Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
E. W. Scripture: Studies from the Yale Psychological Laboratory. 1893. 100 S.
Person:
Meumann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29553/2/
Litteraturbericht. 
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Überlegungen über die Fehlerquellen beider Methoden begründet» 
Referent kann auf G-rund eigener Erfahrungen über beide Methoden 
diesen Überlegungen durchweg beistimmen. Sehr dankenswert ist die 
Mitteilung zahlreicher Vorversuche über das einzuschlagende graphische 
Verfahren. Die Methode, bei welcher der Verfasser schliefslich stehen 
blieb, ist zwar in ihrem Prinzip nicht neu, wie er und nicht minder 
Herr Scripture versichern, wohl aber in der Art der Verwendung für 
Reaktionsversuche. Es wurden nämlich auf einer Kymographion- 
trommel von grofser Rotationsgeschwindigkeit die Schwingungen einer 
Stimmgabel von hundert Schwingungen verzeichnet und durch die Schreib- 
spitze derselben bei der Auslösung des Reaktionsreizes und bei der 
Aufhebung des Reaktionstasters je ein kräftiger Induktionsfunke 
geschickt, der unmittelbar in der Stimmgabelkurve den Moment der 
Reizauslösung und der Tasterhebung in Gestalt eines weifsen Fleckes 
verzeichnete. Besonders angestellte Versuche ergaben, dafs der 
registrierende Funke keinerlei erkennbare Latenzzeit besafs. Die Ab¬ 
lesung geschah auf Viooo Sekunde genau, durch Zehnteilung der sehr 
grofsen Schwingungen. Alle Schwierigkeiten der Technik werden nun 
hierbei in den reizauslösenden. bezw. den der Reagierbewegung dienenden 
Schlüssel, zusammengedrängt (denn auch die Reizauslösung geschah in 
denVersuchen von Bliss vom Zimmer des Experimentators aus, mittelst 
eines Tasterschlüssels). Unter Scriptures Anleitung wurde zu diesem 
Zweck ein „Multiplexschlüssel“ konstruiert, der allen Anforderungen 
entsprach. Da nämlich der Reiz in allen Fällen ein akustischer war 
(in der Regel Stimmgabelton), der von einem besonderen Zimmer aus zu 
einem Telephon des Reagentenzimmers geleitet wurde, so mufste 1. der 
Multipiexschlüssel den Reiz auslösen und registrieren; 2. sollte 
ein gleicher Schlüssel die Registrierung der Reaktionsbewegung ver¬ 
mitteln. 
Der Schlüssel konnte ferner die Stimmgabelkurve auf der Trommel 
beginnen lassen kurz vor der Reizauslösung und sie aufhören lassen 
kurz nach der Reaktionsbewegung. Die zahlreichen Kombinationen von 
Stromschlufs und -Öffnung, zu denen der Schlüssel dienlich sein kann, 
werden im Text ausgeführt und durch beigegebene Abbildungen erläutert. 
Der Reagent safs in einem mit grofser Sorgfalt hergerichteten Raum, 
der zugleich Dunkel- und Stillzimmer war. 
Eine längere Diskussion wird über die Zulässigkeit von Streichungen 
in den Reaktionszahlen geführt. Zwei Arten von Streichungen läfst der 
Verfasser zu: 1. solche auf Grund des Selbstprotokolls des Reagenten, 
2. solche, auf die eine von Holman angegebene Regel pafst: Eine Zahl 
wird gestrichen, wenn ihre Abweichung von dem ohne sie heraus¬ 
gerechneten Mittel der übrigen Zahlen viermal so grofs ist als die M. V. 
der übrigen Zahlen. 
Von den sehr zahlreichen Untersuchungen erwähnt Referent nur 
die wesentlichen Fragestellungen und Ergebnisse. Einige Vorversuche 
über den Einflufs von verschiedenfarbigem Licht, dem der Reagent 
kontinuierlich ausgesetzt war, auf die Tonreaktionen, zeigten keinen 
Einflufs des Lichtes. Sodann wurde einmal reagiert bei Fixation eines
        

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