Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
M. W. Calkins: Statistics of dreams. Amer. Journ. of Psych. V. No 3 S. 311-343. 1893
Person:
Offner, M.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29533/1/
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Litteraturberich t. 
M. W. Calkins. Statistics of dreams. Amer. Journ. of Psych. V. No 3 
S. 311-343. (1893.) 
Das exakter Beobachtung so schwer zugängliche Gebiet der Träume 
hat die Verfasserin, eine Lehrerin für Psychologie, in Verbindung mit 
Dr. Saî>tdford zum Gegenstand einer recht dankenswerten Studie gemacht. 
Die Bedeutung der Arbeit liegt nicht sowohl in der Gewinnung neuer 
Ergebnisse, als vielmehr in dem Beitrag, den sie zur sicheren Funda¬ 
mentierung bestehender Ansichten liefert. 
Sechs bis acht Wochen lang hat die Verfasserin wie ihr Mitarbeiter 
alle Träume sorglichst notiert und zwar derart, dafs sie, so oft sie nachts 
aufwachten, was allerdings nur anfangs durch einen Wecker herbeigeführt 
wurde, sofort den Traum skizzierten und tags darauf aus der Erinnerung 
ergänzten. Die zahlreichen Tabellen, welche meist mit Geschick angelegt 
sind, freilich wiederholt die Bückführung auf Prozente vermissen lassen, 
ergeben zunächst, dafs in die erste Hälfte des Schlafes viel weniger 
Träume fallen als in die zweite, und dafs sich die sehr beträchtlichen 
Nachwirkungen des vorausgehenden Wachlebens in einem ähnlichen 
Verhältnis über die Schlafzeit1 verteilen. Eine weitere Tabelle zeigt, 
dafs die vier Grade der Lebhaftigkeit der Träume, nach dem Vorgänge 
Nelsons bestimmt durch die Zahl der Zeilen des möglichst genauen 
Berichtes, — eine freilich höchst unsichere Methode, die sich einerseits auf 
den keineswegs durchgängig erwiesenen Parallelismus der Intensität der 
Empfindung und derjenigen der Erinnerung stützt, andererseits die 
Differenzen der Zeitdistanz zwischen dem jedesmaligen Träumen und 
Aufzeichnen zu ignorieren scheint — ziemlich gleichmäfsig vertreten sind 
bei der Verfasserin, während Dr. Sandfords Träume mit Vorliebe mittlere 
Grade der Lebhaftigkeit aufwiesen. Doch sind die lebhaften Träume, 
wie man gewöhnlich glaubt, nicht auf den Morgen beschränkt, wenn¬ 
gleich sie hier vorwiegen. Die von peripheren Beizen veranlafsten Träume 
(presentation dreams = Nervenreizträume nach Spitta) sind verhältnis- 
mäfsig selten und treten meist in den Übergangsstadien zwischen Schlaf 
und Wachen auf. Die meisten derartigen Einwirkungen werden leicht 
begreiflich vermittelt durch das Gehör und den Tastsinn. Nebenbei sei 
bemerkt, dafs wir Deutsche kein „Alpendrücken“ kennen, sondern ein 
„Alpdrücken“, von „der Alp, Alb“ = Elfe. Weit häufiger sind die lediglich 
auf Assoziation beruhenden Träume (representation dreams = psychische 
Träume nach Spitta), und hier spielen, wie schon Bonnet beobachtete 
und richtig erklärte (vgl. meine Studie über Bonnets Psychologie in den 
Schrift, d. Ges. f. psych. Forschg. I. S. 608), entsprechend der gröfseren 
Mannigfaltigkeit der Gesichts- und dann der Gehörsvorstellungen, nicht 
auffallenderweise, wie die Verfasserin meint, eben diese Vorstellungen 
die gröfste Bolle. Interessant übrigens ist es, aber leicht begreiflich, 
dafs die Träume der Verfasserin einen weit gröfseren Prozentsatz an 
Wortelementen enthielten, als die ihres Mitarbeiters, und dafs ferner 
die Dame in weitaus mehr Fällen als der Herr (66,4% gegen 45,4% der 
Wortträume) selbst sprechend aufgetreten ist. Die genaue Erinnerung 
dagegen an die Worte gelang der Verfasserin nur in 4,5%, dem Mit-
        

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