Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Illustrirtes Thierleben: eine allgemeine Kunde des Thierreichs. Vierter Band. Zweite Abtheilung: Die Vögel. Zweite Hälfte: Späher, Läufer und Schwimmer
Person:
Brehm, Alfred Edmund
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit29460/744/
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®ie Säufer, ©telgoögel. Steher. 
$üße, bie feljr Breiten ©htoingen unb bal reichliche mit Sluênahme bon brei fabenförmigen ©hntucf; 
febern am £>interïobfe, tttrgenbl Oerlängerte ©efteber bon ben anberen Stehern. Seim aïten Sogel 
ftnb Oberïopf, 9^cicfen, Oberrücfen unb ©hultern grünïihfhtoûrg, bie übrigen Oberseite unb bie 
.îpalêfeiten afhgrau, ber Unterleib blaßßrohgelb, bie brei langen ©d)mucffebern toeiß, feiten theiïtoeife 
fd)toarg. Oal Singe ift prad^tbotl burburroth, ber ©d)nabel fdjtoarg, an ber SBurget gelb, bie nacfte 
Æobfftetle grün, ber $uß grüngelb. Sei ben Sungen ift bal Obergefieber auf braunem ©runbe 
roftgelb unb getblihtoeiß in bie Sänge gefïeÆt, ber £>all auf gelbem, ber Unterleib auf toeißlihem 
©runbe braun gefïecft; ber 3obf fehlt unb ber Slugenftern fte^t braun aul. Oie Sänge beträgt 
21 biê 22, bie Sreite 44, bie $ittiglänge 12V2, bie ©htoanglänge 474 3oR. 
Stud) ber 5Radf>trei^er ift toeit Verbreitet, ©r betoohnt allfommerlih Jpoïlanb in ÜHtenge, 
Oeutfhlanb einzeln unb nic()t regelmäßig, bie Oonautieflänber unb geeignete ©egenben uml fhtoarge 
unb ïafpifc£)e SJteer maffen^aft, ïonimt aud) ail 3u9to09ei in italien, ©übfranfreih unb ©banien 
oor, toanbert aÏÏtointerlih nadj ©gbbten unb, ben ©trômen nadfjfliegenb, bil in bie Urtoalbungen 
SRittelafrifal. 3m Sorbett erfheint er ©nbe Styrill ober Slnfang SRail; feinen Stüdgug tritt er im 
©ef)tember ober Oftober toieber an. 
Oie ©egenb, in toelher el bem Stacl)trei§er gefallen foil, muß reich an Säumen fein; benn auf 
biefen fd)läft er, unb fte bebarf er gum Srüten. ©ümbfe, in beren Stälje el feine ^Salbungen ober 
Säume gibt, beherbergen ihn nicht ober bod) nur unregelmäßig unb ftetl bloê auf furge 3eit, toaffer; 
reiche Stieberungen aber, Welchen el toenigfienl an einer gefhübten Saumgruppe nicht fehlt, oft in 
unglaublicher Stenge. ©3 ift nicht gerabe nöthig, baß ein foidjer ©hlafylah nahe am ©umbfe liegt; 
benn el fxd;tben Sogel ioenig an, toenn er allnächtlich eine große ©trecfe burchfliegen muß, um oon 
bem Stuheorte aul fein 3agbgebiet gu erreichen unb toieberum nach jenem gurücfgufehren. Stur 
ioährenb ber Srutgeit macht er h^eröon eine Slulnahme, aul bem einfachen ©runbe, toeit 
bie ©rnährung feiner 3ungen eine ungleih größere ^hätigfett beanfbrudh, all er fte fonft auls 
guüben beliebt. 
Stit Slulnalmie ber Srutgeit Oerbringt unfer Sögel ben gangen Sag fhlafenb ober ruhenb, 
unb erft mit ©inbruh ber Joirïlihen Dämmerung tritt er feine ©treifereien unb 3agbgüge an. ©eine 
Setoegungen unterfheiben ihn in mancher tpinftht oon anberen Steuern. Oer ©ang geid^net ßh 
burd) bie furgen ©hritte, ber $0*9 burh oerhältnißmäßig fdßtelle, aber oollfommen geräufhlofe, 
oft toieberholte f^Iügelfc^läge unb nur furgel ©leiten aul. ©etoöhnlih fleht man bal nähtlihe 
$eer in einer bebeutenben ,!pöhe bahingieljen, ftetl in regellos georbneten Raufen, ba, too unfer 
Steher häufig ift, oft auf ben ad)ten Sljeil einer ©eoiertmeile ben Stahhimmef erfüllend 3k ber 
Stälje ber ©ümbfe angefommen, fenft fth bie ©efeUfhaft mehr unb mehr herab, unb oor bem Stieber; 
fe^en bemerft man auh toohl ein furgel ©htoeben. 3n ber Siegel geigt fth ber Stahtteher jeber 
fhneflen Setoegung abholb; benn unfähig ift er einer folhen burhauê niht. ©ine gertigfeit beßht 
er im hohen ©rabe: er fann oortrefflih flettern unb betoegt fth bemgemäß im @egtoeigeJ)er Säume 
faßt mit bcrfelben ©etoanbtheit toie bie 3toergreiher, toeld)e all bie eigentlichen ^letterfünftler ber 
Familie begeihnet toerben ntüffen. Oie ©timme ift ein rauher, auf toeitlßn oernehmbarer Saut, 
toeld)er atlerbingl an bal ®rätreiher3 unterfheibet fth bem anberer Steiher ungefähr ebenfo tote 
baê einer ©ule oon bem eineê Ralfen, ©igeittlih fh^^ lann man ihn niht nennen, ebtoohl er 
immer eine getoiffe Sorftht befunbet. Slber man trifft getoöhnlih emh nur bei Sage mit ihm 
gufantmen unb hat bann eben einen fcfjtafenben ober boh fhïâfrigen Sögel oor ßh* ®iefer läßt in 
ber Siegel ben Stafhen biê unter ben Saum fommen, auf toelhem er ruht, unb entfhließt ßh üu^) 
bann niht immer gum Slufßiegen, gumal an Orten, too er burh ©utmüthigteit bei SRenfhen 
oertoöhut tourbe. Oerfelbe Sögel geigt ßh, toenn bie Stahl hereittbriht, munter unb regfam, toenn
        

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