Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Fünfter Band. Dritte Abtheilung: Kriechtiere
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29461/199/
2Mgemeine§. 
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fcpïingenS tpeiltoeife in ^äulniff übergebt unb baburd) gefdfnteibiger, begügïid) leichter toerfcplingbar 
gemadpt Jroirb ; bet unfern europäifdpen Slrten biivfte ftdp ein äpnlidper $dd fcptoerlicp ereignen. ©ift= 
fdplangen paden ipr Opfer erft, nadpbem eS toerenbet ift, unb bann mit einer getoiffen Borfïdpt, um 
nidft gu fageu B^rtpeit. ©ie gebrauten beim Berfdflingen ipre ©iftgäpne gar nidpt, fonbern legen 
biefelben fotoeit gurüd als möglid; unb bringen bafür bie Untertinnlabe hauptfädplidp in BMrtfamteit. 
Oie Verbauung gept ïangfam toor , ift aber fepr Mftig. 3uerlt ^rb berjenige Opeil ber 
Beute, metier im unteren StRagen liegt, gerfept unb aufgelöft, unb fo gefdpiept eS, baff ein ©tüd 
bereite aufgelöft unb in ben Oarntfcplaud; übergegangen ift, epe uocp ber anbere Opeil toon ber Ber; 
bauung angegriffen tourbe. dßerben mehrere Opi ere toerfdpludt, fo liegen lie, laut Beug, fallé fie 
nidpt fepr Hein ftnb, nidft neben, fonbern fteté p inter einanber, unb ift ber SDcagen tooll, fo müffeit bie 
übrigen in ber ©peiferöpre toerparren, ‘bis fie nacprüden tonnen. Ote untoerbauïidpen Opeile ober 
©peiferefte, inSbefonbere Webern unb J^aare, toerben tpeiltoeife butdp ben Sifter entfernt, in ber 
Siegel aber als ©etoöde toteber auSgefpieen, toie ©oldpeS audp mit rnenig toerbauten Beuteftüden 
gefdpepen tarnt, toenn bie betreffenbe ©djlange erfdjrcdt ober überhaupt beläftigt toirb. 
Slud) ber StaprungStoerbraucp fcpeint toon ber SBitterung abhängig gu fein unb ftdp mit ber 
SBärme gu fteigern; eigentlich gefräßig aber ïann man bie ©dplangen nidpt nennen. ©ie toerfdplingen 
gtoar toiele Staprung auf einmal, tonnen Jebocp audp bann auf SBodpen, fa felbft monatelang opne 
jegliche Stabrung auSpalten. 
Bn manchen Staturgefdpidpten toirb begtoeifelt, baff bie ©drangen trinten. Berfudpe, toeldfe 
man mit gefangenen Slattern unb Äreugottern anftedte, fdjienen gu betoeifen, baff fie niemals dßaffer 
gu fiep nepmen. Slber biefe Berfudpe betoeifen SticptS; bettn bie Beobachtung, unb gtoar toieberpolte 
Beobachtung, pat uns über baS ©egentpeil belehrt. Side ©dflangen trinten — eingelne aderbingS 
fehr toenig — bie einen faugenb, mit tooden 3ügeiî/ unter beutlidh ftdptbaren Betoegungen ber fôinn; 
laben, bie anberen, inbem fie mit ber Bunge SBaffer; ober Opautropfen aufnehmen, begüglicp ihre 
Bunge mit benfelbett anfeud;ten. ©etoiffe Slrten ber Orbnung toertümmern ftdptlidp unb gehen 
fdhlie^lidh gu ©runbe, toenn [te beS SBafferS entbehren müffen; anbere hingegen fdheinen ihr Bebürfniff 
an toenigen tropfen tage;, ja toochenlang befriebigen gu tonnen. 
SBidptiger nod; als für baS Beben beS BogelS bie SJtaufer, ift für baS Beben ber ©drangen bie 
Häutung, eines ber erften ©efdpäfte, toeldheé baS eben bem ©i entfdplüpfte Bunge toornimmtunb eines, 
toeld;eé toon bem ertoadpfenen Stpiere tut Saufe beS BapreS mehrmals toieberpolt toirb. Oie Häutung 
beginnt mit Slblöfen ber feinen, toafferpeden Oberhaut an ben Bippeit, tooburdp eine groffe Oeffnung 
entfieht. ©S bilben fidh nun, laut Seng, gtoei klappen, bie eine toom Obertopfe, bie anbere toon ber 
Untertinnlabe, toelcpe ftdp gurüdfdplagen unb nadj unb nad) toeiter umgeftülpt toerben, fo baff fdpliefflidp 
ber innere Bpeil ^er ^ut nach muffen gerichtet toirb. But freien benupen bie ©dhlangen SJloS, 
<£jaibe unb anbere ^flangen, ober überhaupt Staupigteiten, um fid; ihres $embeS gu entlebigen, unb 
tonnen bie Häutung in fepr furger Bett üodenben; im Seifig bemühen fie ftdp oft lange toergeblich, um 
benfelbett Bluect gu erreichen, löfen auch nur feiten bie gange jpaut uugerriffen ab. Sladp ben Beob; 
adptungen ttnfereS Seng gefetzt bei ben einpeimifdpen ©dhlangen bie erfte Häutung ©nbe SfprilS 
unb SlnfangS SJtai, bie gtoeite ©nbe SJtai’S unb SlnfangS Buni, bie britte ©nbe Buni’S unb SlnfangS 
Buli, bie toierte ©ttbc Buli’ê unb SlnfattgS Sluguft, bie fünfte enblid) ©nbe SlitguftS bis SlnfangS 
©eptember; toie eS ftep mit benjenigen Slrten toerpält, toeldpe in heiffen Sänbertt leben, toei^ man nidpt. 
Unmittelbar toor ber Häutung ftnb ade ©d)langen rupig, nadp berfelben aber fofort um fo munterer. 
SBenige Xage nad; ber erften ^rühiaprShäutung beginnt bie ^ortpflangung. ©ie erregt audp 
bie ©cplangen in einem getoiffen ©rabe, teineStoegS aber in einem fo popen, als man gefabelt pat. 
©S ift fepr toaprfd;einlidp, baff ftd) eingelne Slrten toäprenb ber 5j3aarungSgeit gu größeren ©efed; 
fdpaften toereinigen unb längere Bett gufammett toertoeilen : — toon eingelnen ©iftfcplangen toenigftenS pat 
man beobachtet, ba^ fie fid; gerabe toäprenb ber Begattung gu einem förmlichen Knäuel toerfdplingenunb 
in biefer fonberbaren Bereinigung ftunbenlang toerparrett. ©onft finbet man Blänndpen unb SBeibdpen,
        

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