Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29460/925/
Sadjinobe. 
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Sefdhäftigt man ftd^> eingehenb mit ihnen, fo Serben fie halb aufjerorbentlidh gähnt, laufen bem Pfleger 
Wie ein ^>unb auf bem gu§e nach, begrüben ihn freubig, Wenn er f«^ geigt, unb folgen ihm fpäter 
fCiegenb burd) bag ©eijöft unb ben ©arten, and) wohl big in bag $eïb hinaug. Sig gegen ben ©pats 
bevbft hin berïaffen foïd^e ©efangene ben 20ohnplap, Weïdjen man ihnen angeWiefen, nicht. ©te 
entfernen fid) Wol)l geitWeilig unb treiben ftd) aud) meilenweit in ber Umgegenb umher, feeren aber 
immer Wieber red^tgeitig gurüd, namentlich Wenn man fie an eine beftimmte ^ütterunggftunbe 
gehöhnte, $inben fte unterWegg Slrtgenoffen, fo berfud)en fie biefe mitgubringen unb Wiffen in ber 
Siegel beren SDtiftrauen fo bollftänbig gu befeitigen, ba§ bie Sffiilblinge fd)einbar alle ©d)eu bor bem 
SDienfd^en ablegen unb [ich Wenigfteng eine äeitlang in bem ©eljege ihrer gelähmten ©d)Weftern auf; 
halten; ungeftört lehren fie bann gern Wieber gurüd unb fd)lie§lid) fann man, Oanf feinen Pfleglingen, 
tagtäglich fo Oiele Sefud)er erhalten, ba§ befonbere Sorfehrmtgen nöthig Serben, fie auch entfpredjenb 
gu bewirken. 
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©eftalt unb Färbung ber Staubmöben (Lestres) beredhtigen ung, fie aïg befonbere fÇamilie 
aufgufaffeu. SDie Wenigen Slrten berfeiben, Welche man lennt, ähneln ben SDtöben, unterfcheiben ftd) 
aber burch bie Silbung beg ©d)nabelg unb ber Süfje, burd) bie eigenthümlidhe Färbung beg ©efteberg 
unb bie fehr berfcpiebene £ebengWeife. £)er Seih ifi Iräftig, ber .!palg furg, ber ®opf Hein, ber hinten 
mit einer 2öad)ghciut belleibete ©dhnabel berhältnifjmäfjig lurg, aber ftarf, bid, blog torn feitïid) 
gufammengebrüdt, auf ber Oberfirfte ftarihcdig übergewölbt, an ber unteren Æinnlabe edig augge; 
bogen, ber $ufj, beffen berhältnifjmäfjig furge gehen bur* »ode ©d)Wimmhäute Oerbunben unb mit 
ftarfgefrümmten, ffoi^ett, fcharfranbigen Stägeln bewehrt ftnb, mittefljoch, bev f^lügel gro§, lang, 
fdhmal unb fpt^tg, unter ben $anbfd)Wingen bie erfie bie längfie, ber aug gWölf Gebern beftehenbe 
©d)Wang mittellang, mit oerlängerten SDtittelfebern, bag ©efteber reich unb bid)t, auf ber Unterfeite 
' pelgartig, feine borherrfdjenbe Färbung ein büftereg Sraun, Weld)eg bei ben Sllten fetten, bei ben 
jungen öfterer Iid)tere Färbung geigt. 
®er ©dhäbel ift breit unb fräftig; bie ©chläfenfortfä^e geidjnen ftch aug burch ihre ©tärfe; bie 
Sßirbelfäule befteht aug breigehn £>alg;, acht Stüdett;, gWölf ®reugbein; unb fteben ©d)WangWirbeln ; 
bag Sruftbein ift in ber ÜTtitte unb hinten berhältnifjmäfjig fdhmal, geigt nur einen ^ortfap unb eine 
Sucht. 5)ie gunge ift fdhmal, oorn langettförmig, ber ©dhtunb mittelweit unb faltig, ber SDrüfen; 
magen bon ihm äußerlich nicht abgefe^t, ber SJtugfelmagen berb unb heutig tc. 
Oie Staubmöben ftnb borguggWeife im nörblidhen falten ©ürtel ber ©rbe heimifd), leben nteift 
auf offenen SDteeren, wäprenb ber ^ortpflangungggeit bie Slähe ber Unfein unb lüften fudhenb. 
©etegentlidh Wenben fte ftd) nach ©üben unb unter Umftänbett geigen fte ftch inneren beg Sinnen; 
lanbeê. ©ie gehören gu ben beWegunggfäljigften ©liebem ihrer gunft, gehen mit Wagered)t getragenem 
Seibe rafd) unb gefdudt, eingelne Slrten faft ebenfo gewanbt Wie ©telgbögel, fdhwimmen gut, fliegen 
aber mehr alg fte fdhwimmen, gehen ober ftehen, unb gWar in einer bon allen übrigen ©eefliegern 
berfdjiebenen Sßeife, füljne, mand)fach abWedjfelnbe, oft Wunberlid)e ©chWenlungen augfüljrenb ober, 
fo gu fagen, Ijüpfenb ftch beWegenb. 3hre stimme ift ein unangenehme^ ©efrächg, bie ber 3*ngen 
ein leife§ piepen. 2ln ©innegfdhärfe übertreffen fte bie Sertoanbten in eben bemfelben ©rabe, tbie 
fte ihnen an SJtuth unb Kühnheit borauêftehen. ©ie ftttb gelbifferma^en SJtittelglieber glbifdhen ben Staub; 
bögeln unb ben SERöben; benn ibie jene greifen fte alle ^ere att/ Welche fte bewältigen fönnett, 
unb Wie bie ©dhntaroper unter ben Stäubern peinigen fte anbere Sögel folattge, big fie ihnen bie 
gemachte Seute guWerfen. früher nahm man an, ba§ fte ftdh blog alg ©dhntaroher gu ernähren 
Wüßten unb gu felbftänbiger Sngb unfähig Wären; bie neueren Seobacptungen hnben biefe SDteinung 
Wiberlegt. SlEerbingg gehören bie Staubmöben nicpt gu ben befferen ©tofjtauchern unb fönnen nur 
bann ^ifdhe erbeuten, Wenn leptere bicht unter ber Oberfläche beg 3öafferg ba^in fchwimmen : aber
        

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