Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Georg Hirth: Die Lokalisationstheorie angewendet auf psychologische Probleme. Beispiel: Warum sind wir zerstreut? Vortrag, gehalten in der Münchener psychologischen Gesellschaft. München, G. Hirths Verlag. 1894. 73 S.
Person:
Edinger
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29519/1/
Litter aturbericht. 
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ausführliche Monographie über den ganzen Gegenstand wird in Aussicht 
gestellt. Ziehen (Jena). 
Georg Hirth. Die Lokalisationstheorie angewendet auf psychologische 
Probleme. Beispiel: Warum sind wir zerstreut? Vortrag, 
gehalten in der Münchener psychologischen Gesellschaft. München, 
G. Hirths Verlag. 1894. 73 S. 
Zur möglichsten Klarstellung der psychologischen Erscheinungen 
kann man zwei Wege mit verschiedenen Ausgangspunkten einschlagen. 
Man kann diese Erscheinungen selbst studieren und sie auf die ein¬ 
fachsten Verhältnisse zu reduzieren suchen — dieser Weg ist der bisher 
fast allein begangene — oder man kann, vom Gehirnbau ausgehend, 
untersuchen, wie sich, vorausgesetzt, dafs Aufbau und Verbindungen 
genügend bekannt sind, die Leistungsmöglichkeiten gestalten. Der 
letztere Weg ist aus naheliegenden Gründen bisher kaum beschritten. 
Isoliert und ohne Bücksicht auf die Ergebnisse, welche die erstere 
Untersuchungsweise zu Tag gefördert hat, ist er auch heute jedenfalls 
noch nicht beschreitbar. Immerhin scheint es an der Zeit, zu untersuchen, 
wie weit er heute schon für die Erkenntnis psychologischer Vorgänge 
förderlich werden kann. 
Meynerts Arbeiten haben hier, wie in so vielem anderen, den Weg¬ 
weiser gegeben, und bereits haben einzelne Psychiater versucht, 
bestimmte Formen von Seelenstörungen direkt zu erklären durch Störung 
bestimmter Eindengebiete, durch Unterbrechung einzelner wohlbekannter 
Assoziationsbahnen. Am weitesten sind bisher die Erhebungen gediehen, 
welche den Vorgang der Sprache und der zentralen, beim Sehen vor sich 
gehenden Prozesse betreffen. Man ist nahe daran, Voraussagen zu können, 
was für seelische Ausfallerscheinungen bei Zerstörung bestimmter, dem 
seelischen Vorgänge des Sehens dienender Apparate eintreffen werden, 
und ist nicht weit entfernt von der Möglichkeit, diese Vorgänge, deren 
Erscheinungsweise vielfache Beobachtung kennen gelehrt hat, zu prüfen 
an den anatomischen Unterlagen, ja von diesen Unterlagen wieder aut 
neue Möglichkeiten seelischen Geschehens zu schliefsen. Ein weiteres 
Beispiel mag zeigen, wohin diese kurze Deduktion zielt. Die beobachtende 
Psychologie mag den Eiechvorgang, die Eiechempfindung und die an 
Geruchsempfindungen sich anschliefsenden Assoziationen untersuchen, 
sie mag diese Vorgänge beim Menschen und, wenn möglich, bei Tieren 
studieren, immer wird ihr zum mindesten ein fördernder Hinweis aus 
Untersuchungen werden, welche zeigen, wie grofs oder wie klein, wie 
einfach oder wie kompliziert diejenigen Eindenteile bei den einzelnen 
Arten sind, welche der seelischen Verwertung der Eiechempfindung 
dienen. Dann wird sich der Schlufs als gerechtfertigt erweisen, dafs 
Tiere, denen trotz Vorhandenseins des Eiechapparates die Eiechrinde 
fehlt, nicht solcher weitgehenden seelischen Verwertung von Eiech- 
eindrücken fähig sind wie andere, deren Eiechapparat durch die mannig¬ 
fachsten Assoziationsbahnen mit anderen Eindengebieten verknüpft ist. 
Man wird aus der allgemeinen Kenntnis von der Bedeutung der Binden¬ 
zentren und der anatomisch gewonnenen Anschauung ihrer relativen
        

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