modern“. Eine Kritik des Standpunktes und der Art 
der Durchführung ist hier unmöglich. Gerne erkenne ich den Beichtum 
des Inhaltes an ; nicht minder eine gewisse einfache, klare Art der 
Darstellung. Ich vermisse aber vielfach die Sicherheit und Vollständig¬ 
keit der Analyse der Thatsachen, dieser ersten Aufgabe der Psycho¬ 
logie, die Schärfe der Unterscheidungen, das Erfassen der eigentlichen 
Probleme, auch wohl die genügende Kritik gegenüber einer nur im üblen 
Sinne „modernen“ Weise, wirkliche oder hypothetische Thatsachen 
bestimmter Art zu Erklärungsgründen zu machen, nicht weil man zeigen 
oder wahrscheinlich machen kann, dafs sie dazu sich eignen, sondern 
weil es nun einmal nach dem Vorgänge dieser oder jener Autorität üblich 
geworden ist, sie dazu zu machen, oder weil sie, als relativ neue Objekte 
psychologischer Betrachtung, auf die wissenschaftliche Phantasie einen 
besonderen Beiz ausüben. Th. Lipps. 
M. W. Shinn. Notes on the development of a child. University of Cali¬ 
fornia Studies. Berkeley. Published by the University. 1894. 88 S. 
In den Forschungen zur Kinderpsychologie lassen sich gegenwärtig 
der Hauptsache nach zwei Bichtungen unterscheiden. Die eine, als 
deren bedeutendster Vertreter Bernard Pérez angesehen werden kann, 
hat ihre Stärke in dem Umfange des Materials und in dem Streben, 
der geistigen Entwickelung nicht dieses oder jenes Kindes, sondern des 
Kindes überhaupt auf die Spur zu kommen. Dabei macht sich jedoch 
• • 
nur zu leicht der Ubelstand geltend, dafs das Beobachtungsmaterial, 
welches dem einzelnen Forscher von anderer Seite zukommt oder aus 
Biographien und Erzeugnissen der schönen Litteratur stammt, zu wenig 
genau und gesichert ist. Diesem Mangel entgeht die PaEYERSche Dich¬ 
tung, die sich zwar als Endziel auch die Erforschung der Kindesnatur 
im allgemeinen setzt, vorerst aber auf die genaue Beobachtung des Indi¬ 
viduums das Hauptgewicht legt, also vorwiegend biographischer, nicht 
vergleichender Art ist. 
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