Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29460/987/
£>aubenfiei§fufi. 
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ben tëopf bilden laßt, taucpt, unb fo fortfä^rt, bi« er bie fiebere Sßeite erlangt gu paben meint." 
3n anberen Vögeln gefeilt fxtf> ber .Spaubenfteijjfufj niept ober bod) nur auf f urge 3eit ; toäprenb ber 
Srutgcit mag er felbft mit ©eineSgleid)cn LidjtS gu tpun paben. ©S fomnit oor, ba§ mehrere 
üßärcpen auf einem unb bcmfelben ©eioäffer niften; bann aber behauptet jebcS ftreng fein ©ebiet unb 
vertreibt aus biefent anbere Sßärcpen. 
Oie fräftige, ioeitfdjadenbe ©tirnrnc ift bielfach oerf epieben. Slit einem oft toicbcrpolten 
„töföföf" unterhalten fiep beibe @efcpled)ter; ein lauteres „®raor" ober „$ruor" Vertritt gleidhfam 
ben ©efang anberer Söget, ioirb ioenigftenS ^auptfäd^Hd^ mährenb ber Srutgcit oernommen unb 
fcpaUt, als ob eS ber SQßafferfpiegel Oerftärfe unb ioeitcr fortpflange, ba§ man eS nach Laumann’S 
Serficperung unter bem Suftguge auf eine ©tunbe ioeit oernehmen fanit. 3>n ber Läpe beS LefieS 
fepreien bie£>aubenftei§fü§e übrigens niept ober bod) nur feiten: Klugheit unb Çurdjt oerbieten ihnen, 
hier git oiel Särm gu fdE>lagcn. Um fo lebhafter rufen fie oor unb nad) ber Segattung, aber auep 
nur, toenn fie feinen Slenfcpen in ber Läpe ioiffen. Unter einanber ftnb bie ©atten eines SaareS 
überaus gärtlicp. „£)at fup'\ fagt Laumann, „ber eine gufättig etioaS entfernt, fo ruft ihm ber 
anbere fepnfücptig gu, bis er ihn ioieber bei fiep hat. Ruinier f^mimmen fic bann biept neben einanber 
her, tänbeln mit einanber unb ftimmen öfters ihren lautfdjaHenbcn gioeifang an. 3ebeS ^pärepen 
behauptet feinen Liftplap unb ba, ioo eS ber Umfang beS ©etoäfferS mehreren ober oielen gu brüten 
f geftattet, gibt eS gu Anfang ber ScgattungSgeit gar oiel Laufereien, bei benen guidât ber Sefiegte 
ben Serfolgungen beS ©iegerS geioöprtlid) nidjt anberS als burd) ben ^lug gu entgehen ioeig." 3>e 
naepbent baS Lohr früher ober fpäter eine gemiffe ipöpe erlangt hat, maept baS 5ßärcpen Lnftalt gum 
Suiten. OaS Left ioirb in ber Lape üon Lopr, ©d)ilf ober Sinfen angelegt, ftetS nap am Lanbe 
| beS Staffers unb ioeit ooni Sanbe entfernt, oft gang frei mitten im Sßaffer, unb an einigen ^almen 
feft gemaept. ©eine Sreite beträgt etloa einen $ujj, bie ipöpe ungefäpr fedpS 3od. Oie Slulbe ift 
ungemein platt, änfcpeinenb bloS burd) bie Saft beS liegenben SogelS naep unb nadp eingebriidt. 
„OaS ©ange gleicht einem aufgeioorfenen, gufäÜig oom Söinbe gufammengdoepten, fd)ioimmcuben 
klumpen faulenber Sßafferpfümgen fo öoUfommcn, baff eS ein Ungeübter nie für baS Left eines 
Sogeis anfepen ioirb. ©S ift nid)t allein gu beiounbern, baff biefer naffe klumpen ben giemlid) 
fepioeren Sogei "trägt, fonbern noep mepr, baf er beim Luf; unb Lbfieigen beffelben nidjt auffippt." 
Obgleich iepterer baS Left mit einer getoiffen Sorficpt befteigt, rutfepenb nämlicp, toirft er boep 
ï guioeilen ein unb baS anbere ©i in baS Staffer. Sier ©ier bilben baS ©elege, guioeilen eins mepr, 
mancpmal eins ioeniger: oon fielen ©elegeu, ioeld;e ipolp unterfuepte, enthielten oier je oier, eines 
fünf, eines brei unb eines gioei angebrütete ©ier. Oie Färbung berfelben ift anfänglich ein reines 
SBeiff, gept aber halb in Sepntgelb über. Seibe ©efcplecpter brüten abioecpfelnb unb ungemein eifrig; 
OieS ift aber auep fepr nötpig, ba bie ©ier geioöpnlid) bis gur Hälfte ioirfliep im Staffer liegen. 
Unterfud)t man ein Left, oon ioeldjem ber brütenbe .ipaubenfteigfufj eben abftieg, fo finbet man, bafj 
niept bloS baS ©elege, fonbern faft baS gange Left burcpioärntt ift. Seibe ©atten geigen eine aufer? 
orbentlicpe Siebe gur Srut, unb namentlid) baS Skibepen geberbet fid), ioeuu man fiep bem Lefte 
napt, ungemein ängfiliep, ftöft tlageube Saute -aus unb fept feine ©ieperpeit opne Sebenfen aufs 
©piel. 2Benn man fiep näpert, oerläfjt eS bie ©ier, bebedt fie aber beim Lbgepen in großer ©il= 
fertigfeit mit Leftftoffen, entfernt ftep niept ioeit unb feprt fobalb als irgenb tpunlid) ioieber gurüd. 
Limmt man ipni ein ©i nad) bem anberen ioeg, epe eS brütet, fo fann man eS naep unb nad) bapin 
bringen, iprer gioaugig unb mepr gu legen. Oie jungen ioerben oon beiben ©Item gefüprt, 
boep übernimmt ber Sater pauptfäcplid) baS Lmt beS SßäcpterS. Lnfänglidj ioerben beit ®ücplein 
fleine ^erbtpierlaroen mit bem ©djnabel oorgepalteu, fpäter nur auf baS Sßaffer gelegt, gleicpgeitig 
fie im Oaucpen unterrteptet. $ifepe, ioeld)e gu grog finb, oerfpeifen bie Llten, naepbetn fie bie frucpt= 
lofen Semüpungen ber jungen, fie gu oerfd)luden, angefepen pabett, fcpliefjlicp felbft, fangen bafür 
aber bann fleinere. Saffen bie jungen aus Stängel an ®efcpidlid)feit bie Laprung fallen, fo fangen 
bie Llten biefe ioieber auf. Ole jungen finb, ioie Sädel fd;ilbert, guntal in früper Sugettb gar
        

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