Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Bethe: Über die Erhaltung des Gleichgewichtes. Biol. Centralbl. 1894. Bd. XIV. S. 95-114
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29527/1/
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Litteraturbericht 
selben nur dann wirkliche Beweiskraft, wenn Krankenbericht und 
Sektionsbefund ausführlich genug vorliegen. Der kasuistische Beitrag 
des Verfassers zu den Beweisen der Dichtigkeit der Bogengangtheorie 
leistet nun dieser Bedingung voll Genüge. Es handelte sich um ein 
tuberkulöses Kind, das längere Zeit vor dem Tode typische und häufige 
Pendelbewegungen des Kopfes in horizontaler Ebene gezeigt hatte, aus 
denen, entsprechend den bekannten Versuchen von Elotjrens, auf eine 
Läsion des einen horizontalen Bogenganges geschlossen wurde. In der 
That ergab die Sektion, dafs derselbe total zerstört war, während die 
anderen ganz intakt gefunden wurden. Schaefer (Bostock). 
A. Bethe. Über die Erhaltung des Gleichgewichtes. Biol. Centralbl. 
1894. Bd. XIV. S. 95—114. 
Verfasser ist mit der Majorität der neueren und neuesten Autoren 
auf diesem Gebiete der Ansicht, dafs die Halbzirkelkanäle des Wirbel¬ 
tierohres und die im ganzen Tierreiche so weit verbreiteten Otolithen 
Sinnesorgane für die Begulierung des Gleichgewichtes sind. Es giebt 
aber unter den Wirbellosen auch eine grofse Anzahl, bei denen solche 
Apparate weder bekannt sind, noch gefunden werden dürften, und zu 
denen doch vorzügliche Flieger und Schwimmer gehören. Auf welche 
Weise wahren denn nun solche Tiere ihr Gleichgewicht? Diese Frage 
beantwortet B. auf Grund einleuchtender und ausführlich beschriebener 
Versuche dahin, dafs zahlreiche Tiere genannter Art ihr Gleichgewicht 
überhaupt gar nicht selbst regulieren, sondern immer nur passiv, 
mechanisch von den auf sie einwirkenden physikalischen Kräften ge¬ 
richtet werden. Es ist sehr wünschenswert, dafs diese Versuche weiter aus¬ 
gedehnt würden. Sollte die Auffassung des Verfassers sich dabei als für 
alle otolithenlosen Evertebraten gültig erweisen, so würde daraus zu 
folgern sein, dafs, wo im Tierreich keine statischen Sinnes¬ 
organe vorhanden sind, auch ein eigentlicher statischer 
Sinn fehlt; es wäre dies ein neuer Beweis für die statische Labyrinth¬ 
theorie. (Vgl. des Beferenten Aufsatz : Funktion und Funktionsentwicke¬ 
lung der Bogengänge. Diese Zeitschr. Bd. VII. S. 1 ff.) 
Schaefer (Bostock). 
C. Jacobi. Untersuchungen über den Kraftsinn. Arch. f. experim. Pathol, 
u. Pharmakol. 1898. Bd. 32. S. 49—100. 
Die bisherigen Untersuchungen über den Kraftsinn, d. h. das Unter¬ 
scheidungsvermögen für die Gröfse gehobener Gewichte, leiden an der 
Anwendung allzu primitiver und untereinander verschiedener Unter¬ 
suchungsmethoden und an nicht genügender Ausschliefsung des Druck- 
und Tastsinnes. Verfasser konstruierte daher einen besonderen Apparat, 
eine „Kraftwage“. Sie besteht dem Prinzip nach aus einem durch 
Äquilibrierung gewichtlos gemachten einarmigen Hebel, der durch eine 
einfache, aber ihrer Konstruktion nach den Einflufs des Druck- und 
Tastsinnes möglichst ausschliefsende Handhabe gehoben werden und 
durch Verschieben eines Laufgewichtes in kürzester Zeit einen beliebigen 
Wechsel der Belastung erfahren kann, so dafs zwischen je zwei zu ver-
        

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