Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Fünfter Band. Dritte Abtheilung: Kriechtiere
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29461/75/
Süfroïôbil. 
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©anbbänte l)erauSfried)t, gefd)ieht 2)ieS in ber Segel fehr langfam: eS Belegt einen $uß um ben 
anbeven unb trägt ben Seit) babei fo tief, baß er auf bem Sanbe fehlest; befinbet eS fid^ aber am 
Sanbe in einiger Entfernung rom $luffe, fo ftiirgt eS, aufgefd)red't, febr rafcf) bem Staffer 3U, unb 
ebenfo feinet! fd)ießt eS auS bem Staffer auf baS Sanb heraus, trenn eS eine hier erfpähte Seute tneg; 
nehmen miß. Stuf einer feiner Seifen ftörte mein Çreunb Rennet) ein Âroïobit auf, treld)eS fid) 
in einem größtenteils mit bürrem Saube auSgefüßten Segenftrome rerfterft hatte. Sei Antunft ber 
Sertttenen entflog eS unb eilte fd)nurftractS bem anbertl)alb Steilen entfernten Strome 3U, fo eilig 
unb rafd), baß man eS mit ben fd)nellften Seittamelen nid)t einholen tonnte. £)aß bie alte betannte 
fÇabel, treibe lel)rt, bie ®rofobile tonnten fid) niefjt im Bictjactlaufe betregen, eben nur eine $abel i|t, 
trirb jebem Seobad)ter flar, tretd)er and) nur ein einiges $rofobil aus? bent Staffer herauf, auf ben 
©anb unb irieber in baS Staffer 3urücffried)en fah; benn bei biefent ïitrjen Stege pflegt eS einen $reiS 
311 befdfjreiben, beffen ©urd)meffer taunt mehr als bie halbe Sänge feines SeibeS beträgt. 
Heber bie höheren $äl)igteiten beS ®rofobilS läßt fid) fairer ein Urteil fäßen. £>erobot ift 
über ben ©ejtd)tSftnn unred)t berid)tet trorben ; benn baS S^ier fieï)t unter Staffer ror§üglid) fd)arf 
unb auf bem Sanbe gut genug; fein @el)ör ift auffallenb fein, jebenfaßS feiner als baS ber meiften 
übrigen $ried)tt)iere; ©erud§, @efd)tnad unb ©efühl aber fc£>einen fhtmpf 3U fein, trie auS einigen 
Siittl)eilungen,; treidle id) treiter unten geben trerbe, erheßen biirfte. Einen getriffen ©rab ron Ser? 
ftanb tann man ihm nid)t abfpredjen. ES merit fid), trenn eS Serfolgungen erfährt unb fud)t fid) 
berfeiben bann rorftdjtig gu entjie^en. Aße Ärofobile, treidle noch in Eggten leben ober gur $eit 
meines Aufenthaltes bort lebten, trod)en bei Antunft eines ©d)iffeS ftetS in baS Staffer unb gtrar 
immer fo redjtjeitig, baß man ihnen mit ©idherheit nid^t einmal eine Süd)fentugel jufenben lonnte, 
trährenb bie in ben Strömen beS ©ubal)n lebenben f^ahrjeuge riet näher an fid) heranlommeit taffen 
unb regelmäßig ron biefen auS gefd)offen trerben tonnen. Alte £l)iere/ treidle fd)on feit rieten 
fahren eine unb biefetbe ©anbbant betrohnen, rerlaffen biefe, trenn fie hier trieberholt geftört trurben, 
unb trählen fidh bann, immer mit getriffem @efd)icl, ein anbereS 5Jtlähd)en, um auf ihm behaglid) 
fchlafen unb ftd) fonnen 31t tonnen, unb ebenfo merten fte fid) bie ©teßen, ireld)e ihnen mehrfad) 
Seute lieferten, beityieiStueife bie 311m Ufer herabführenben Stege, treidle ron ben -Jperbenthieren ober 
ben trafferfd)öpfenben grauen begangen trerben, fel)r genau unb lungern unb lauern beftänbig in 
beren Sähe. ®od) unterfdheiben fie, trie idh bereits oben mittheilte, nicht 3irifd)en 9Senfd)en, 
Welche il)nen gefährlich trerben tonnen unb fold)en, ror benen fie fid) nicht 3U fürchten brauchen, 
nehmen rietmehr ftetS baS ©etriffe für baS Ungetriffe unb 3ie1)en fid) in baS Staffer jurücf, trenn fie 
überhaupt 2Aenfd)en getrahren. Seim Angriffe auf ihre Seute betreifen fie eine getriffe Sift; biefe 
tanu jebod) mit ber ©dhlanheit eines ©äugethiereS ober SogetS gar nicht rerglid)en trerben: baS 
Sßlumpe unb Sohgeiftige, ber geringe Serjianb beS ShiercS macht fidh auch h^t-'bei geltenb. SDaS 
Stefen geigt fidh Oerfd)ieben, je nach ben Umftänben. Auf bem Sanbe ift baS ^rotobit erbärmlidh feig, 
im Staffer rießeicht nicht gerabe mutJ)ig, aber bod) breift unb unternehmenb : eS fd)eint fidh ^ ©idlers 
heit, treldhe ihm fein heimifd)eS Element getrährt, roßtommen betrußt 31t fein unb barnach fein 
©ebafren 3U regeln. 9ftit Seinesgleichen lebt eS in gefeßigem Einrernehmen, außer ber SaarungS; 
3eit mit gleid) großen in Trieben, trährenb eS fleineren ber eigenen Arf ftetS gefährtid) bleibt; benn 
trenn ftd) ber junger regt, rergißt eS jebe Süctfid)t. Um anbere £l)iere betümmert eS fidh nur 
infofern, atS eS fidh barum hanbelt, eines ron ihnen 3U ergreifen unb 3U rerfyeifen; benfenigen, treidle 
eS nicht erhafd)en tann, geftattet eS, ftd) in feiner unmittelbaren Sähe umher3utreiben: baher benn 
aueb bie fd)einbare $reunbfd()aft 3U bem früher ron mir (Sanb IY, ©. 574) gefd)ilberten Sogei, 
feinem Städ)ter. 
£)aS Ærofobil ift fähig, bumpfbrüßenbe Saute auS3uftoßen, läßt feine Stimme aber nur bei 
größter Aufregung rernehmen. 3d) ha^e eS für möglich, baß man eines monatelang beobachten 
tann, ohne einen Saut ron ihm 3U hören; trirb baffelbe £l)iev fßöfelid) erfd)rcctt ober ihm eine Sknbe 
beigebracht, fo bricht eS in ein bumpfeS ©emurr unb felbft in ein lautes ©ebrüß auS. — Sei einer 
SBreljm, £I)ietïel>en. V. 5
        

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