Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Fünfter Band. Dritte Abtheilung: Kriechtiere
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29461/235/
Ringelnatter. 
219 
I)abe", fagt Seng, „iocnn id) fte auf einem Saume bemerfte, mir baê Sergnügen^ gemalt, 
fie recfyt I)odf) Ifnaufgutretben. ®ann fte nid)t mel)r better, fo fd)längelt fie fid) fitted an ben Reften 
I)erab ober geïjt, ioentt e» möglich tft, auf ben nädfftftelfenben Saum über unb fteigt burd) beffen 
3roeige Ijernieber; finb aber bie untersten Refte fern oom Sobett, fo fud)t fte nidb>t am ©tarnnte 
I)erabgugleiten, fonbern plumet I)erab unb entioifd)t." 
Rian nennt bie Ringelnatter ein gutmütï)igeê £I)ier, loeil fte bem RRenfdljen gegenüber nur 
äußerft feiten oon iljrem Oebtffe ©ebrattd) mad)t unb mit anberen ©drangen ober ®ried0tl)ieren 
überhaupt ober attd^ mit Surren fid) in ber Çrei^eit unb @efangenfd)aft gut Oerträgt, mit 2urd)en 
minbeftenê, fo lange fie nid)t hungrig ift. ©egen Raubfäugetl)iere unb Rauboöget ftedt fte ftd> 
aderbingl gifdjenb gur S$e§re, oerfudfjt aud^ tool)! gu beiden; trenn eê aber angelt, entfliegt fte oor 
folgen il)r gefâï)rïid) bünbenben ©efdjöbfen jebeêmal, namentlid) oor benfenigen, ioeId)e fte oer; 
folgen unb oergeï)ren. Sind nennt fie ein fo frieblid)e3, ^arntlofeê ©efcljityf, „baß man ftd) ocrfud)t 
füllen fönnte, baê arglofe Vertrauen, mit ioeldfent fie ftd) in bie Ralfe menfd)Iid)er 3BoI)nungen tragt, 
auf Rechnung einer Rrt guten ©etoiffenê gu fe^en. . . . £)er Rlenfd) gumal Ijat Rid)t3 oon ilfretn 
©ebiffe gu befahren unb barf oI)ne $urd)t bie .fpanb ttad) if;r auSftreden, fte greifen, ja, trenn er Joid, 
am Sufen tragen, ©3 feï)It itfr feineëtoegê an SRutl) gu i§rer Sertl)eibigung; man muß jebod^ gur 
Sift greifen unb fie un0erfel)en§ unb oon hinten anfaffen, um fie gum Seifen gu bringen". $u iljrer 
Sertlfeibiguttg gegen ben 9Renfd)en bebient fie fid) nur ilfreê überaus ftinbenben Hnratp; großen 
SIferen, Rauboögeltt unb Raben gegenüber geigt fte ftd) toeit boshafter, gifd)t bei bereu Rnnäl)erung. 
feljr ftarf unb beißt nad) ilfnen I)in, erreid)t aber nur feiten iljren $einb. „Rie I)abe id) gefelfen", 
fagt Seng, „baß fie foldfen $einben ioirtlid) einen Mftigen Siß beigebrad)t I)ätte, obgleid) fie im 
©taube ift, einige Sage Ifintereinanber, trenn fte mit bem $einbe eingefperrt trurbe, uttaufprlid) 
gufamntengeringelt unb aufgeblafen baguliegen unb febeêntal bei feiner Rnnäljerung gu beißen. 2Birî> 
fie oon bem $einbe, fei er ein Sogei ober ein ©äugetlfier,' trirflid) gepadt, fo trelfrt fte fid) nid)t, 
fonbertt gifd)t nur ftarf, fud)t fid) Io»gumacf)en ober umtoinbet ben $einb unb läßt SRift unb ©tin!; 
faft gur Sertïfeibigung Io3." ©rgäl)lungen, treldfe baê ©egent^eil ber Seobad)tungen uttfereê Seng, 
gu betreifen fd)einen, ïfabc id) übrigens and) oernommen; fo berichtete mir ein fonft glaubtrürbiger 
^orftmann, baß eine fel)r große Ringelnatter jtn ertrürgte. 
DRan fanb ben tobten ©tord) oon ber Ratter nod) eng umftridt." §ür mtmöglid) ntöd)te id> 
biefe Eingaben nid)t erklären, ©etricht aber lantt id) i^nen unmöglid) beilegen, unb bie Regel oermögen 
fte nicht umguftofen. 
£)ie beoorgugte Sente ber Ringelnatter befielt in ^röfc^en, unb gtrar ftedt fte ^auptfäd^Iidb ben 
Sanbfröfdfjen (Rana oxyrhinus unb Rana platyrhinus) nad). S)en Seobac^tungen unfereê Seng gu 
f^olge, fdbeint fte ben Saubfrofd) jebent anberen oorgugielfen, Irenigftenê ^at man frifd^gefangene, 
ireld)e attbere ^röfdbe oerfd)mäbten, burh oorgeÇaïtene Saubfröfd^e öftere gum ^reffen gebracht. 3u 
folcher Sederei gelangt fie im $mWI>en aber nur Jrä^renb ber 5ßaarung^geit ber Saubfröfd)e, ireldfe 
fie auf ben Soben Ifinabfiilfrt, unb für getrö^nlid) mögen tool)! SÇau; unb ©raêfrôfd^e baêfenige 
SMIb biïben, ireï^eê fie mit Seid)tigfeit unb regelmäßig erbeutet, ©ffelbt’ê Seobad)tung, baß bie 
Saffernattern oor bem grünen Skfferfrofdte gurüdfd^aubern, bei großem junger gloar anbeißen, i^n 
aber nid)t freffen, gilt toenigftenê für bie Ringelnatter nur bebingungêtoeife : fte I)abe ich me^r al§ 
einmal 2ßafferfröfd)e oerfc^Iingen fe^en. Skmt fie gröfd^e nicht gur ©enüge ^at, oergreift fte ftd) 
aud) an Sanbeibec^fen unb ebenfo an Kröten; elftere ßnbet man jebod) feiten in firent 9Ragen, toaI)r; 
fcheinïich Vveil fte gu fdfted ßnb, unb le^tere oerge^rt fte loo^I nur bei fe^r großem junger, dagegen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.